David Enhco & Marc Perrenoud - Chet

David Enhco & Marc Perrenoud - Chet
David Enhco & Marc Perrenoud - Chet

Marc Perrenoud & David Enhco
Chet

Erscheinungstermin: 26.01.2024
Label: NOME, 2022

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jazz-fun`s recap:

Die durchdachte und klanglich tiefgründige Ausführung dieser Stücke macht dieses Album äußerst attraktiv, fesselnd und zum Nachdenken anregend. Es ist ein Beispiel dafür, wie Musik, die wir so gut zu kennen scheinen, sich einer künstlerischen Synergie hingibt. Beeindruckend ist auch das ausgezeichnete Verständnis der Musiker, ihr gemeinsames Gefühl für die Lieder und ihr schöner Dialog.

Marc Perrenoud - Piano
David Enhco - Trompete

Wer kennt nicht diesen Ton hinter Schleiern, das verschattete Timbre, diese untief melancholische Phrasierung, die doch schneiden kann wie ein Skalpell? Ein tragisches Mysterium: Musik und Leben der Legende Chet Baker. Der in Paris geborene Trompeter David Enhco und der Schweizer Pianist Marc Perrenoud – beide längst feste Größen im europäischen Jazz – gehen im Duo der Magie dieses Sounds auf den Grund. Und sie tun dies mit Neuinterpretationen einiger der ewigen Standards, die das Repertoire Bakers bestimmten, weil der wohl nie selbst komponieren wollte.

Das unvermeidliche „My Funny Valentine“ gerät fast zu einer Up-Tempo-Nummer, bleibt dabei aber strukturell transparent und kantabel, und zeigt ganz nebenbei, wie präzise Chet Baker auch hinter Schleiern gedacht haben muss. „Yesterdays“ hingegen, der Jerome-Kern-Klassiker, nimmt sich ganz zurück und leuchtet still in jener Innigkeit, die Baker manchmal mit dem ersten Ton erzeugen konnte.

Enhco, neben eigenen Formationen auch mit Dee Dee Bridgewater unterwegs, und Perrenoud, seit über 10 Jahren gerade mit seinem Trio eine feste Grösse, kennen sich aus früheren Kollaborationen, u.a. dem Projekt Aksham um die albanische Sängerin Elina Duni. Beide wissen also sehr genau um die Fragilität vokaler Melodiebögen, wie vielleicht auch Chet Baker um die Zerbrechlichkeit seiner Existenz wusste, wenn er nicht spielte, sondern sang.

Die Interpretationen der Standards changieren zwischen Analyse und Empathie, der Faszination für musikalische Evolution und dem Ausloten der damit verbundenen Abgründe. Zwischengeschaltet sind drei Interludes, knappe Kompositionen von Enhco, die das gehörte nochmals hinterfragen. Quasi ein Chat mit Chet: tiefgründig und erkenntnisreich. Das Resultat ist ein sehr intimes, auch in der akustisch direkten, räumlich dichten Aufnahme, emotional wie intellektuell umarmendes Album: eine echte Hommage.

Text: NOME

  1. I Fall In Love Too Easily
  2. My Funny Valentine
  3. There Will Never Be Another You
  4. Con Alma
  5. Flicker (Interlude 1)
  6. Yesterdays
  7. Vif Argent (Interlude 2)
  8. Easy Leaving
  9. All Or Nothing At All
  10. Pierrot (Interlude 3)
  11. Just Friends

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