Rezension des Albums "Phantom Happiness" von Johannes Enders Quartet
Johannes Enders Quartet
Phantom Happiness
Erscheinungstermin: 06.11.2026
Label: enja, 2026
Wenn Souveränität zu Freiheit wird
Es gibt Quartette, die vor allem durch individuelle Brillanz beeindrucken wollen. Das Johannes Enders Quartet geht einen anderen Weg. Auf Phantom Happiness treffen vier Musiker aufeinander, die nichts mehr beweisen müssen – und gerade deshalb besonders frei spielen können.
Johannes Enders hat für dieses Projekt eine international besetzte Formation zusammengestellt, die sofort durch ihre Balance überzeugt. Rainer Böhm am Klavier, Doug Weiss am Bass und Jorge Rossy am Schlagzeug bringen jeweils eine starke eigene Handschrift mit. Trotzdem entsteht kein Nebeneinander von Persönlichkeiten, sondern ein gemeinsamer Klang.
Im Zentrum stehen ausschließlich neue Kompositionen von Enders. Sie bewegen sich zwischen lyrischer Intimität und energischer Verdichtung und schaffen vor allem eines: Raum.
Raum für das warme, zugleich präzise Tenorsaxofon des Leaders. Raum für die farbigen Harmonien von Rainer Böhm. Raum für Doug Weiss, dessen Bass nicht nur trägt, sondern ständig mitgestaltet. Und Raum für Jorge Rossy, dessen Schlagzeugspiel mit großer Sensibilität reagiert, ohne an Kraft zu verlieren.
Die Themen wirken klar genug, um eine Richtung vorzugeben, aber offen genug, um sich im Moment verändern zu dürfen. Aus melodischen Linien entstehen improvisierte Entwicklungen, aus harmonischen Vorgaben neue Spannungen, aus rhythmischen Impulsen kleine Verschiebungen, die den Verlauf eines Stücks plötzlich in eine andere Richtung lenken.
So klingt moderner Jazz, der seine Tradition kennt, aber nicht an ihr festhält.
Enders spielt mit einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit. Sein Ton besitzt Tiefe und Ruhe, kann im nächsten Moment aber auch schärfer und dringlicher werden. Die Soli wirken nicht wie gesetzte Höhepunkte, sondern wachsen organisch aus den Kompositionen heraus.
Auch Böhm, Weiss und Rossy nutzen ihre Freiheiten mit großer Disziplin. Niemand überlädt die Musik. Die Musiker hören aufeinander, reagieren und lassen Gedanken ausklingen, bevor der nächste entsteht.
Diese Zurückhaltung macht Phantom Happiness nicht weniger intensiv. Im Gegenteil. Weil hier nichts forciert wird, entwickelt die Musik eine große innere Spannung. Die Kompositionen bieten genug Struktur, um Zusammenhalt zu schaffen, und genug Offenheit, um jeden Abend anders klingen zu können.
Phantom Happiness ist damit ein Album von vier Musikern, die längst wissen, wer sie sind. Johannes Enders gibt ihnen die Stücke. Was daraus entsteht, gehört allen vier. Und einmal mehr zeigt sich, warum Enders zu den prägenden Tenorsaxofonisten des deutschen Jazz gehört.
(Jacek Brun, 06.11.2026)
Besetzung
Johannes Enders - saxophone
Rainer Böhm - piano
Doug Weiss - bass
Jorge Rossy - drums
Titelliste
- Destination Peace
- Lighter Years
- A Little Too Friendly
- A Blessing in the Skies
- Wayne Ahead
- Loosing You
- Phantom Happyness
- Why
- Sunday Blues
- 7680
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