Rezension des Albums "Satoko Fujii's Bunker Ulmenwall Orchestra" von Bunker Ulmenwall Orchestra
Bunker Ulmenwall Orchestra
Satoko Fujii's Bunker Ulmenwall Orchestra
Erscheinungstermin: 10.07.2026
Label: Libra Records, 2026
Die schönsten Konzerte sind jene, deren Musik auch Jahre später noch den Atem des Augenblicks trägt
Manche Konzertmitschnitte dokumentieren einen gelungenen Abend. Andere halten einen musikalischen Moment fest, der sich nicht wiederholen lässt. Satoko Fujii's Bunker Ulmenwall Orchestra gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Mehr als ein Jahrzehnt lag die Aufnahme eines Konzerts aus dem Jahr 2014 unbeachtet im Archiv, bevor sie wiederentdeckt wurde. Heute zeigt sie eindrucksvoll, weshalb Satoko Fujii zu den bedeutendsten Komponistinnen und Bandleaderinnen des zeitgenössischen Jazz zählt.
Für dieses Projekt stellte das Bunker Ulmenwall Orchestra in Bielefeld ein Ensemble zusammen, das erfahrene Profimusiker und Musikstudierende vereinte. Die Idee ging dabei weit über ein gewöhnliches Konzert hinaus. Junge Musiker sollten nicht nur mit einer außergewöhnlichen Komponistin arbeiten, sondern auch ermutigt werden, eigene musikalische Ideen einzubringen und Verantwortung innerhalb eines großen Ensembles zu übernehmen.
Diese Offenheit spiegelt sich unmittelbar in der Musik wider. Fujii versteht ihre Kompositionen nicht als starre Partituren, sondern als lebendige Strukturen, die sich erst im gemeinsamen Spiel vollständig entfalten. Während des Konzerts steuert sie das Ensemble mit spontanen Zeichen, eröffnet Solisten neue Wege und verändert den Verlauf einzelner Abschnitte. Dadurch entsteht eine Musik, in der Komposition und Improvisation untrennbar miteinander verbunden sind.
Bemerkenswert ist, mit welcher Selbstverständlichkeit das Orchester auf diese Arbeitsweise reagiert. Die Musiker folgen nicht einfach einer Dirigentin, sondern gestalten den musikalischen Prozess aktiv mit. Aus dieser intensiven Interaktion entstehen kraftvolle Klangballungen, lyrische Passagen und überraschende Wendungen, die sich jederzeit organisch entwickeln. Trotz der Größe des Ensembles bleibt die Musik beweglich und atmend.
Gerade darin liegt die besondere Stärke dieses Albums. Es dokumentiert nicht nur die Aufführung anspruchsvoller Kompositionen, sondern macht den kreativen Prozess selbst hörbar. Die Energie des Augenblicks, das gegenseitige Vertrauen und die Bereitschaft aller Beteiligten, musikalische Risiken einzugehen, verleihen der Aufnahme eine außergewöhnliche Intensität.
Zugleich eröffnet das Album einen interessanten Blick auf die Jazzszene in Bielefeld. Das Projekt zeigt, wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen international renommierten Künstlern und einer regionalen Musikszene sein kann. Aus dieser Begegnung entsteht keine bloße Begleitung für Satoko Fujii, sondern ein eigenständiges Orchester mit einer hörbaren kollektiven Identität.
Satoko Fujii's Bunker Ulmenwall Orchestra ist deshalb weit mehr als die verspätete Veröffentlichung eines Konzertmitschnitts. Es ist das Dokument eines kreativen Ausnahmezustands, in dem Komposition, Improvisation und gemeinsames Musizieren zu einer mitreißenden Einheit verschmelzen. Ein Album, das nicht nur die außergewöhnliche Kunst Satoko Fujiis würdigt, sondern auch zeigt, wie lebendig und unvorhersehbar große Ensemblemusik sein kann.
(Jacek Brun, 26.07.2026)
Besetzung
Satoko Fujii – Conductor & Composer
Trumpet - Natsuki Tamura, Robin Stüwe, Benny Meinert
Trombone / Tuba - Matthias Muche, Stephan Schulze
Alto Saxophone - Luise Volkmann, Paul-Jumaa Dohna
Tenor / Soprano Saxophone - Volker Winck, Sebastian Büscher, Thomas Schweitzer
Bass Saxophone - Andreas Kaling
Guitar - Lucy Liebe
Double Bass - Kevin Hemkemeier
Cello - Willem Schulz
Piano - Matthias Klause-Gauster
Live Sampling - Joel Köhn
Drums - Juri Beier, Karl Godejohann
Titelliste
- Shiki
- Yamantaka
- Jasper
- Antischwarm
- Gen Himmel
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