Fabian Dudek - Distant Skies, We Dream

Fabian Dudek - Distant Skies, We Dream - Albumcover
Fabian Dudek - Distant Skies, We Dream

Fabian Dudek
Distant Skies, We Dream

Erscheinungstermin: 24.05.2024
Label: Traumton Records, 2023

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jazz-fun`s recap:

Ein weiteres Album dieses außergewöhnlichen Künstlers, das Charisma, Phantasie und vor allem beeindruckende, grenzenlose Improvisationsideen zeigt. "Distant Skies, We Dream" ist ein besonderes Werk, an dem man nur schwer gleichgültig vorbeigehen kann. Hier gibt es nichts Einfaches, man muss sich anstrengen, sich konzentrieren und von dieser energiegeladenen und intelligenten Musik mitreißen lassen. Ein großartiges Album, wir sind begeistert! (Jacek Brun, 24.05.2024)

Fabian Dudek - alto-saxophone, flute, compositions
Felix Hauptmann - piano, synthesizer
David Helm - bass
Fabian Arends - drums

2019 veröffentlichte Fabian Dudek mit Creating Meaning das Debütalbum seines im Vorjahr gegründeten Quartetts. Im Februar 2022 erschien der Nachfolger Isolated Flowers und festigte Dudeks Ruf als „Überflieger des zeitgenössischen Jazz“ (FAZ). Beide Produktionen sowie die Konzerte der Band wurden begeistert aufgenommen, das zweite Werk wurde für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. „Auf dem Weg zum grenzenlosen Jazz“ titelte die Zeitschrift Concerto über Isolated Flowers, die Jury der Horst und Gretl Will-Stiftung lobte unter anderem die „bestechende Mischung aus Ideenreichtum und Klarheit der Absichten und Richtungen, aus instrumentaler Virtuosität und vielschichtig eigensinniger Klanggestaltung“. Im BR hieß es: „Seine explosiven [...] Eskapaden sind ebenso virtuos wie komplex. Sein Kompositionsstil ist im besten Sinne fantasievoll“. Und in der Frankfurter Rundschau schwärmte Hans-Jürgen Linke von einer „Musik aus Energieströmen, eigenwilligen Harmonien, tonalen Freiheiten, artikulatorischen Erweiterungen“.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Dudek mit dem Sextett La Campagne das vielschichtige Album Protecting A Picture That’s Fading, nun präsentiert er auf Distant Skies, We Dream neue Werke seines Quartetts. Das ohnehin schon bemerkenswert hohe Niveau wird noch einmal gesteigert. Zum einen durch Dudeks ausgefeilte Kompositionen, deren rhythmische Raffinesse und Detailschärfe markante Zeichen in der zeitgenössischen Jazzlandschaft setzen. Zum anderen beeindruckt das nuancierte bis kraftvolle, stets äußerst aufmerksame Zusammenspiel der Working Band, die spürbar zusammengewachsen ist und ihre Dynamik zwischen leisen und leidenschaftlich eskalierenden Passagen, zwischen Kontrasten und Verdichtungen noch steigern konnte. Bei aller emotionalen Kraft agiert sie pointierter denn je, setzt kleinteilige Strukturen konsequent um und lässt ihre Expressivität gezielt explodieren. Erweiterungen der Klangfarbenpalette, vor allem durch David Helms E-Bass, aber auch durch Synthesizer, Dudeks punktuell aufleuchtende Querflöte und seinen höchst variablen Ausdruck auf dem Saxophon sind weitere Facetten dieser beeindruckenden Entwicklung.

