Uli Kempendorff’s Field - Who Are You Sending This Time?

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Uli Kempendorff’s Field - Who Are You Sending This Time?

Uli Kempendorff’s Field
Who Are You Sending This Time?

Erscheinungstermin: 04.04.2025
Label: Unit records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Jeder weitere Titel bestätigt die Einzigartigkeit dieses Albums. Hier gibt es keine musikalischen Abkürzungen, hier wird sehr guter Jazz gespielt. Die Soloparts entwickeln sich zu längeren Geschichten und die Virtuosität der Solisten beeindruckt mit jeder Phrase. Das Album beweist, dass es immer noch möglich ist, etwas Neues und Frisches zu schaffen und gleichzeitig tief in der Jazztradition verwurzelt zu bleiben. (Jacek Brun, 05.04.2025)

Besetzung

Uli Kempendorff – Tenor Saxaphone
Christopher Dell – Vibraphone
Jonas Westergaard – Double Bass
Peter Bruun – Drums

Über das Jazz Album "Who Are You Sending This Time?" von Uli Kempendorff’s Field

Machen wir einfach weiter oder ordnen wir uns neu? Oder beides? FIELD haben in den letzten Jahren ihren eigenen Sound weniger gefunden als produziert. Alles ist näher zusammengerückt und leiser geworden. Die Band arbeitet kontrapunktischer denn je, getragen von einem vorsichtigen Einverständnis, von genauem Zuhören, von kollektiver Geistesgegenwart. Es gibt eine Übereinkunft, das Wesentliche herauszuarbeiten. Es kann sein, dass es eine Zeit lang für jeden etwas anderes ist, worauf es ankommt. FIELD ist weit entfernt vom Spielmodell einer eingeübten und routinierten Arbeitsteilung, bei der jeder immer weiß, was zu tun ist. So entstehen weite Freiräume für die Musik. In denen viele Fragen warten.

Womit anfangen? Am besten mit einem Klagelied. „Dirge“ ist ein Gattungsbegriff dafür. Es gab Philosophen, die den Ursprung der Musik im Geist der Klage, der Trauer, des Abschieds sahen. Man muss diese Auffassung nicht teilen, aber immerhin kannte die antike Mythologie den Sänger Orpheus, der sogar den Höllenhund Zerberus zum Zuhören bringen konnte und es beinahe geschafft hätte, Eurydike mit seinem Klagegesang aus dem Hades zu befreien. Es muss ein sehr leiser Gesang gewesen sein. An der Musik lag es jedenfalls nicht, dass die Sache schief ging.

Trauerlieder sind dem Andenken einzelner Menschen gewidmet, aber sie sind zugleich universell, wie das Gefühl der Trauer selbst. Uli Kempendorff, der das Lied geschrieben hat, dachte an Carla Bley, die Ende 2023 gestorben ist und die nicht nur er vermisst. Andere in der Band dachten vielleicht an den Fluxus-Komponisten Henning Christiansen, dessen Grab sich auf der Insel Møn befindet, wo die Band das Album aufgenommen hat. „Dirge“ gibt es in zwei Versionen. Sie zeigen zwei Arten, wie das Quartett mit dem Material umgeht, und umschließen das Ganze wie eine offene Klammer.

„The Bronze Buckaroo“ war eine Serie sogenannter race movies in den 1930er Jahren, in der Herb Jeffries den schwarzen Cowboy-Sänger Bob Blake spielte. Race Movies wurden für ein fast ausschließlich afroamerikanisches Publikum produziert und hatten fast ausschließlich schwarze Darsteller. Henry Threadgill und Sonny Rollins sollen diese Filme gern gesehen haben. Übrigens gab es auch sogenannte Race Music. 1956 hatte Elvis Presley mit „Hound Dog“ von Jerry Leiber und Mike Stoller, das zuvor in der Version von Big Mama Thornton erfolgreich gewesen war, einen Nummer-eins-Hit in der anderen, der weißen Hitparade. „The Bronze Buckaroo“ wechselt entsprechend mehrfach Tempo und Stimmung, Uli Kempendorff reitet als freier Radikaler über die Prärie. „Sehr nüchtern“ ist ein weiterer Beweis für die Wendigkeit und die hochelastische Dynamik, die das Quartett gemeinsam entwickelt hat. Eine frühere Version des Stücks findet sich auf dem vorletzten FIELD-Album „Heal The Rich“.

Die internationale Frachtschifffahrt verlor bis 2022 im Durchschnitt ein Schiff pro Woche mit mehr als 100 Bruttoregistertonnen. Seitdem sind die Zahlen leicht zurückgegangen, wenn auch nicht auf ein beruhigendes Niveau. Die meisten Frachtschiffe sind nicht dafür ausgelegt, sogenannte Monsterwellen unbeschadet zu überstehen - und diese Wellen sind häufiger als bisher angenommen. „A Ship A Week“ geht der Frage nach, wie es sich anfühlt, wenn eine kleine Crew auf einem manövrierunfähigen Schiff auf Hilfe warten muss. Spiel mir das Lied vom Tod ... Als der Pazifist Mauricio Kagel Ende der 1970er Jahre die „Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen“ komponierte, herrschte in seinem Heimatland Argentinien eine Militärdiktatur. Kagel hatte ein klares und kritisches Verhältnis zur Marschmusik: „Musik kann sich wirkungsvoll in den Köpfen derer einnisten, die mit Sprengköpfen umgehen müssen“, sagte er. Und alle zehn Märsche hintereinander aufzuführen, meinte er, sei „ausdrücklich zu vermeiden“.

FIELD spielt den zweiten Marsch: Allegro. Damit sind wir bei „Wartocracy“. Das ist eine Wortschöpfung. Sie weist darauf hin, dass wir derzeit eine noch vor kurzem unvorstellbare Normalisierung des Krieges und eine Militarisierung des gesellschaftlichen Diskurses erleben. Die Band geht behutsam mit dem Wort um. Sie beleuchtet und untersucht es von verschiedenen Seiten. Sie findet seine Bedeutung befremdlich, vielleicht sogar bedrohlich. Was soll das? Die Band reagiert kontrapunktisch.

Und was hat es mit diesem Kontrapunkt auf sich? Eigentlich ist das ein Wort für eine sehr alte, auf strengen Regeln beruhende Art des Komponierens, bei der unabhängige Stimmen miteinander, nacheinander, umeinander am Material arbeiten. Wenn man die Regeln etwas lockert, wird die Sache nicht weniger komplex, aber freier. FIELD hat in der großen Sprachwelt des Kontrapunkts einen eigenen Dialekt entwickelt: „Vernacular Counterpoint“.

Text: Unit records

Titelliste

  1. Dirge
  2. The bronze buckaroo
  3. Sehr nüchtern
  4. A ship a wreck
  5. March 2 from 10 marches to miss the victory
  6. Wartocracy
  7. Vernacular counterpoint
  8. Dirge reprise

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