Rezension des Albums "Solitude" von Dino Rubino
Dino Rubino
Solitude
Erscheinungstermin: 14.08.2026
Label: Tǔk Music, 2026
Allein sein, gemeinsam hören
Solitude bedeutet Einsamkeit. Doch ausgerechnet auf einem Album mit diesem Titel wird das Zuhören zum Ausgangspunkt intensiver Gemeinschaft. Dino Rubino, Marco Bardoscia und Stefano Bagnoli begegnen einander mit einer Sensibilität, die aus drei individuellen Stimmen einen gemeinsamen musikalischen Atem entstehen lässt.
Für sein siebtes Album unter eigenem Namen hat der sizilianische Pianist und Komponist ein ungewöhnlich umfangreiches Format gewählt. „Solitude” umfasst drei CDs: Zwei widmen sich vorwiegend Rubinos eigenen Kompositionen aus den vergangenen Jahren, die dritte richtet den Blick auf Jazzstandards. Damit begegnen sich persönliche musikalische Erinnerungen und gewachsene Jazztradition innerhalb eines großen, zusammenhängenden Projekts.
Im Mittelpunkt steht Rubinos Klavierspiel. Seine Stärke liegt weniger in demonstrativer Virtuosität als in melodischer Klarheit, feinen harmonischen Bewegungen und einer ausgeprägten lyrischen Sensibilität. Melancholie gehört zu seiner musikalischen Sprache, ohne die Musik in Schwere zu ziehen. Gerade in den Balladen können ein einzelner Ton, eine kurze Wendung oder eine bewusst gelassene Pause eine erstaunliche emotionale Wirkung entfalten.
Marco Bardoscia und Stefano Bagnoli sind dabei weit mehr als eine klassische Rhythmusgruppe. Bardoscias Kontrabass entwickelt eigene melodische Linien und kommentiert Rubinos Gedanken, während Bagnoli mit großer rhythmischer Präzision und klanglicher Vielfalt reagiert. Besonders die langjährige Verbindung zwischen Rubino und Bagnoli ist spürbar: Vieles funktioniert über kleinste Impulse, die unmittelbar verstanden und weitergeführt werden.
Die Standards eröffnen eine weitere Perspektive. Hier begegnet das Trio bekanntem Material mit einer Selbstverständlichkeit, die es ermöglicht, Tradition nicht ehrfürchtig zu konservieren, sondern sie zum Leben zu erwecken. Swing, Leichtigkeit und Spielfreude bilden einen reizvollen Gegenpol zur nachdenklicheren Grundstimmung vieler Eigenkompositionen.
Trotz seines beträchtlichen Umfangs besitzt Solitude dadurch einen klaren inneren Zusammenhang. Es ist Musik über persönliche Empfindungen, aber zugleich auch Musik der Begegnung.
Vielleicht liegt genau darin das schöne Paradox dieses Albums: Für Dino Rubino bedeutet Solitude nicht die Abwesenheit anderer. Es ist vielmehr jener stille Raum, in dem drei Musiker einander besonders aufmerksam zuhören können.
(Jacek Brun, 15.08.2026)
Besetzung
Dino Rubino - acoustic piano
Marco Bardoscia - double bass
Stefano Bagnoli - drums
Titelliste
Disk 1
- Emy
- My Old Boy
- Lost And Found
- Rosa
- Dr. Django
- Big Water
- Metafore
- Buddy Love
- Ondre
- Time Of Love
- Adagio
- Nina
- From Major To Minor
Disk 2
- Song For Paolo
- Giorgia
- Gipsy Hand
- Escape To Paradise
- No Sun At All
- Walkman
- Lady Day
- London
- Song For Aldo
- Intermezzo
- Milano
- Childhood And Rain
Disk 3
- Solar
- Nuages
- Stella By Starlight
- Donna Lee
- Solitude
- Blue Bossa
- Chat With Chet
- Someday My Prince Will Come
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