Rezension des Albums "Dense Band" von David Moss
David Moss
Dense Band
Erscheinungstermin: 07.08.2026
Label: Yatak Records, 2026
Eine Band für den kontrollierten Kontrollverlust
Manchmal sagt eine Wiederveröffentlichung mehr darüber aus, wie weit eine Musik ihrer Zeit voraus war, als über die Vergangenheit. Vierzig Jahre nach dem Erscheinen von Dense Band von David Moss legt Yatak Records das Album neu gemastert vor und erinnert damit an ein Projekt, dessen Geschichte mindestens ebenso interessant ist wie seine Musik.
David Moss kam aus einer musikalischen Welt, in der Kategorien ohnehin nur bedingt funktionierten. Der in New York geborene Musiker beschäftigte sich zunächst mit Gesang und Schlagzeug, studierte später Komposition bei Bill Dixon am Bennington College und bewegte sich bereits Mitte der 1970er-Jahre zwischen Improvisation, Art Rock, Noise, Performance und experimenteller Musik. Stimme, Live-Elektronik und ein individuell zusammengestelltes Schlaginstrumentarium gehörten zu einer Ausdrucksform, die konventionelle Rollenverteilungen kaum kannte.
Nach seinen Jahren in der New Yorker Downtown-Improvisationsszene entstand jedoch eine neue Idee: Moss wollte eine richtige Band. Eine mit Songs und Grooves, allerdings ohne die Freiheit und Radikalität seiner bisherigen Arbeit aufzugeben. Noise sollte nicht nur herausfordern, sondern auch körperlich erfahrbar sein. Im Idealfall sollte man sogar dazu tanzen können.
1984 entstand aus dieser Vorstellung die David Moss Dense Band. Für dieses Projekt holte er mit Fred Frith einen der kompromisslosesten musikalischen Grenzgänger jener Zeit hinzu. Frith übernahm Gitarre und Bass sowie die Produktion. Im Studio trafen freie Improvisation, kompositorische Vorgaben und gezielte Klanggestaltung unmittelbar aufeinander. Moss rückte mit seiner Stimme stärker ins Zentrum, während er gleichzeitig am Schlagzeug für die rhythmische Energie sorgte.
Das im Jahr 1985 veröffentlichte Album „Dense” wurde so zum Dokument einer eigenwilligen musikalischen Idee: Noise, Groove und Improvisation mussten keine Gegensätze sein. Rohe Energie konnte auf präzise Strukturen treffen und abstrakte Klänge konnten plötzlich einen geradezu zwingenden Puls entwickeln. Dieses Experiment sollte nicht im intellektuellen Elfenbeinturm stattfinden, sondern laut, unmittelbar und körperlich sein.
Vier Jahrzehnte später lässt sich diese Musik auch als Momentaufnahme einer Epoche hören, in der die Grenzbereiche zwischen Rock, Jazz, improvisierter und experimenteller Musik enorme kreative Energien freisetzten. Gleichzeitig wirkt vieles erstaunlich gegenwärtig.
Das sorgfältige Remaster bringt das „Dense Band“ nun zurück – nicht als nostalgisches Museumsstück, sondern als Erinnerung daran, wie aufregend Musik sein kann, wenn niemand vorher festlegt, was zusammengehören darf.
(Jacek Brun, 15.08.2026)
Titelliste
- Stride
- Shuffle
- Slow Climb
- New Feet
- Fallaway
- Surface Tension
- Sixth Sense
- Say So
- Three Metal Moves
- Next Witness
- Dance Bend
- Unsafe At Any Speed
- In The Dark Times, Will There Be Singing?
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben