Just Another Foundry - Compendium of Unease

Just Another Foundry - Compendium of Unease

Just Another Foundry
Compendium of Unease

Erscheinungstermin: 24.03.2023
Label: self released, 2023

Just Another Foundry - Compendium of Unease - bei bandcamp kaufen

Jonas Engel – alto saxophone
Florian Herzog – double bass
Anthony Greminger – drums
Guests:
Marc Alberto – electronics, synthesizer
Jonatan Uranes – electronics, pedals

Sie arbeiten seit über neun Jahren, veröffentlichten bisher zwei Studio Alben und tourten mehrfach in Europa und den USA. Die international ausgezeichnete Band (jeweils Hauptpreise bei Tremplin Avignon und Jazz Maastricht, außerdem Preis der Unterfahrt München u.a.) genießt eine beachtliche Reputation. In der Süddeutschen Zeitung hörte Oliver Hochkeppel eine „explosive Mischung" und befand: „so sieht die Zukunft des Jazz in Deutschland aus.“ Roland Spiegel, Bayrischer Rundfunk, konstatierte „Mut zur Kante, zum Nicht-Lieblichen im intensitätsgeladenen Auftritt des exzellent zusammenspielenden Trios“. Norbert Krampf lobte in der FAZ den „Reiz des Unvorhersehbaren und eine stilistische Offenheit, die Einflüsse des freien Jazz mit der bisweilen geräuschhaften Spielhaltung der zeitgenössischen Musik verbindet“, und resümierte: „Das Trio schreckt keineswegs vor Virtuosität zurück, vermeidet aber ostentativ auftrumpfende Formalien.“ Nun trifft ein akustisches Avantgarde Jazz Trio auf spektrumserweiterende Elektronik in einer unmittelbaren und experimentellen Art und Weise. Junge neue Musik aus Köln.

Es käme Just Another Foundry nicht in den Sinn, sich auf gesammelten Lorbeeren auszuruhen. Vielmehr drängt es die Kölner vor der Aufnahme ihres dritten Albums Compendium of Unease zu einer künstlerischen Entwicklung, die mehr als das Schreiben neuer Stücke umfassen sollte. “Uns war wichtig den Kern des seit Jahren eingespielten Trios im Mittelpunkt zu behalten und darüber hinaus Instrumente/Spieler dazu zu holen, die die Lücken darüber hinaus mit einem ganz eigenen und andersartigen Klangspektrum wechselseitig bereichern und auffüllen. Neue Farben, Verfremdungen und Räume können entstehen. So kamen wir auf das elektronische Live Processing.”, skizziert Florian Herzog den Findungsprozess. Jonas Engel führt aus: „In einem Trio ohne Harmonieinstrumente ergeben sich viele Freiräume, die wir bislang mit allerhand Sounds unserer Instrumente gefüllt haben. Die Elektronik setzt an der Erweiterung unseres Gruppenklangs an, außerdem an unserem Ziel, Harmonien und Rhythmen weiter zu denken oder neu zu definieren.“ So kam das Konzept zu Stande, die eigenen Töne und Klänge durch digitale Mittel zu bearbeiten und zu manipulieren, „um das, was wir spielen, zu verstärken und zu intensivieren.“ Rein technisch gesehen gelingt das unter anderem durch Kontaktmikrophone, mittels derer die beiden Elektroniker Zugriff auf sämtliche akustischen Signale erhalten.

