Rezension des Albums "The Morenco Project" von Georg Ruby, Daniel Weber, Andreas Steffens
Georg Ruby, Daniel Weber, Andreas Steffens
The Morenco Project
Erscheinungstermin: 14.10.2026
Label: JazzHausMusik, 2026
Wenn der Klang seine Form verliert
Freie Improvisation beginnt dort, wo niemand genau weiß, wohin der nächste Ton führen wird. Beim Morenco Project wird dieses Prinzip besonders konsequent umgesetzt. Georg Ruby, Daniel Weber und Andreas Steffens verzichten auf festgelegte Formen, harmonische Vorgaben oder definierte Tempi – und machen gerade diese Offenheit zum eigentlichen Motor der Musik.
Georg Ruby gehört seit vielen Jahren zu den markanten Stimmen der deutschen Improvisationsszene. Nach Projekten wie Deuxième Bureau mit Michel Pilz und seinem Soloalbum Soliloquies führt er diese Arbeit nun in einem Trio weiter, das akustische Instrumente, Präparationen und elektronische Klangerzeugung eng miteinander verbindet.
Daniel Weber bringt Schlagzeug und Percussion ein, Andreas Steffens arbeitet mit Holzblasinstrumenten, modularem Synthesizer und Tape. Ruby selbst erweitert den Flügel durch unterschiedliche Präparationen mit Steinen, Magneten, Gummi und perkussiven Elementen.
Dadurch verändert sich schon das Ausgangsmaterial ständig.
Das Klavier kann plötzlich wie ein Schlaginstrument wirken, metallisch, trocken oder beinahe geräuschhaft. Schlagzeug und Percussion übernehmen melodische oder texturale Funktionen, während Steffens zwischen akustischen Bläserklängen und elektronischen Schichten wechselt.
Die drei Musiker entwickeln daraus einen Klangkosmos, der sich fortwährend neu zusammensetzt.
Mal beginnt eine Passage fast vorsichtig. Einzelne Geräusche treten in den Raum, kleine Impulse werden aufgenommen und weitergeführt. Wenig später kann daraus ein dichter, kraftvoller Abschnitt entstehen, getragen von Groove, Reibung und kollektiver Energie.
Nichts bleibt lange stabil.
Diese Veränderlichkeit macht die Musik spannend. Ein Motiv wird nicht unbedingt fortgeführt, sondern möglicherweise zerlegt, verfremdet oder von einem anderen Instrument in völlig neuer Form übernommen. Aus dreiseitigen Dialogen entstehen immer neue Bewegungsrichtungen.
Trotz aller Freiheit verliert das Trio den musikalischen Zusammenhang nie aus den Augen.
Jazztradition, zeitgenössische Klangsprache und Groove erscheinen immer wieder als Spuren im Hintergrund. Sie werden nicht zitiert, sondern fließen als Erfahrung in die Improvisationen ein.
The Morenco Project lebt deshalb weniger von einzelnen Solisten als von der Geschwindigkeit, mit der drei Musiker aufeinander reagieren. Die Musik entsteht im Augenblick. Und mit jedem neuen Klang verändert sich auch ihre Form.
(Jacek Brun, 08.11.2026)
Besetzung
Georg Ruby - piano, preparations
Daniel Weber - drums, percussion
Andreas Steffens – reeds, modular synthesizer, tape
Titelliste
- Manifest
- Klute
- Gambetta
- Albdruck
- Cessole
- Jean François Carafe-d'Eau
- Prisma
- Geredewendung
- Kronos - Kairos
- Deux Avenues
- Trimino
- Zeichenwende
- TriQ
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben