Charles Mingus - Charles Mingus @ Bremen 1964 & 1975

Charles Mingus - Charles Mingus @ Bremen 1964 & 1975

Charles Mingus
Charles Mingus @ Bremen 1964 & 1975

Erscheinungstermin: 13.11.2020
Label: Sunnyside Records, 2020

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Charles Mingus - bass
Johnny Coles - trumpet (1-6)
Eric Dolphy - alto saxophone, flute, bass clarinet (1-6)
Clifford Jordan - tenor saxophone (1-6)
Jaki Byard - piano (1-6)
Dannie Richmond - drums
Jack Walrath - trumpet (7-15)
George Adams - tenor saxophone, vocals (7-15)
Don Pullen - piano (7-15)

Der große Bassist und Komponist Charles Mingus hatte seine treuen Anhänger und Kritiker. Seine explosive Mischung aus teuflisch-vorsichtiger Attitüde, imposantem Charakter und aggressiver Musik rieb so manchen Zuhörer in den Irrtum und zog ebenso abenteuerlustige Fans an. Aber seine Genialität war nicht zu leugnen; es mag nur einige Zeit gedauert haben, bis die Schranken überwunden waren.

Eine gute Möglichkeit, diesen Wandel der Zuhörereinstellung zu untersuchen, besteht darin, die Unterschiede in den kritischen Beurteilungen von zwei Aufführungen in der Hafenstadt Bremen, Deutschland, die ein Jahrzehnt auseinander liegen, zu untersuchen. Bei der ersten Aufführung im Jahr 1964 wurde Mingus' feuergefährliche Art und Weise einem ahnungslosen Publikum vorgestellt, während sein Auftritt im Jahr 1975 mit der Erwartung von Jazz-Königsherrschaft belohnt wurde. Die Auftritte erscheinen in ihrer ersten offiziellen Veröffentlichung auf Charles Mingus @ Bremen 1964 & 1975, die von den Original-Quellbändern remastert wurde.

Obwohl Mingus in Europa kein Unbekannter war (1960 hatte er bemerkenswerte Auftritte in Antibes und 1961 in London), gilt seine Europatournee von 1964 als eine der bedeutendsten in der Jazzgeschichte. Die straff geplante Reise, die von George Wein, dem baldigen Impresario, dem damaligen Tourmanager und Agenten, gebucht und überwacht wurde, führte Mingus von Mitte bis Ende April quer durch den Kontinent. Mingus' Auftritt in Bremen war sein erster in Deutschland überhaupt.

Das Ensemble, mit dem Mingus reiste, war wohl das beste, das er je zusammengestellt hat. Zu diesem Sextett gehörten der Tenorsaxofonist Clifford Jordan, der Trompeter Johnny Coles, der Pianist Jaki Byard, der allgegenwärtige Schlagzeuger Dannie Richmond und, vielleicht der polarisierendste der Gruppe, der Holzbläser-Meister Eric Dolphy. Berühmterweise war diese Tournee Dolphys letzter Ausflug mit Mingus, da er sich in Europa niederlassen wollte, um dann am 29. Juni 1964 in Berlin unerwartet zu verstorben, wahrscheinlich aufgrund einer falsch behandelten Diabetes.

Mingus und Begleitung wurden am 16. April in Bremen von einer ausverkauften Show mit 220 Zuhörern empfangen. Angelockt durch begeisterte Radio- und Print-Anzeigen, im Studio F von Radio Bremen, einem historischen Raum, der 1951 gebaut wurde und bis 2007 genutzt wurde. Die Musik dieses Konzerts war für viele Zuhörer eine erschütternde Erwartung, denn viele von ihnen waren nicht auf die freche Mischung aus klassischem Jazzvokabular mit den avantgardistischsten Stilen des Free Jazz vorbereitet, oder auf das, was damals als "The New Thing" bezeichnet wurde, von dem Dolphy eine Art Aushängeschild war. Das Publikum war sicherlich nicht darauf vorbereitet, dass die Musik mit 45 Minuten Verspätung begann, was es ängstlich machte, und dann Mingus' antagonistische Haltung ihnen gegenüber zu erleben, sobald die Band eintraf, was die Spannung im Raum nur noch verstärkte.

Es dauerte mehr als ein Jahrzehnt, bis Mingus in Bremen wieder auftauchte für seinen vielbeachteten Auftritt in der Postaula, einem Auditorium für 440 Zuhörer in der Oberpostdirektion, die sich im Besitz der Post befand, und in der Reihe "Forum Junge Musik", die Radio Bremen am Mittwoch, den 9. Juli 1975 präsentierte.

Mingus seinerseits hatte zwei oder drei Jahre, nachdem er 1972 aus dem Altersteilzeitalter zurückgekehrt war, viel zu tun gehabt. Nachdem er mit einer Reihe von Ensembles experimentiert hatte, hatte er endlich eine Arbeitsgruppe gefunden, die seinem extravaganten Musikgeschmack entsprach. Zu dem Quintett, das er 1975 zweimal nach Europa mitnahm, gehörten der Tenorsaxophon-Größe George Adams, der Trompeter Jack Walrath, der Pianist Don Pullen und der allzeit bereitwillige Dannie Richmond am Schlagzeug.

Das Bremer Publikum war diesmal auf Mingus vorbereitet. Der lokale Radiosender Radio Bremen hatte die Musik des Bassisten gespielt, und die lokale Presse hatte das Konzert in Erwartung des Auftritts regelmäßig angekündigt, so dass Mingus und seine Begleitung gleich zur Sache kommen konnten.

Wieder einmal hatte das Quintett einen einstudierten Satz Musik, der in verschiedenen Kombinationen und Arrangements aufgeführt werden sollte. Die meisten der Stücke wurden im Dezember 1974 von diesem Ensemble für Atlantic Records aufgenommen und sollten im Herbst 1975 als Changes One und Changes Two veröffentlicht werden.

Beide Auftritte von Mingus in Bremen, die hier auf Charles Mingus @ Bremen 1964 & 1975 präsentiert werden, sind unglaubliche Brillantmarathons von Spitzenmusikern aus zwei Jahrzehnten. Die Aufführungen zeigen kein Verwelken in der Leidenschaft des Führers. Im Abstand von einem Jahrzehnt sind die Darbietungen ebenso hochkarätig. Das Einzige, was sich geändert zu haben scheint, ist die Einstellung des kritischen Geistes, denn zehn Jahre Leistung hatten Mingus' Vermächtnis in Europa zementiert.

Text : Bret Sjerven (Liner Notes)

Disk 1

  1. Hope so Eric (Live In Bremen April 16, 1964)
  2. Fables of Faubus (Live In Bremen April 16, 1964)

Disk 2

  1. Piano solo (Live In Bremen April 16, 1964)
  2. Sophisticated lady (Live In Bremen April 16, 1964)
  3. Parkeriana (Live In Bremen April 16, 1964)
  4. Meditations on integration (Live In Bremen April 16, 1964)

Disk 3

  1. Sue's changes (Live In Bremen July 9, 1975)
  2. For Harry Carney (Live In Bremen July 9, 1975)

Disk 4

  1. Free Cell Block F, 'tis Nazi Usa (Live In Bremen July 9, 1975)
  2. Black bat and poles (Live In Bremen July 9, 1975)
  3. Fables of Faubus (Live In Bremen July 9, 1975)
  4. Duke Ellington's sound of love (Live In Bremen July 9, 1975
  5. Cherokee (Live In Bremen July 9, 1975)
  6. Remember Rockefeller at Attica (Live In Bremen July 9, 1975)
  7. Devil blues (Live In Bremen July 9, 1975)

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