Maria Baptist „Trio plus One“ modifiziert zum Trio minus One

von Cosmo Scharmer

Maria Baptist Trio + 1
Maria Baptist Trio + 1, Foto: Anna Stark

Einfacher gesagt: die Pianistin spielt im Duo mit Jan von Klewitz und stellt ihr neues Album „Poems without Words“ im Kulturkaufhaus Dussmann in Berlin vor - 31. 08.2017.

Das Konzert wurde als Kurzkonzert angekündigt. Gute 50 Minuten erstklassische Musik verrinnen wie im Flug. Ein nicht allzu großer, dafür die intime Atmosphäre eines Klubs schaffender Raum – mehr als gut besucht - und eine ungewöhnlich gute Akustik geben ein nahezu perfektes Ambiente für die erste öffentliche Vorstellung der CD und bilden den Auftakt zu einer Tournee durch die Landen.

Ohne die – das Album durch dynamische Klangfarben stark mitprägende –Instrumente von Bass und Drums konnte es als naheliegend vermutet werden, dass die lyrische, die verhaltende Seite dieser Musik noch stärker vorgetragen würde. Nein, denn aus der „Not“ eine Tugend zu machen gilt auch im Jazz. Piano und Altsaxofon zeigen neben der poetischen Stille noch stärker die kraftvolle, die zupackende Seite der Musik des Albums.

Duo bedeutet für die Klangstimme des Pianos ein permanentes Spielen. So ist das ganze Spektrum pianistischer Stilistik – von Jazz und Klassik -zu hören: Mal lyrisch dezent, stets Melodie- und Harmonielinien dynamisch vorantreibend, aber immer kraftvoll zupackend. Besonders die linke Hand setzt mit warmen Tieflagen die Akzente, während die rechte Hand sich gelegentlich von den selbst aufgelegten melodischen und harmonischen „Fesseln“ der „Poems“ freispielt.

Für den kongenialen Jan von Klewitz sind bessere „Steilvorlagen“ wohl nicht zu haben. Der nutzt dies, wo immer es musikalisch sinnvoll erscheint, durch die klare Stimme und die unbändigen Schleifen seines Alts. Auch hier ertönen Kostproben von der gewaltigen Bandbreite seiner Stilistik: jazzklassischer und zeitgenössischer Sound des Altsaxofons. Kürzer und treffende kann die Formel nur lauten: Altissimo!

Fast vergessen zu sagen, dass alle Kompositionen – diesmal nicht - aus ihrer Feder stammen, sondern - wie ein Video ihrer Website belegt – auf einer mechanischen Schreibmaschine getippt wurden – so entsteht Lyrik!

Im plaudernden Tonfall stellt Maria Baptist die Musiker ihres Projekts (CD und Tournee) vor und erzählt einige persönliche Details aus ihrem Zusammentreffen mit den Musikern. Das kurze Konzert wollte Lust auf mehr machen. Dies ist sehr gelungen, das Publikum ist verzaubert. Duo plus Two heißt dann „Trio plus One„ oder einfach Quartett. Fabian Tim am Bass mit seinem runden Ton und der federnd trommelnde Altmeister John Betsch werden ihre Klangfarben hinzufügen und die Poems „sprechen lassen“.

Text: Cosmo Scharmer

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