JazzBaltica 2019

JazzBaltica 2019 - Susan Weinert Rainbow Trio – Skizzen der akustischen Landschaftsmalerei - 22.06.2019

Susan Weinert
Susan Weinert, Foto: Jacek Brun

Susan Weinert - guitar
Sebastian Voltz - piano
Martin Weinert - bass

Wenn Impressionen unüberhörbar expressiv tönen, so ist dies kein Widerspruch, sondern künstlerische Freiheit in Sachen Jazz. Dies ist der Fall bei den Landschafts- und Lautmalereien von Susan und Martin Weinert, die von Sebastian Voltz am Piano unterstützt werden.

Das erste Stück entführt die Hörer in die duftenden Gefilde der Provence und so lautet auch der Titel. Die nahe Aussicht aus dem JazzCafé auf die mittelmeerblaue baltische See und die im Wind sich wiegenden Kiefern machen es auch optisch einfach, sich in die Provence versetzt zu fühlen. Den Rest erledigt mühelos die Musik des Trios. Ein Duo zwischen Gitarre und Piano sorgt für sommerliche Stimmung, der Bass gleicht tieflagig aus und alle zusammen überzeugen auf Anhieb durch ihr einfühlsames sowie perfekt abgestimmtes Spiel. Das in Jahrzenten gewachsene Zusammenspiel zwischen dem Paar Susan und Martin Weinert mag nicht überraschen, aber dass der Mann am Piano sich so schnell in diese intime musikalische Vertrautheit einfinden konnte, ist erstaunlich und nicht selbstverständlich. Hier in der Jazz-baltischen Landschaft des Jazz Cafés ist dies so. Menage à Trois.

Susan Weinert und „ihre“ Musiker sind einfach verliebt in ihre Musik, ins Spiel, in jeden einzelnen Ton. Das ist hör- und sichtbar. Die Themen entwickeln sich ruhig, aber stringent, so wie „Pflanzen, die wachsen und gedeihen sollen“, so die Gitarristin.

Susan Weinert Rainbow Trio
Susan Weinert Rainbow Trio, Foto: Jacek Brun

Landschaftsthemen
„Die unvergesslichen Tage“. Nach der Einstimmung durch das Piano ertönt impressionistische Landschaftsmalerei. So wie das Piano klingt, müssen dies schöne Tage gewesen sein. Bass und akustische Gitarre nehmen das Thema auf, führen es solistisch oder im gemeinsamen Spiel weiter, schaffen eine musikalische Stimmung, die der Hörer selbst mit Erinnerungen füllen kann. Das sachkundige Publikum ist so gefangen, dass es nicht - wie sonst üblich – nach den Soli applaudiert, um die andächtige Stimmung nicht zu stören. Kompliment!

„A Long Winterday“ lässt die Klangfarben des gestrichenen Kontrabasses und der Gitarre im sanften Licht glänzen. Ein wenig an keltische Folklore erinnernd entwickelt sich nach einer anmutigen Melodie ein lyrisches Thema. Die Geschichte von den stillen winterlichen Tagen erzählt der Kontrabass von Martin Weinert so sensibel wie kraftvoll. Gegen Ende seines erwärmenden Solos wiederholen alle Musiker unisono die eingängige Melodielinie. Die Komposition stamme zu 98% von Susan, er habe den Rest beigesteuert, so der Bassist. Zusätzlich führt er aus, dass dieses Stück auf Tonträgern mit nach Hause genommen werden kann. An einem fernen Wintertag zum Leben erweckt, bekäme der Partner, des es im Sommer wagte, die CD zu erwerben, vom skeptischen Gegenpart die allerbesten Glückwünsche zu seiner Tat. Autor wie Publikum stimmen lachend zu und tun - nach Ende des Konzertes -, wie ihnen geraten wurde.

„Leise, fast unbemerkt“ ist ein balladeskes Stück, dass für den „kommenden Frühling“ geschrieben wurde, so einer der Weinerts. Für das Solospiel von Susan Weinerts Gitarre gibt es hier viel Raum, den sie lässig zu nutzen weiß. Und stets mit einer ungeheuren Spielfreude und deutlich sichtbarer Passion.

Sebastian Voltz
Sebastian Voltz, Foto: Jacek Brun

Stärker rhythmisch bewegte Titel
Dazu gehören die Stücke „Chinatown“ (für Izabella Effenberg) und „A Day like This“. Das Motiv des ersten Titels geht ordentlich ab. Ein Walking Bass schafft Raum, bringt das Thema voran. Dies alles ohne jede Unterstützung eines Drummers. Piano wie Gitarre steuern Riff-Strukturen und kräftige Akkorde bei, schmücken das Thema mit ihren Improvisationen solistisch aus. Der Sound ist nicht ungestüm, aber stets vorwärts treibend, zupackend, mitreißend. Dieser Funke springt sofort auf das Publikum über. So auch beim Titel „A Day Like This“. Der Bass trägt mit schnellen akzentuierten Bass-Figuren die „Hauptlast“ der rhythmischen Basis, gelegentlich von Akkordanschlägen der anderen unterstützt. Das Piano von Sebastian Voltz spielt frei auf, hämmert seine Läufe wie Figuren in die Tasten. Dass es derart klingt ist Resultat des gesamten Trios, das diesen bewegten und spannenden Gruppen-Sound erspielt.

Martin Weinert
Martin Weinert, Foto: Jacek Brun

Weitere Titel
„Brigdes“ ist ein Stück von Sebastian Voltz, das seine kompositorischen Fähigkeiten aufzeigt. Nach dem Intro des Pianos entwickelt sich ein souveränes Spiel von Eleganz und Energie. Glasklare Tastenanschläge sorgen für einen klassisch anmutenden Klangcharakter. Der Bass prägt mit Figuren und Motiven stark das Thema; es wird jazziger. Dazu tragen auch Farben und improvisierende Spielweisen der Gitarre bei. Das abschließende Duo zwischen Piano und Bass setzt dieser gefühlvolle Weise die Krone auf. Die Komposition passt wunderbar zum Sound des Trios, der mit „In a Sentimental Mood“ wohl treffend zu beschreiben wäre.

Fazit: Die Musik des Rainbow-Trios ist herrlich erfrischend. Sie ist lebendig, kurzweilig und verschafft den Hörern ein emotionales Erlebnis. Wer nicht in guter Stimmung sein sollte, der wird es nach einem Konzert des Rainbow-Trios ziemlich sicher sein. Es gibt genug Gelegenheiten, dies bei den noch ausstehenden Konzerten zu überprüfen.

Text: Cosmo Scharmer
Foto: Jacek Brun

Mehr über Susan Weinert Rainbow Trio

Susan Weinert Rainbow Trio - Beyond The Rainbow

Aktuelles Album:
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JazzBaltica 2019 - Fotoreportage

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JazzBaltica 2019

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