Rezension des Albums "And All I Have to Give" von Dora Osterloh PHOENIX LOVE
Dora Osterloh PHOENIX LOVE
And All I Have to Give
Erscheinungstermin: 03.07.2026
Label: Boomslang Records, 2026
Die stärksten Stimmen wollen nicht über allem stehen – sie hören zu, antworten und wachsen mit den anderen
Auf And All I Have to Give steht die Stimme im Mittelpunkt – allerdings nicht als dominierende Solistin, sondern als Teil eines lebendigen Ensembleklangs. Dora Osterloh versteht Gesang nicht nur als Träger von Text und Melodie, sondern als Instrument, das sich frei zwischen Improvisation, Rhythmus und harmonischem Zusammenspiel bewegt. Genau diese Haltung prägt das Debütalbum ihres Projekts PHOENIX LOVE.
Gemeinsam mit Theresia Philipp am Saxofon, Keisuke Matsuno an der Gitarre, Simon Jermyn am Bass und Lukas Akintaya am Schlagzeug entwickelt Osterloh eine Musik, die sich bewusst festen stilistischen Grenzen entzieht. Jazz bildet dabei den Ausgangspunkt, doch die Kompositionen öffnen sich immer wieder für andere Klangwelten, ohne ihre innere Geschlossenheit zu verlieren.
Die Arrangements zeichnen sich durch große Offenheit aus. Komponierte Passagen und freie Improvisationen gehen fließend ineinander über, während kurze Zwischenspiele die einzelnen Stücke miteinander verbinden und dem Album den Charakter eines zusammenhängenden musikalischen Erzählflusses verleihen. Dadurch entsteht eine Dramaturgie, die weniger aus einzelnen Höhepunkten als aus kontinuierlicher Entwicklung lebt.
Besonders beeindruckend ist das Zusammenspiel des Quintetts. Die Musiker begegnen einander mit großer Aufmerksamkeit und schaffen Klangräume, in denen jede Stimme ihren Platz findet. Das Saxofon erweitert die melodischen Linien des Gesangs, die Gitarre setzt harmonische und klangliche Akzente, während Bass und Schlagzeug mit großer Flexibilität den rhythmischen Rahmen gestalten. Nichts wirkt überladen – jeder musikalische Beitrag dient dem gemeinsamen Ausdruck.
Dora Osterloh überzeugt dabei nicht nur als Sängerin, sondern ebenso als Komponistin und Arrangeurin. Ihre Stücke besitzen eine klare Handschrift, verbinden melodische Schönheit mit rhythmischer Raffinesse und entwickeln sich mit großer Natürlichkeit. Die Musik bleibt dabei jederzeit zugänglich, ohne auf Überraschungen oder harmonische Feinheiten zu verzichten.
Thematisch kreist das Album um Selbstannahme, Veränderung und die bewusste Entscheidung für Vertrauen statt Angst. Diese Gedanken werden jedoch nicht plakativ vermittelt, sondern spiegeln sich in der musikalischen Gestaltung wider. Die Wärme der Klangfarben, die Offenheit der Improvisationen und die ruhige Entfaltung der Kompositionen verleihen dem Album eine authentische emotionale Tiefe.
Mit And All I Have to Give präsentiert Dora Osterloh ein bemerkenswert reifes Debüt ihres Projekts PHOENIX LOVE. Es verbindet kluge Kompositionen, inspirierte Improvisationen und ein außergewöhnlich sensibles Ensemblespiel zu einem Album, das seine Wirkung nicht durch Lautstärke oder Effekte erzielt, sondern durch musikalische Ehrlichkeit und große künstlerische Klarheit.
(Jacek Brun, 25.07.2026)
Besetzung
Dora Osterloh - vocal, composition, lyrics
Theresia Philipp - saxophone
Keisuke Matsuno - guitar
Simon Jermyn - bass
Lukas Akintaya - drums
Titelliste
- To Leave a Trace on Something
- Fragment I
- Bring Me Oh This Sweet Sleep
- Fragment II
- Will
- Fragment III
- Wedding
- Fragment IV
- Lay Your Head Down
- Fragment V
- New Dawn
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