Cæcilie Norby - Sisters In Jazz

Sisters In Jazz
Caecilie Norby & Sisters in Jazz, Foto: ACT / Isak Hoffmeyer
Cæcilie Norby - Sisters In Jazz

Cæcilie Norby
Sisters In Jazz

Erscheinungstermin: 28.01.2011
Label: ACT, 2011

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Cæcilie Norby - vocals & percussion
Rita Marcotulli - piano
Nicole Johänntgen - saxophone
Hildegunn Øiseth - trumpet
Lisa Wulff - bass
Dorota Piotrowska - drums
Marilyn Mazur - percussion (04, 06, 07 & 09)

Jazz ist Männersache …mag man meinen, schaut man sich seine Geschichte an: Zwar waren Jazzsängerinnen schon immer prominent vertreten, aber Instrumentalistinnen und Komponistinnen wie Jutta Hipp, Carla Bley oder Geri Allen bildeten die Ausnahme. Auch wenn die Männer heute noch immer in der Überzahl sind, haben sich die Frauen mittlerweile auch hier emanzipiert. Mehr und mehr drängen sie ins Rampenlicht der improvisierten Musik. Und das ist gut so, wie „Sisters in Jazz“ belegt.

Nein, Jazz ist auch weiblich, und dieser Satz beschreibt das neue Album von Cæcilie Norby treffend. Die Arbeit daran war für die dänische Sängerin eine ganz neue Erfahrung: „Ich war in meinen Bands bisher immer von Männern umgeben. Ab und zu spielte mal eine Frau in einem Bigband-Projekt mit. Ich habe mich schon lange gefragt, wie es wohl wäre, nur mit Frauen zusammen zu spielen. Und als Produzent Siggi Loch mir genau dies vorschlug, war ich natürlich sofort dabei.“

Mit Rita Marcotulli (Piano), Nicole Johänntgen (Saxofon), Hildegunn Øiseth (Trompete), Lisa Wulff (Kontrabass) und Dorota Piotrowska (Schlagzeug) hat Loch der Sängerin herausragende europäische Instrumentalistinnen an die Seite gestellt. Nach einem von ihm im November 2017 kuratierten Jazz at Berlin Philharmonic-Konzert unter dem Titel „Sisters in Jazz“ (mit Terri Lyne Carrington als Leaderin) spann er die Idee der weiblich besetzten Band weiter und stellte Norby starke Musikerinnen für eine Studioproduktion zur Seite.

Das Weibliche setzt sich im Material des Albums fort: Alle Kompositionen wurden von Frauen geschrieben, von Jazz-Pionierinnen wie Betty Carter („Droppin‘ Things“), Abbey Lincoln („Love Has Gone Away“) und Nina Simone (Do I Move You) oder der sensiblen Singer-Songwriter-Königin Joni Mitchell („Big Yellow Taxi“ und „Man From Mars“). Dazu kommen zwei eigene Stücke von Norby und eines von Rita Marcotulli.

„Das Album feiert Frauen im Jazz. Deshalb war es mir wichtig, dass Künstlerinnen vertreten sind, die mein Leben und künstlerischen Werdegang stark beeinflusst haben. Abbey Lincolns oder Nina Simones Stücke haben nicht nur tolle Melodien, sondern auch großartige Texte. Ich wollte Lyrics haben, die zu meinem Alter und meiner Lebenserfahrung passen.

Bonnie Raitts Song „All At Once“ zum Beispiel ist eine Art Liebeslied, aber es handelt auch von gebrochenen Herzen und auseinanderfallenden Familien. Das sind erwachsene, reife Texte voller Erfahrung, nicht die üblichen Jazz-Lovesongs.“

Die Herkunftsländer der Musikerinnen sind so vielfältig wie ihre künstlerischen Einflüsse. Und so ist „Sisters in Jazz“ nicht nur eine Demonstration des kreativen Potentials weiblicher Schaffenskunst, sondern auch ein Statement für die ländervereinigende Kraft der improvisierten Musik. Man hört perlende Klaviersoli von Rita Marcotulli aus Italien, Trompetenlinien mit sehr eigenem Sound der Norwegerin Hildegunn Øiseth, den tief in der Tradition verwurzelten Saxofonsound der Schweizerin Nicole Johänntgen und eine mächtig groovende Rhythmusgruppe mit Lisa Wulff aus Deutschland und der Polin Dorota Piotrowska. Die Schlagwerkerin Marilyn Mazur gesellt sich bei vier Stücken als Gast hinzu. Ob lässig-swingend, barjazzig-cool, elegisch-nordisch, bedrückend-tiefgründig oder bluesgetränkt, die musikalische Bandbreite der Sisters in Jazz ist groß.

Zwischen der jüngsten Musikerin im Line-Up und der ältesten liegt eine Alterspanne von 30 Jahren. Damit weist „Sisters in Jazz“ auf ein weiteres Thema hin, das im Jazz zweitrangig ist: das Alter. „Das ist das Tolle am Jazz, dass Grenzen wie Nationalität, Geschlecht und Alter verschwinden, sobald du Musik machst.“

Jazz ist Musik starker Persönlichkeiten, die miteinander kommunizieren, Jazz ist zeit- und alterslos, kennt keine Ländergrenzen und sollte auch die Gendergrenzen überwinden. Denn wenn das Aufnahmelicht im Studio angeht, sind alle Geschlechterdiskussionen passé: „Sobald du spielst, geht es nur noch ums zuhören und interagieren. Nur die musikalische Persönlichkeit zählt dann“, so Norby und bringt es damit auf den Punkt: Jazz ist nicht männlich, Jazz ist nicht weiblich, er ist aber vor allem eines: menschlich.

Text: ACT

  1. Easy money
  2. Willow weep for me
  3. Droppin' things
  4. Man from Mars
  5. Naked in the dark
  6. First conversation
  7. Puzzled
  8. Love has gone away
  9. Big yellow taxi
  10. All at once
  11. Will you still love me tomorrow
  12. Do I move you

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