Rezension des Albums "Florescence" von Elifantree
Elifantree
Florescence
Erscheinungstermin: 14.08.2026
Label: Eclipse Music, 2026
Musik in ständiger Verwandlung
Bei Elifantree scheint Musik niemals einen endgültigen Zustand zu erreichen. Klänge entstehen, verändern ihre Gestalt, verbinden sich mit anderen und verschwinden wieder. Auf ihrem siebten Album Florescence machen Anni Elif, Pauli Lyytinen und Olavi Louhivuori genau diese permanente Veränderung zum Prinzip.
Der Titel entstand unter dem Eindruck blühender Kirschbäume und verweist auf persönliche Entwicklung und Selbstverwirklichung. Wachstum wird dabei nicht als geradliniger Prozess verstanden. Es kann schnell geschehen oder Jahre benötigen, sichtbar sein oder lange im Verborgenen bleiben. Diese Idee findet eine überzeugende Entsprechung in der Musik des finnischen Trios.
Elifantree verfügt dafür über eine ungewöhnlich breite Klangpalette. Anni Elifs Stimme trifft auf Pauli Lyytinens Tenorsaxofon und Olavi Louhivuoris Schlagzeug, hinzu kommen Mellotron, Synthesizer und Live-Elektronik. Akustische und elektronische Klänge verschmelzen so selbstverständlich miteinander, dass ihre Herkunft manchmal kaum noch von Bedeutung ist.
Jazz, freie Improvisation, Progressive Rock und Pop hinterlassen Spuren, doch keine dieser Bezeichnungen beschreibt wirklich, was hier geschieht. Nach vielen Jahren gemeinsamen Musizierens besitzt das Trio längst eine eigene Sprache. Besonders faszinierend ist, wie geschlossen die drei agieren. Ein rhythmischer Impuls kann unmittelbar eine elektronische Reaktion auslösen, aus einer vokalen Phrase entwickelt sich eine Saxofonlinie, ein zunächst abstrakter Klang findet plötzlich einen Groove.
Dabei bewahrt die Musik ihre Unberechenbarkeit. Präzise ausgearbeitete Passagen können in freie Improvisationen übergehen, fragile Momente werden von kraftvollen rhythmischen Bewegungen abgelöst. Trotzdem wirkt nichts zufällig. Das gegenseitige Verständnis ist inzwischen so ausgeprägt, dass selbst spontane Richtungswechsel wie Bestandteile einer gemeinsamen Dramaturgie erscheinen.
Florescence lebt von dieser Balance aus Kontrolle, Instinkt und Neugier. Elifantree präsentieren keinen fest umrissenen Klangkosmos, sondern einen, der sich während des Hörens fortwährend verändert. Vielleicht ist genau das die eigentliche Bedeutung des Titels: Diese Musik blüht nicht einmal auf – sie hört niemals damit auf.
(Jacek Brun, 14.08.2026)
Besetzung
Anni Elif - vocals and synthesizer
Olavi Louhivuori - drums and percussion
Pauli Lyytinen - tenor saxophone, live electronics, mellotron, drum machine, synthesizer
Titelliste
- Mantra
- Louder Love
- Florescence
- Uncool
- Paper Sky
- Chiang Mai
- Reminiscence
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben