Rezension des Albums "insomnia & seven steps to grace" von Joy Harjo

Joy Harjo - insomnia & seven steps to grace - Album cover
Joy Harjo - insomnia & seven steps to grace

Joy Harjo
insomnia & seven steps to grace

Erscheinungstermin: 17.07.2026
Label: Smithsonian Folkways, 2026

Joy Harjo - insomnia & seven steps to grace - bei JPC kaufen

Manche Geschichten werden nicht erzählt – sie werden gesungen, gespielt und weitergegeben

jazz-fun`s recap:

Mit Insomnia & Seven Steps to Grace legt Joy Harjo ein Werk vor, das sich bewusst jeder eindeutigen Zuordnung entzieht. Jazz bildet zwar das Fundament, doch ebenso prägend sind Poesie, indigene Musiktraditionen Nordamerikas sowie Einflüsse aus Rock, Folk und improvisierter Musik. Aus diesen unterschiedlichen Quellen entsteht eine künstlerische Sprache, in der Musik und Worte untrennbar miteinander verbunden sind.

Joy Harjo gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Stimmen der indigenen Kultur in den Vereinigten Staaten. Als Dichterin, Musikerin und Geschichtenerzählerin versteht sie Kunst als Möglichkeit, Erinnerungen lebendig zu halten, Erfahrungen zu teilen und gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren. Diese Haltung durchzieht das gesamte Album und verleiht ihm eine außergewöhnliche inhaltliche Tiefe.

Die Zusammenarbeit mit esperanza spalding bildet dabei einen wesentlichen Bestandteil des Projekts. Ihre einfühlsame Bassarbeit, ihre Stimme und ihr feines Gespür für musikalische Räume schaffen ideale Voraussetzungen für Harjos poetische Erzählweise. Gemeinsam mit Matthew Stevens an der Gitarre und Justin Tyson am Schlagzeug entsteht ein Ensemble, das nicht begleitet, sondern den Texten und Improvisationen aufmerksam folgt und sie kontinuierlich weiterentwickelt.

Auch instrumental besitzt das Album eine große Ausdruckskraft. Harjo wechselt zwischen Stimme, Saxofon und Flöte und erweitert ihre poetischen Texte um musikalische Kommentare, die oftmals mehr andeuten als ausformulieren. Die Improvisationen wirken nie als Selbstzweck, sondern vertiefen die Atmosphäre und verleihen den Kompositionen zusätzliche emotionale Dimensionen.

Bemerkenswert ist die große Offenheit der Musik. Jazz, progressive Rockelemente und traditionelle Klänge der indigenen Kulturen des amerikanischen Südwestens begegnen sich mit großer Selbstverständlichkeit. Dabei entsteht keine stilistische Collage, sondern ein organisches Ganzes, das von Respekt gegenüber den jeweiligen Traditionen und einer klaren eigenen künstlerischen Vision getragen wird.

Insomnia & Seven Steps to Grace ist ein Album, das Zeit verlangt. Wer sich darauf einlässt, entdeckt weit mehr als außergewöhnliche Musik. Es ist eine Einladung zum Zuhören – nicht nur den Klängen, sondern auch den Geschichten, Erinnerungen und Erfahrungen, die in ihnen weiterleben. Joy Harjo gelingt damit ein ebenso persönliches wie universelles Werk, dessen Wirkung weit über musikalische Kategorien hinausreicht.

(Jacek Brun, 01.08.2026)

Besetzung

esperanza spalding - bass, voice, percussion
Joy Harjo - voice, sax, flute
Justin Tyson - drums
Matthew Stevens - guitar

Titelliste

  1. Insomnia and Seven Steps T›‹o Grace
  2. Rabbit Is Up To Tricks
  3. I Pray For My Enemies
  4. Fear Redux
  5. Without
  6. Mahk Jchi 2026
  7. Instinct
  8. My Guy
  9. Perhaps The World Ends Here
  10. Stomp All Night
  11. I Am A Prayer
  12. In The Beautiful Perfume And Stink Of The World
  13. Goodbye Pork Pie Hat

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