Willy Ketzer - A Tribute To Ramsey Lewis

Willy Ketzer - A Tribute To Ramsey Lewis

Willy Ketzer
A Tribute To Ramsey Lewis

Erscheinungstermin: 19.08.2011
Label: In&Out, 2011

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Dass ein Schlagzeuger einem Tastenmann Tribut zollt, dürfte zumindest auf den ersten Blick als ungewöhnlich eingestuft werden. Doch in unserer Geschichte handelt es sich nicht um irgendeinen Drummer und einen beliebigen Pianisten. In dieser Hommage trifft ein rheinischer Tausendsassa auf den Chicagoer Erfinder des Soul Jazz – und siehe da, eine packende, sportive und hoch unterhaltsame R&B-Revue ist das Resultat.

In seiner über dreißigjährigen Karriere hat sich Willy Ketzer regelmäßig als beliebtester deutscher Jazzdrummer behauptet, beherrscht jedoch auch das Easy Listening- und Pop-Fach. Schon 1977 bekam der Kölner seine Eintrittskarte in die Kultband Passport von Klaus Doldinger, tourte mit der Fusion-Formation weltweit, trommelte in der Tatort-Erkennungsmelodie. Darüber hinaus kann er auf Erfahrungswerte in den unterschiedlichsten Besetzungen zurückgreifen: Ketzer war Rhythmusgeber bei allen großen deutschen BigBands von Peter Herbolzheimer bis zum WDR, gründete 1990 gar sein eigenes Orchester. In den Staaten spielte er mit einer breiten Palette von Künstlern, unter ihnen Helen Schneider, Tom Jones und Lisa Minelli. Auch die Trioarbeit lag und liegt dem Schlagwerker: In Dreierbesetzung wirkte er mit Eugen Cicero, über drei Jahrzehnte hinweg begleiter er nun seinen Freund Paul Kuhn, und mit seinen engen Kollegen Martin Sasse (p) und Jens Foltynowicz (b) hat er eine eigene Band auf die Beine gestellt. Genau dieses eingespielte Team ist es, mit dem er als Kernbesetzung nun zu einem besonderen Steckenpferd aufbricht. Im Vergleich zu meinem letzten In&Out-Album, der Swingplatte Carnegie Society, ist das jetzt eine ganz andere Welt, sagt Ketzer. Ich stand ja schon immer auf Rhythm’n’Blues und Soul und dachte mir: Machst du mal einfach für dich eine Platte davon. Sein auserkorener Tributheld ist Ramsey Lewis: Ich bin ein sehr sportlicher und energievoller Mensch, bekennt Ketzer, und bei Paul Kuhn bin ich ja immer für die schöne Begleitung, für delikate Brushes zuständig. Aber hier kann ich auch mal die überschüssige Energie rauslassen! Und so zeichnet der Rheinländer Lewis’ Paradestücke wie das gospelgetränkte Wade In The Water und das unwiderstehliche The In Crowd aus seiner Perspektive nach: groovig, packend und kraftgeladen.

Über Sasse und Foltynowicz hinaus hat sich Ketzer zu seinem 60. Geburtstag ein paar Freunde eingeladen, mit denen er dieser Disziplin frönt: Dazu zählt Paul Shigihara, der unvergleichliche Gitarrist der WDR Big Band, ebenso der Saxophonist Tony Lakatos, einer der besten seines Faches über Deutschland hinaus.

Schließlich kam auch Helge Schneider dazu, mit dem Ketzer derzeit die Buxe Voll-Tournee bestreitet: Seit dreißig Jahren kannten wir uns durch Talkshows und Auftritte aus der Ferne, haben unseren Werdegang gegenseitig verfolgt. Bis Helge mich eines Tages tatsächlich anrief, ob ich Lust hätte, in seiner Band mitzuspielen. Meine Zusage war goldrichtig, der Mann ist Jazz durch und durch! Schneider, auch er ein Lewis-Fan, revanchiert sich bei seinem neuen Bandkollegen nun ganz spontan mit zwei famosen Orgeleinlagen. Über die hinlänglich bekannten Ramsey Lewis-Nummern greifen der stets pointiert und einsatzfreudig agierende Ketzer und seine Mitstreiter jedoch weiter aus: Das Album eröffnet mit einer muskulösen Variante von A Hard Day’s Night, geht in eine sinnliche, soulrockige Lesart von Son Of A Preacher Man über, die in eine fulminante Battle von Sax und Gitarre mündet. Im Zentrum stehen die augenzwinkernden, tierischen Titel The Cat mit Helge Schneiders Tastenzauber und das funkige The Chicken, ein weiterer Soulhafen wird mit Knock On Wood angelaufen. Ein zärtlich-hymnischer Moment aus der Feder des langjährigen Ketzer-Freundes Mike Herting und Paul Shigiharas Komposition Goin’ Home bilden balladeske Gegengewichte. In der Zahlenkombination 3 2 7 wartet ein prächtiger Blues auf den Hörer – Komponist Ketzer hat ihn nach seinem Entstehungsort benannt, einer Hotelzimmernummer in Wuppertal. Mit Schneider an der versponnenen Orgel setzt Gershwins Summertime einen unerwarteten Schlusspunkt mit feurigem Jam-Charakter. Es geht mir darum, die Stilistik von Lewis zu zeigen, seine Energie und Spielfreude nachzuempfinden, so Ketzer. Und seinen Geist, den kann man auch durchaus an anderen traditionellen Nummern demonstrieren. Willy Ketzer und Ramsey Lewis: zwei Jazzer, deren alles andere als geheime Rhythm’n’Blues-Liebe sich auf dieser grandiosen Tributscheibe vereinigt.

  1. A hard day's night
  2. Son of a preacher man
  3. Wade in the water
  4. Moment
  5. The cat
  6. The chicken
  7. Goin' home
  8. Knock on wood
  9. 327
  10. The in crowd
  11. Summertime

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