Hania Rani - Ghosts

Hania Rani - Ghosts

Hania Rani
Ghosts

Erscheinungstermin: 06.10.2023
Label: Gondwana, 2022

Hania Rani - Ghosts - bei JPC kaufenHania Rani - Ghosts - bei Amazon kaufenHania Rani - Ghosts - bei bandcamp kaufen

jazz-fun`s recap:

Hania Rani beeindruckt einmal mehr mit ihrer unvergleichlichen musikalischen Phantasie und ihrem kompositorischen Können. Wir werden hier mit einer Musik konfrontiert, die sich auf ganz natürliche und selbstverständliche Weise entfaltet und uns in eine Welt raffinierter, nuancierter und kontemplativer Räume und Stimmungen entführt. Ein wunderbares Album, zu dem wir immer wieder zurückkehren werden.

Als sich Hania Rani im Frühjahr dieses Jahres mit "Hello", dem Vorgeschmack auf ihr damals noch unangekündigtes neues Album „Ghosts“, erneut vorstellte, überraschte sie nicht wenige Kenner ihrer Arbeit. Die schelmischen Melodien, das eloquente Rhodes-Piano, die funkelnden Synthesizer und die Rhythmen ließen kaum etwas von dem New-Classical-Stil erahnen, mit dem sie bisher oft in Verbindung gebracht wurde. Doch wer Rani in den letzten zwei Jahren live erlebt hat, kann bezeugen, dass sich ihre Arbeit ständig weiterentwickelt. Rani wechselt immer wieder leichtfüßig zwischen den musikalischen Welten: als Komponistin, Sängerin, Songwriterin und Produzentin.

"Ghosts" ist der Sound einer Künstlerin, die ihre eigene Stimme gefunden hat, die neue Geschichten zu erzählen hat und die vielleicht zum ersten Mal ihre Musik so präsentiert, wie sie gemeint ist. Es knüpft an ihre früheren Erfolge "Esja" und "Home" an, erweitert aber ihr nach wie vor minimales Setup aus Klavier, Keyboards und Synthesizern (vor allem dem Prophet) - vor allem um ihre betörende Stimme. Herausgekommen ist ein manchmal unheimliches, ja gespenstisches Album, dessen Sound von dem isländischen Arrangeur und Hjaltalín-Mitglied Viktor Orri Árnason (Jóhann Jóhannsson, Hildur Guðnadóttir, Hauschka) und dem Mixer Greg Freeman (Peter Gabriel, Goldfrapp, Portico Quartet) unterstrichen wird. Doch die Stimmung bleibt warm und entfaltet sich zu einem anspruchsvollen Doppelalbum, das vor allem von ihren Live-Erfahrungen geprägt ist, nicht zuletzt von ihrem Livestream aus dem renommierten Pariser Invalidendom, der bis heute 3,7 Millionen Mal angeklickt wurde. "Ich liebe lange Alben", sagt Rani, "und ich würde mir wünschen, dass sich die Leute das hier wie ein Konzert anhören, weil es tatsächlich so konzipiert ist."

"Ghosts" ist auch ein Kollaborationsalbum, gelegentlich ist Bassist und Moog-Spieler Ziemowit Klimek zu hören, der bereits auf "Home" zu hören war. Patrick Watson haucht dem ätherischen "Dancing with Ghosts" unheimliches Leben ein, und Duncan Bellamy vom Portico Quartet steuert wichtige Loops zum kunstvoll konstruierten "Don't Break My Heart" und zum ruhigen "Thin Line" bei. "Whispering House" - geschrieben und aufgenommen mit ihrem Freund Ólafur Arnalds - versprüht ebenso einen friedvollen Zauber wie das leicht barocke "Nostalgia", während "The Boat" die Atmosphäre von Nils Frahms „Music For Animals“ heraufbeschwört und "Komeda" ihre Liebe zu Pink Floyd offenbart.

Die Texte sind nicht zuletzt von einem zweimonatigen Aufenthalt in einem kleinen Studio in den Schweizer Bergen inspiriert, wo Rani am Soundtrack für einen Dokumentarfilm über den Schweizer Künstler Alberto Giacometti arbeitete, der Anfang des Jahres unter dem Titel "On Giacometti" veröffentlicht wurde. “Where I stayed was once an old sanatorium in a neighborhood that used to be very popular but now there are huge abandoned hotels where the locals say ghosts live. I mean, it's a kind of local belief system - these ghosts have even names! - but once you're deep into nature or some abandoned place, your imagination starts working on a different level. Es sind definitiv Dinge passiert, die vielleicht ein bisschen unangenehm waren: zerbrochene Gläser und so", erklärt sie.

Rani wuchs in einem katholischen Land auf, in dem “viele Rituale und Traditionen noch auf dem Land gelebt werden und einige Leute glauben, dass Geister Menschen sind, die nicht bereit sind zu sterben”. Es ist diese Prägung, die sie dazu ermutigt, diese Themen weiter zu erforschen, ihre eigene Lebenswelt auszublenden und sich dem Leben und den Gedankenwelten anderer Menschen zuzuwenden - und die schwer fassbare Gestalt der Geister zur Illustration ihrer Konzepte zu nutzen. "Dancing with Ghosts" zum Beispiel handelt von der Abwesenheit in der eigenen Welt, "Hello" vom Grenzzustand zwischen Wachen und Schlafen, "Utrata" von der mystischen Entstehung der Musik selbst und "A Day in Never" vom Wesen der Zeit. “The edge of life and death”, fasst Rani zusammen, “and what actually happens in between: that was what really interested me. Even singing the word ‘death’ was quite a shock. It’s such a weird word to say out loud, and people are afraid of it, which I found extremely interesting. Most of the songs probably still talk about love and stuff like that, but Ghosts is more me thinking about having to face some kind of end.”

Ging es auf ihrem Debütalbum "Esja" um die Erkundung ihres Hauptinstruments und auf "Home" um Schritte hin zu einem umfassenderen Ausdruck ihrer Kunst, so vereint "Ghosts" ihre vielfältigen Interessen auf einem Werk, das man in diesem Sinne vielleicht sogar als ihr erstes "richtiges" Album bezeichnen könnte.

Inspiriert von ihrer Bewunderung für so unterschiedliche Künstler*innen wie Enya, The Smile und James Blake - ganz zu schweigen von der Bewunderung für ihre Gäste - vereint es die Zartheit von Stina Nordenstam, das Flair von Keith Jarrett, die Kunstfertigkeit von Kate Bush und die forschenden Neigungen von Pink Floyd in einem wunderbaren, kosmischen musikalischen Universum. Heißen wir also etwas willkommen, das so ganz anders klingt als alles, was wir bisher gehört haben. Den Sound von Hania Rani.

Text: Gondwana Records

  1. Oltre Terra
  2. Hello
  3. Don't Break My Heart feat. Duncan Bellamy
  4. 24.03
  5. Dancing with Ghosts feat. Patrick Watson
  6. A Day in Never
  7. Whispering House feat. Olafur Arnalds
  8. The Boat
  9. Moans
  10. Thin Line feat. Duncan Bellamy
  11. Komeda
  12. Utrata
  13. Nostalgia

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 5.