Vlado Grizelj - Purple Sky

Vlado Grizelj - Purple Sky - Albumcover
Vlado Grizelj - Purple Sky

Vlado Grizelj
Purple Sky

Erscheinungstermin: 24.05.2024
Label: Double Moon Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Vlado Grizelj zeigt sich hier als Gitarrist mit unerschöpflicher Energie, als charismatischer Improvisator, der Wege geht, die nur er kennt. Darüber hinaus ist er ein unglaublich vielseitiger Musiker mit einer enormen Vorstellungskraft, die es ihm ermöglicht, sich in fast jeder musikalischen Situation zurechtzufinden, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren. "Purple Sky" ist ein großartiges, energiegeladenes Album, voll von widerspenstigen Soloparts, die nicht nur vom Leader vorgetragen werden. Grandiose Musik, wir sind begeistert! (Jacek Brun, 24.05.2024)

Vlado Grizelj - Guitar
Matthias Bublath - Keyboard
Boris Boskovic - Bass
Christian Lettner - Drums

In der Musik entsteht das Neue nur aus der Tradition, das Begabte reift nur in der Beherrschung des Handwerks. Das neue Album „Purple Sky“ des Gitarristen und Komponisten Vlado Grizelj ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Balance dieser beiden künstlerischen Triebfedern zu einem mitreißenden Ergebnis führen kann. Eine der Wurzeln von Grizeljs Kompositionen ist die Erinnerung an seine Heimatstadt Sarajevo, die er mit 17 Jahren verließ, und an seinen verstorbenen Vater Marko, dem er das Album widmete. Noch stärker aber ist der frühe Einfluss von Rock und Jazz, insbesondere seine Liebe zum Funk und Soul der sechziger und siebziger Jahre.

So beginnt „Purple Sky“ gleich mit dem typisch synkopierten „The First One“, das aber gleichzeitig lässig groovt und dessen Melodie sich vor allem durch das Unisonospiel von Gitarre und Orgel einprägt. Einen Gang höher schalten „Wanna Dance“ und „Bring It On“ mit Uptempo, effektvollen Pausen und energiegeladenen Soli von Gitarre, Piano und Schlagzeug. Emotionaler wird es bei „Purple Sky“: Im Titelstück des Albums, das von einem lyrisch-heiseren Fender Rhodes E-Piano untermalt wird, schwelgt Griseljs Gitarre in Erinnerungen an seinen Vater mit sanften, markanten Melodielinien, die kurz von einem Aufschrei eines Verzerrer-Rock-Solos unterbrochen werden. Ganz in einen sanften Balladenton taucht „Fine“ ein. Der rockige Charakter von „Dark Storm“ wiederum kann einen leichten südosteuropäischen Einschlag nicht verleugnen, ebenso wie das von einem Besuch in Sarajevo inspirierte „Coming Home“ bei aller Coolness nicht auf seinen verklärten, nostalgischen Unterton verzichtet. Mit „Wow!“ kehrt man zu einem schweren, extrem entspannten Groove zurück, bevor das Album mit einer wahren klanglichen „Supernova“ endet.

Vlado Grizeljs Virtuosität, Lässigkeit und Prägnanz erinnern an viele Gitarristen aus dem breiten Fusion-Spektrum von Larry Corryell, John McLaughlin und Volker Kriegel bis hin zu Pat Metheny oder George Benson, und doch bleibt es immer sein eigener Ausdruck und Stil. Es ist vor allem sein Talent für weit ausholende, aber immer einprägsame Melodielinien, das seine elf Kompositionen auszeichnet. Spannende musikalische Geschichten werden darin erzählt, die Grizelj aus der Erfahrung von 30 Berufsjahren schöpft. So zieht sich eine Entwicklungslinie von seiner weltmusikalisch grundierten Fusion-Band Etna, mit der er vor 20 Jahren zur Speerspitze des genresprengenden jungen deutschen Jazz gehörte, über sein vor Spielwitz sprühendes Trio mit dem Bassisten Sebastian Gieck und dem Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber bis zu diesem neuen Funk-Quartett.

Dass Grizelj hier so viel Raum für Improvisationen und Soli lassen kann, ja fast muss, liegt nicht zuletzt an seinen hervorragenden Begleitern, die alle drei zu den Ausnahmekönnern ihres Fachs gehören. Der aus Kroatien stammende Bassist Boris Boskovic (der auch Gitarre und Klarinette beherrscht) hat mit Vladislav Cojocarus Moy Avaz, Miriam Arens‘ Liliath und vielen anderen Bands die Brücke zwischen der kroatischen und deutschen Jazzszene geschlagen und auch als Lehrer vielen den Weg zum rhythmusbetonten Jazz zwischen Funk und Balkan gewiesen.

Der Österreicher Christian Lettner zählt seit Jahren zu den vielseitigsten und gefragtesten europäischen Schlagzeugern. Der Spezialist für brasilianische Rhythmik ebenso wie für energetischen Jazz und Fusion gehört seit einem Vierteljahrhundert zum Inventar von Klaus Doldingers Passport und kaum weniger lange zu Joo Kraus‘ Basic Jazz Lounge. Er spielte mit Stars wie Karl Ratzer, Nils Landgren oder Johannes Enders und ist seit drei Jahren Professor an der Münchner Musikhochschule. Mit Matthias Bublath verbindet Lettner die Vielseitigkeit, gepaart mit einer starken Vorliebe für den Groove, und so haben die beiden bereits in mehreren Projekten zusammen gespielt.

Bublath ist zwar Münchner, aber man könnte ihn auch einen amerikanischen Jazzer nennen: Zehn Jahre lang lebte und spielte er in New York, setzte sich in der härtesten Szene der Welt durch und eignete sich eine enorme Bandbreite von Latin bis Modern Jazz an. Was er nun seit vielen Jahren auch in der süddeutschen Jazzszene als Sideman und mit vielen eigenen Projekten bis hin zur eigenen Eight Zylinder Big Band fortsetzt. Nicht zuletzt ist Bublath, wie auf „Gomera“ zu hören ist, einer der weltweit besten Spezialisten für die Hammond-Orgel.

Zu einem perfekt harmonierenden Quartett fügen sich die vier auf „Purple Sky“. Das aus dem Funken des klassischen Funk ein helles Feuer entfacht. Und das Grizeljs Kompositionen so emotional, dynamisch und cool inszeniert, dass man sich ihnen nicht entziehen kann.

Text: Double Moon Records

  1. The First One
  2. Wanna Dance?
  3. Bring It On
  4. Purple Sky
  5. Dark Storm
  6. Fine
  7. Headhunter
  8. Coming Home
  9. When It's Gone
  10. Wow!
  11. Supernova

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