Chrismas Special oder alle Jahre wieder … kommt Mack Goldsbury!

von Cosmo Scharmer

Die Mack Goldsbury Group im Berliner A-Trane – 25 bis 27.12.2017

Wer einen Tenorsaxofon-Sound, mit einem gewaltigen Schlag Tradition eines stilbildenden Instruments im Jazz hören wollte, der konnte den kräftigen, voluminösen Sound, den der Man am Tenor den Hörern um die Ohren blies, als passendes Geschenk zu den Festtagen verstehen. Mal als schwelgende Ballade gelassen intoniert, mal als zupackendes und vorwärtstürmendes  Ereignis mit den schier unbegrenzten Möglichkeiten eines souveränen Tenorsaxofonisten. Mit der der Partie: als Gast aus den Staaten Eric Unsworth am Bass, verstärkt durch zwei Schwergewichte der Berliner Szene, Rolf Zielke am Piano und Ernst Bier, der dieses Chrismas Special seit Jahr und Tag – nicht nur an den Drums -, sondern auch als Initiator mit Leben erfüllt.

Balladen

Da gibt es die zärtliche Widmung an die Tochter „Rahel“ ebenso wie die ehrfürchtige Hommage an den Sound des Dukes: „Ellington in my mind“. Und so klingt es auch: herrliches Schwelgen in melodiösen Schleifen. Der kräftige expressive Ton, den Mack Goldsbury – gleich was stilistisch noch gespielt wird – immer beibehält, der ist sein Markenzeichen, sein Branding. Gelegentliche Ausflüge in quirlige Tonfolgen und dreckige Klänge stören dabei nicht, im Gegenteil, sie erhöhen den Reiz der balladesken Titel.

Die Mitgestalter

Zum Sopran – auch einmal zur piepsigen Piccolo-Flöte - greift Mack gelegentlich und liefert sich mit dem Mann am Piano ein witziges Zusammenspiel, bei dem auch mal schalkhaft „Sweet Georgia Brown“ zitiert wird. Die Kooperation beschränkt sich nicht auf den Flügel, sondern Bass und Drums machen hörbar mehr als nur das Timing beizusteuern. Ernst Bier zeigt sich anfangs noch zurückhaltend. Sehr differenziert – dabei auch Pausen und leise Schläge mit den Besen bevorzugend – rollt er seinen Beat unter die Stücke, was den Balladen gut zu Gesicht steht. Dabei bleibt er eigenwillig seinem Stil treu und mengt mal so nebenbei ein paar Takte Walzer in sein Spiel.

Zu viert als Duo

Die musikalische Verständigung fokussiert sich oft auf zwei Instrumente, die quasi ein Duo ausmachen. So bei dem Titel, den Ernst Bier für ein Filmprojekt komponierte: „At night when we go to sleep“. Ab geht´s. Das Schlagzeug treibt jetzt an, es entwickelt sich ein „Streit“ mit dem Piano. Wer erspielt oder erkämpft den kraftstrotzenderen Sound, der jeden packt und der sich zu einem orgiastischen Finale hochschraubt. Rolf Zilke kennt kein Pardon, weder mit dem Instrument, noch mit der improvisierten Musik und dem Hörer schon gar nicht. Im 2. Set soll es noch "doller" kommen. Mack bläst mit dem Tenor volles Rohr, passend einen Großstadt-Sound a la Brooklyn (Avenue G), Piano und Drums machen sich zu einer akustischen Treibjagd auf und erledigen die Hörer. Wer jetzt nicht hin und weg ist, der hat kein Ohren, aber – schlimmer noch -, der hat keine Jazz-Seele. Folgerichtig stellt Mack den Pianisten als „Man of Rock and Roll“ vor. So geht es weiter. Jetzt setzt der Man am Piano die wildesten Akkorde, dehnt sie aus, kommt ins freiere Gefilde und spielt sich die Seele aus den Fingern, swingendes Jazz-Piano ohne Abstriche.

Bei diesen „Sound Battles“ hat es der Man am Bass nicht leicht. Der hat nur seinen runden sanften Ton mit dessen Klangwirkung er Figuren von ausgereifter melodischer Raffinesse erschafft, was für Gourmets sowie die Musiker selbst. Keine Bange. Eric Unsworth erspielt sich viele Soli, die seinem Spiel die erforderliche Anerkennung bringen. So bei der schönen Ballade „Strange Things“, die diskret von den streichenden Besen der Drums untermalt wird.

Gegen Ende bitte Mack den Perkussionisten Kevin Burrell auf die Bühne. Dieser sei – so Goldsbury - der beste Man für Jazz und so. Gut möglich, aber für den Sound der Band ist sein Getrommel entbehrlich; es verstärkt deren Musik in keiner Weise.

Hommage an John Coltrane

Bei zwei Stücken ist die hörbare Wertschätzung des großen Vorbildes nicht zu leugnen, sondern gewollt. So bei der obigen Ballade, die - mit coltranesker Tonbildung und Stringenz durch das Tenors von Mack Goldsbury - das Thema dieser Musik bestechend ausgestaltet. Diese Musik ist das pure Gegenteil von blutleeren, nur an formalen Strukturen sich erschöpfenden Jazz-Stilen. Die Coltrane-Hommage zeigt sich auch im letzten Stück, das an den legendären Bassisten Jimmy Garrison erinnert, der -  wie Mack erwähnt – 12 Jahre den Sound des Coltrane-Quartetts mitgestaltete. Heute Abend klingt es derweilen unverkennbar nach dieser bahn – und stilbrechenden Musik des Meisters. Und diese heutige Musik ist hungrig nach lebendigem Sound, hungrig nach emotionalen Klangwelten, nach Jazz eben.

Text: Cosmo Scharmer

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