Iiro Rantala, Michael Wollny, Leszek Mozdzer - Jazz At Berlin Philharmonic 1

Iiro Rantala, Michael Wollny, Leszek Mozdzer - Jazz At Berlin Philharmonic 1

Iiro Rantala, Michael Wollny, Leszek Mozdzer
Jazz At Berlin Philharmonic 1

Erscheinungstermin: 22.03.2013
Label: ACT

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Recorded live in concert at the Berlin Philharmonic (Kammermusiksaal), December 11, 2012

Die Rückkehr einer Legende:

Der berühmt-berüchtigte amerikanische Jazz-Impressario Norman Grantz (1918 – 2001) hatte 1944 eine Vision: Die Einzigartigkeit und Kunstfertigkeit der improvisierten Musik mitten in der Gesellschaft verankern, den Musikern die Würde und Anerkennung zu Teil werden lassen, die ihnen zusteht, und durch die Kombination verschiedenerer Stilrichtungen und Spielhaltungen, spontan in ungewohnten Besetzungen, Neues entstehen lassen. Es konnte nur einen idealen Ort für dieses Vorhaben geben - einen klassischen Konzertsaal: „Jazz at the Philharmonic“ war geboren. 20 Jahre lang hatte Grantz Konzertreihe, die später auch auf Reisen ging, einen großartigen Erfolg beim Publikum. Er stellte die prominentesten Jazzmusiker der Epoche vor, etwa Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie, Oscar Peterson und Lester Young. Der Jazz wurde sophisticated.

Jazz at Berlin Philharmonic: Die neue Konzertreihe im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin greift Norman Grantz bahnbrechende Idee auf. Das dem Jazz mehr Aufmerksamkeit zusteht, davon war die Stiftung Berliner Philharmoniker überzeugt, als ACT-Inhaber Siggi Loch sich der „Jazz at the Philharmonic“-Konzertreihe erinnerte und solch ein Konzept für Berlin vorschlug. Und bei der Premiere von „Jazz at Berlin Philharmonic“ am 11. Dezember 2012 zeigte sich gleich: Der Jazz ist ein gern gesehener Gast. Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte war der Kammermusiksaal bei einem Jazz-Konzert mit 1200 Besuchern restlos ausverkauft. 3 Pianisten - Iiro Rantala, Leszek Możdżer und Michael Wollny - bewiesen solo, in Duos und im Trio, dass der Jazz verrostete Schubladen, die zwischen E und U Musik trennen, sprengen kann. Sie führten einem vorwiegend klassisch orientierten Publikum plastisch vor, dass Klassik und Jazz alles andere als Gegensätze sind. Ein Ereignis „mit Seltenheitswert für Berlin“ schrieb der Tagesspiegel und das ZDF urteilte: „Das war großartig, um nicht zu sagen: Weltklasse".

Der Live-Mitschnitt “Jazz at Berlin Philharmonic I” liefert Zeugnis davon ab, was passieren kann, wenn Musiker in ungewohnten Konstellationen aufeinandertreffen, die so bislang noch niemals miteinander aufgetreten sind. Rantala, Wollny und Możdżer gelangen eine Sternstunde, bei der sich „Jazz und Klassik auf Augenhöhe“ begegneten (Tagesspiegel).

Kein Wunder, sind doch alle drei stilistische Grenzgänger. Michael Wollny, das immer noch erst 34-jährige Aushängeschild des jungen deutschen Jazz, holt sich seine Inspiration ebenso von Schubert oder Mahler wie von Björk oder Kraftwerk. Was sich dann zu wuchtigen Meisterwerken rundet wie „Hexentanz“, dem Solo-Stück Wollnys auf diesem Album, einem chromatisch wogenden, harmonisch funkelnden und rhythmisch alles mitreißenden Füllhorn seiner unerreichten individuellen Ausdruckskraft.

Der Pole Leszek Możdżer kommt von seiner Ausbildung her explizit aus der Klassik, für ihn ist der Austausch zwischen den wichtigsten Strömungen der Kunstmusik ohnehin selbstverständlich, wie sein impressionistisches Solo „Incognitor“ belegt. Wie man im Duett „Suffering“ hören kann, ist der Finne Iiro Rantala ein Geistes- und Seelenverwandter.

Der aktuelle Echo Jazz-Preisträger im internationalen Klavierfach steht mit an der Spitze der innovativen Eklektiker, die an die alte Jazztradition anknüpfen, die großen Erfinder der Klaviermusik zu studieren, zu verehren und für eigene Ideen zu verwenden. Es ist so gesehen logisch, dass die Aufnahme mit ihm beginnt: Mit Rantalas Version der Aria und der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach, dem Ausgangs- und Endpunkt jeder swingenden und improvisierenden Musik, hier vorbildlich behutsam in die Gegenwart überführt. Und ebenso wenig ist es Zufall, dass er und Wollny mit „Tears For Esbjörn“ folgen, der ergreifenden Hommage an einen der einflussreichsten Jazzpianisten der letzten 20 Jahre, dem 2008 verstorbenen Esbjörn Svensson. Ohnehin sind es die überwältigenden Duette, die klar machen, dass alle drei im Zusammenspiel die gleiche Qualität haben wie als Solisten. Schließlich haben alle zunächst in Bands Karriere gemacht, Wollny mit seinem Trio [em], Rantala mit dem Trio Töykeät, und Możdżer in diversen Besetzungen, zum Beispiel an der Seite von Lars Danielsson. Wie sie bei „Jazz At Berlin Philharmonic“ am Schluss alle zusammen bei Chick Coreas „Armando‘s Rumba“ loslegen, bleibt erwartungsgemäß kein Auge trocken. Und doch ist selbst bei dieser tosenden, hochvirtuosen Latin Party ein klassisches Fundament herauszuhören.

Und spätestens nach dem „fulminanten Start“ (Tagesspiegel) der ersten „Jazz At Berlin Philharmonic“-Ausgabe war klar, dass weitere folgen müssen. Am 25. März treffen sich die Pianisten Joachim Kühn und Yaron Herman mit Michel Portal an der Bassklarinette und dem Geiger Adam Baldych zu einem Abenteuer der freien Improvisation, des musikalischen Dialogs ohne Netz und doppelten Boden. Norman Grantz hätte seine Freude daran gehabt.

  1. Aria And Goldberg Variation
  2. Tears For Esbjörn
  3. Hexentanz
  4. No Message
  5. Incognitor
  6. Svantetic
  7. Suffering
  8. Armando’s Rumba

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