Ada Brodie - The Grand Tale II

Ada Brodie - The Grand Tale II

Ada Brodie
The Grand Tale II

Erscheinungstermin: 21.02.2020
Label: Recordjet, 2020

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"No, we can‘t turn life on its head
But don‘t tell me aesthetics‘s dead!"

Mit dieser selbstbewussten Aussage begrüßt Ada Brodie nach einem lässigen Neo-Soul Cover von „I want you back“ den Hörer von THE GRAND TALE II. Verdammt, die Kunst ist noch nicht tot. Pop ist nicht tot. Und Jazz lebt – jetzt erst recht.

10 Stücke voller Dynamik, allein die in den Höhen glasklare und im Alt doch so kraftvolle Stimme und ein 120 Jahre alter, butterweicher Blüthner-Flügel: Ada Brodie wagt wieder Minimalismus und doch große Tiefe auf ihrem zweiten Live-Album THE GRAND TALE II. Im fast epischen “The Wanderer” erzählt sie dazu von ihrer Generation als den ewig Reisenden, den Verlorenen, und ruft ihnen zu: „Let us wander, wander, oh – let us under-stand what we used to know“.

Es sind aber nicht nur die ganz großen Themen, die Ada Brodie anspricht. Die Platte macht auch einfach Spaß: Wenn die mittlerweile 31-jährige beispielsweise in „The Leader of the Game“ herrlich selbstironisch die Irrungen und Wirrungen bisheriger Lover auseinander nimmt, oder bei “The Artist” kongeniale Temposchwankungen und verschnörkeltes Klavierspiel auf schier endlose Stimmkontrolle treffen. Ebenso überzeugt „The Surprise“, ein musikalisches Pastiche, das dem Rhythm and Blues eines Dr. John ebenso Tribut zollt wie dem Pop-Latin eines Stevie Wonder.

Ich muss zugeben, dass es schon lange her ist, dass mir eine Aufnahme so viel Freude und Zufriedenheit bereitet hat wie das letzte Album von Ada Brodie. Freude, weil "The Grand Tale II" einfach eine ausgezeichnete Platte ist, und Zufriedenheit, weil ich die Karriere dieser äußerst talentierten Sängerin seit mehreren Jahren beobachte und seit der letzten Platte "The Grand Tale" im vergangenen Jahr gehofft hatte, dass sie die Fortsetzung des Albums aufnimmt.

Was kann man über diese Einspielungen schreiben, die uns zutiefst berühren? Sie sollten diese Musik einfach nur anhören und einfach nur zuhören - nicht nebenher hören. Der wahre Wert der Kunst wird nicht nur durch das handwerkliche Können der Künstlerin und die Perfektion der Form bestimmt, sondern auch, und noch häufiger, durch die emotionale Ladung, die sie enthält - ein Echo der Erfahrungen und Erlebnisse des Lebens. Wenn ich Ada Brodie "The arena" singen höre, wie sie die einzelnen Worte dieses Liedes phrasiert, wie sie die einzelnen Texte ausdrucksvoll interpretiert, fühle ich mich sehr bewegt, und das reicht mir völlig aus. Ich bevorzuge Musik, die mich in die Tiefe führt, gegenüber der Musik, die ich (nur) bewundere.

Nicht nur die Texte, sondern auch die gesamte Musik auf diesem Album ist außergewöhnlich und schön. Potenzielle Zuhörer brauchen ein wenig Einfühlungsvermögen, um diese Musik zu mögen, und wer dort ein Stimmfeuerwerk und Improvisationsshows erwartet, sollte diese Aufnahmen aus der Ferne vermeiden. Wir bewundern Ada Bodie für etwas viel Wichtigeres - für ihre außergewöhnliche Fähigkeit, Emotionen zu vermitteln.

  1. I want you back (Original: Jackson 5)
  2. Intro / The artist
  3. The same
  4. The surprise
  5. The truth
  6. The wanderer
  7. The leader of the game
  8. The sea
  9. The arena
  10. The conqueror (feat. Kaiser Quartet)

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