„Für mich persönlich ist das Album ein Meilenstein, weil ich jetzt an einem Punkt bin, den ich schon lange anstrebe“, resümiert Fabian Dudek zufrieden. „Ich habe versucht, eine Band zum Fließen zu bringen und gleichzeitig experimentelle Aspekte in die Musik einfließen zu lassen. Das ist uns jetzt super gelungen und es macht unheimlich Spaß, die Stücke zu spielen.“ Offensichtlich hatte Dudek, der Stipendiat der Studienstiftung des dt. Volkes war und 2022 seinen Master bei Frank Gratkowski abschließen wird, schon beim Schreiben viel Spaß, allein schon wegen der ungeraden Metren und der ständigen Taktwechsel. „Es geht die ganze Zeit quer, gegen die traditionellen Normen, nicht nur bei den Metren. Es gibt zwar klare harmonische Strukturen, aber keine Akkorde, die man sklavisch einhalten muss. Dadurch entstehen viele Freiräume, in denen alles möglich wird und für alles Platz ist“. Dazu gehören auch „mikrotonale Verstimmungen zwischen Klavier und Synthesizer“ im Titelstück Distant Skies, We Dream, dem ruhigsten und auch melancholischsten Stück, das das Quartett bisher aufgenommen hat.

Bei aller Komplexität seiner Kompositionen legt Dudek großen Wert auf genau diese Freiräume, die von seinen Mitmusikern gestaltet werden können und zum Improvisieren einladen. Musik lebe natürlich auch davon, sich gegenseitig überraschen zu können. „Dafür müssen die Stücke eine gewisse Offenheit haben, vielleicht auch eine Fragilität, die Umwege zulässt. Im Idealfall ist das Ergebnis sehr stringent, aber es kann auch auseinanderfallen.“ In den vergangenen Jahren habe man gemeinsam viele Wege ausprobiert, sich zeitweise stark auf das Jazzfeld konzentriert, sagt Dudek. Heute ist das Terrain zweifellos weiter gesteckt. Etwa wenn der Pianist Felix Hauptmann in seiner vierminütigen Einleitung zum Opus magnum The River Flows Everywhere die Ästhetik der klassischen Moderne anklingen lässt und später im selben Stück fast impressionistisch spielt. Oder wenn er (auf Dudeks Anregung hin) in Everything Is A Present über weite Strecken Strukturen von Morton Feldman aufgreift.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Albums ist die Aufnahmesituation. Denn was als Studioproduktion geplant war, entpuppte sich überraschenderweise als Live-Aufnahme. „Wir hatten die Stücke in der Fattoria aufgenommen und fanden das Ergebnis eigentlich super“, erzählt Dudek, „zumal wir das Repertoire vorher bei Konzerten entsprechend ausgefeilt hatten.“ Zurück in Köln gab das Quartett ein Konzert im Jaki, „das eigentlich etwas schwierig war. Umso mehr spielten wir alle ,on fire' und das Konzert entwickelte eine extrem starke Energie." Aufgrund der Intensität des Interplays wurde kurzerhand beschlossen, nur die Live-Aufnahmen für die CD zu verwenden, obwohl das Klavier im Club nicht die Klangqualität des Studioflügels hat. „Ich suche und brauche manchmal ein bisschen Dreck“, schmunzelt Dudek, der neben Coltrane, Feldman, Ives und Sakamoto auch James Brown, Maceo Parker, Tom Waits und einige Hiphop-Künstler schätzt.

Die Frage nach möglichen Hintergründen seiner Kompositionen beantwortet Fabian Dudek mit einer persönlichen Philosophie. „Ich möchte grundsätzlich weg von der Definition der Bedeutung einzelner Stücke hin zur Bedeutung eines ganzen Albums. Natürlich hat Musik für mich eine Bedeutung, die ich auch empfinde. Aber ich möchte nicht vorschreiben, wie sie auf andere wirken soll. Für mich erschließt sich die Bedeutung der Musik beim Hören, auch wenn sie bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Eindrücke hinterlässt.

Klar ist, dass sich Fabian Dudek und sein Quartett mit Distant Skies, We Dream wieder einmal selbst übertroffen haben. Spannende Kompositionen mit enormer Tiefenschärfe, souveränes Zusammenspiel und ebenso kluge wie lebendige Improvisationen katapultieren die Band endgültig in die Champions League des zeitgenössischen internationalen Jazz.

Text: Traumton Records

  1. Clouds Infinite
  2. The River Flows Everywhere
  3. Everything Is A Present
  4. Water Mountain
  5. When People Meet
  6. Distant Skies, We Dream

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