Rezension des Jazz-Albums "sayr: kaiho - live in Helsinki" von Jussi Reijonen

Jussi Reijonen - sayr: kaiho - live in Helsinki - Album cover
Jussi Reijonen - sayr: kaiho - live in Helsinki

Jussi Reijonen
sayr: kaiho - live in Helsinki

Erscheinungstermin: 24.10.2025
Label: unmusic, 2025

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Ein Raum aus Klang – „sayr: kaiho“ im Fokus

jazz-fun`s recap:

Mit sayr: kaiho – live in Helsinki entfaltet der finnische Gitarrist und Oud-Spieler Jussi Reijonen eine musikalische Welt, die weniger als Fortsetzung denn als Spiegelung seines früheren Albums salt | thirst verstanden werden kann. Es ist gewissermaßen die andere Seite derselben Idee – gespeist aus denselben inneren Quellen, getragen von einer vergleichbaren emotionalen Intensität, und doch eigenständig in ihrer Ausformung.

Der Begriff kaiho – ein finnisches Wort für Sehnsucht, für eine leise, tief verwurzelte Form von Nostalgie – steht im Zentrum dieses Live-Mitschnitts aus Helsinki. Ähnlich wie das portugiesische „Saudade“ beschreibt er einen Zustand, der sich kaum vollständig in Worte fassen lässt. Genau diese Unbestimmtheit wird zur musikalischen Substanz.

Reijonens Spiel bewegt sich zwischen Gitarre und Oud, zwei Instrumenten, deren klangliche Nähe und historische Verbindung hier besonders deutlich hervortreten. Ihre Stimmen verschmelzen zu einem kontinuierlichen Fluss, in dem Melodie, Resonanz und Stille gleichberechtigt nebeneinanderstehen.

Das Konzert ist in drei Teile gegliedert – „halla“, „fes“ und „vielä“ – die jeweils eigene emotionale Räume eröffnen. Dabei entsteht weniger eine lineare Dramaturgie als vielmehr ein Kreisen um Zustände, Erinnerungen und klangliche Ideen.

Auffällig ist die besondere Qualität der Stille in dieser Musik. Es ist keine Leere, sondern ein Raum, der von Klang durchzogen ist. Die Konzentration des Künstlers wird nahezu physisch spürbar; jede Nuance scheint bewusst gesetzt, jede Schwingung trägt Bedeutung. Die Musik atmet, dehnt sich, zieht sich zurück und gewinnt gerade daraus ihre Intensität.

Improvisation ist hier nicht Mittel zum Zweck, sondern ein fortlaufender Prozess der Entdeckung. Jede musikalische Geste eröffnet neue Möglichkeiten, neue Richtungen, neue Ansätze für weiteres Erkunden. sayr: kaiho wirkt dadurch wie ein offenes System – eine Klangwelt, die sich nicht abschließt, sondern weiterdenkt.

Dieses Album fordert Aufmerksamkeit, belohnt sie jedoch mit einer außergewöhnlichen Tiefe. Es ist eine Einladung zur inneren Bewegung – leise, konzentriert und von großer emotionaler Klarheit.

(Jacek Brun, 29.03.2026)

Besetzung

Jussi Reijonen - guitar, oud

Titelliste

  1. halla
  2. fes
  3. vielä
  4. halla: pihka [excerpt]
  5. halla: suisto [excerpt]

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