Rezension des Albums "Containment" von Simon Kuhn
Simon Kuhn
Containment
Erscheinungstermin: 28.08.2026
Label: Double Moon Records, 2026
Vier Stimmen ohne feste Rollen
Schon die Besetzung macht neugierig. Violine, Gitarre, akustischer Bass und Schlagzeug bilden auf Containment eine Formation, deren Möglichkeiten sich nicht sofort erschließen. Genau darin liegt ein wesentlicher Reiz des Debütalbums von Simon Kuhn: Die Instrumente übernehmen keine dauerhaft festgelegten Funktionen, sondern verändern ihre Rollen im Verlauf der acht Eigenkompositionen immer wieder.
Das Quartett mit Ania Badura an der Violine, Jan Schrüllkamp an der Gitarre, Kevin Hemkemeier am akustischen Bass und Simon Kuhn am Schlagzeug entstand während des gemeinsamen Studiums an der Folkwang Universität der Künste. Zwei Jahre intensiver Zusammenarbeit und zahlreiche Konzerte gingen den Aufnahmen voraus. Diese gemeinsame Erfahrung ist deutlich zu hören. Containment wirkt nicht wie die erste Bestandsaufnahme einer gerade gegründeten Formation, sondern wie die Arbeit eines Ensembles, das bereits eine eigene Vorstellung von Klang und Interaktion entwickelt hat.
Besonders spannend ist das Verhältnis zwischen Violine und Gitarre. Ania Badura und Jan Schrüllkamp führen fortwährend musikalische Gespräche, greifen Motive des jeweils anderen auf, entwickeln sie weiter oder stellen ihnen eigene Gedanken gegenüber. Beide Instrumente können Melodie und Harmonie gleichermaßen gestalten und zugleich solistisch hervortreten. Dadurch entstehen Konstellationen, die sich permanent verschieben.
Baduras Violine bringt eine große melodische Beweglichkeit in die Musik. Ihre Linien können lyrisch und weit ausschwingen, aber ebenso kantig und unmittelbar werden. Schrüllkamps Gitarre schafft dazu harmonische Räume, beschränkt sich jedoch keineswegs auf diese Funktion. Immer wieder tritt sie selbst als melodische Stimme hervor und verändert damit das Gleichgewicht innerhalb des Quartetts.
Kevin Hemkemeier und Simon Kuhn schaffen dafür ein flexibles Fundament. Auch hier geht es weniger um klassische Begleitung als um aktive Beteiligung am musikalischen Geschehen. Der Bass stabilisiert, kommentiert und entwickelt eigene Linien, während Kuhns Schlagzeug die Musik nicht einfach durch einen konstanten Puls zusammenhält. Rhythmische Impulse können entstehen, verschwinden und an anderer Stelle in veränderter Form wieder auftauchen.
Die acht Kompositionen bewegen sich zwischen kammermusikalischer Transparenz und Post-Bop, ohne dass daraus ein stilistisches Programm gemacht wird. Viel wichtiger ist die Art, wie Kuhn diese unterschiedlichen Erfahrungen für seine eigene kompositorische Sprache nutzt. Die Arrangements lassen genügend Raum für Improvisationen und spontane Interaktionen, behalten dabei aber ihre formale Klarheit.
Gerade als Komponist zeigt Simon Kuhn auf Containment bemerkenswerte Fantasie. Er schreibt nicht einfach Stücke für vier Instrumente, sondern nutzt gezielt deren unterschiedliche Möglichkeiten und die Persönlichkeiten seiner Mitmusiker. Die Komposition wird dadurch zum Ausgangspunkt eines gemeinsamen Prozesses.
Containment ist ein bemerkenswert reifes Debüt eines jungen Quartetts. Seine besondere Besetzung eröffnet ungewohnte Klangräume, doch entscheidend bleibt, was die vier Musiker daraus machen: eine lebendige, eigenständige Musik voller Kommunikation, Ideen und improvisatorischer Freiheit. Ein Anfang, der neugierig darauf macht, wohin sich dieses Quartett noch entwickeln wird.
(Jacek Brun, 28.08.2026)
Besetzung
Ania Badura - Violin
Jan SchrüIIkamp - Guitar
Kevin Hemkemeier - Bass
Simon Kuhn - Drums, Composition
Titelliste
- Containment
- Manumittere
- No.1
- Thales of miletus
- Trio in a-moll
- The alchemist
- Moon outshining the sun : part 1
- Moon outshining the sun : part 2
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