Das detailscharfe Ergebnis steckt voller Überraschungen. Groß ist die Spanne zwischen kluger Melodik und robuster Dekonstruktion, Transparenz und Verdichtung. Die absichtsvoll vorsichtige, tastende Spielhaltung im Aufmacher Casserole findet in Humming Hum und Davy’s Locker eine etwas abstraktere und kraftvollere Fortsetzung; hier wie dort steht die Melodie des warm timbrierten Saxophons im Zentrum. Mal zurückhaltend, mal entschlossener von unkonventionellen Klängen - etwa dem agil gestrichenen Bass - und Sounds umrankt. Collossus And The Crab verblüfft mit rhythmischen Finessen des Schlagzeugs und immer weiter auf- respektive ausbrechender Expressivität in kontrapunktisch anmutenden Motiven. Eindrückliche dynamische Wechsel vollzieht die Band im zunächst wuchtigen, dann die vorher erzeugten Wogen besänftigenden Titelstück Compendium of Unease, während das wilde Hence The Coffee die energiegeladenen, offensiven Facetten der Band in den Vordergrund rückt. Schließlich fällt Feet Me dadurch auf, dass hier beide Elektroniker gemeinsam agieren.

Bemerkenswert sind deren sehr unterschiedliche Konzepte, die sich bereits in ihrem Equipment zeigen. Während Jonatan Uranes mit Mixer, Effekt-Pedalen und dem Programm Max MSP arbeitet und eher der Noise-Ästhetik zugeneigt ist, setzt Marc Alberto Modular- Systeme und einen Prophet-Synthesizer ein. Der Kontakt zu Uranes reicht knapp drei Jahre zurück, als Jonas Engel noch in Kopenhagen wohnte und den norwegischen Elektronik- Spezialisten für ein Konzert engagierte. Alberto war Kommilitone von Florian Herzog am Conservatorium Maastricht; der Elektroniker aus Amsterdam wurde seitdem durch Engagements in niederländischen Pop- und House-Acts bekannt.

„Meine Kompositionen entstanden überwiegend in New York und spiegeln meine unterschiedlichen Eindrücke dort“, sagt Herzog, „vor allem sind sie inspiriert von der Energie der Stadt.“ Dagegen hält Engel fest, dass die Pandemie zumindest indirekt Einfluss auf seine Musik genommen hat, zumal er bei Komponieren wie beim Spielen recht intuitiv vorgehe. „In meinem Umfeld war ich während des ersten Lockdowns mit viel Unzufriedenheit konfrontiert. Damit einen Umgang zu finden hat mich sehr beschäftigt.“

Tatsächlich sind Herzog, Engel und Greminger recht unterschiedliche Charaktere, ihr musikalischer Fokus reicht von freier Improvisation (Engel) bis Indie, Punk/Rock und Electro (Greminger). Entsprechend offenbaren die Stücke individualistische Züge. Die Gründungsidee, drei Instrumentalstimmen gleichberechtigt „zu Wort“ kommen zu lassen, ist weiterhin präsent und trägt ebenfalls viel zum markanten Gestaltungswillen des Trios bei. Verglichen mit dem Vorgänger-Album gelingt es Just Another Foundry auf Compendium of Unease den Trio Kontext neu zu denken und diesen mit einem hohen Grad an Spannung, Qualität und Reife zu expandieren. Das entstandene elektroakustische fünfer Konglomerat schafft eine ganz neue Dynamik und eine interessante spielerische Wechselwirkung innerhalb der ganzen Band. Zuletzt kommen Samples aus Field Recordings und Bearbeitungen mit granularem Synthesizer dazu - Die Post Produktion verleiht ganz gezielten Details den finalen Feinschliff. Die Band erarbeitet seit Jahren ihre Stücke gemeinsam, arrangiert Dramaturgien und sucht nach eigenen Sounds und Spielarten. Von melodischen, Song-ähnlichen Strukturen bis zu krachenden Abstraktionen.

Die Erfahrung zeigt, dass die genresprengende Musik der Band auch, vielleicht sogar speziell bei einem Publikum ankommt, dass sich nicht unbedingt der reinen Jazz-Lehre verbunden fühlt. Allein schon, weil der Begriff Jazz von einer gewissen Aura umweht ist. Die Band selbst möchte sich nur auf eins festlegen, nämlich „jung“ zu bleiben, bemerkt Herzog. „Ich bin mit den Red Hot Chili Peppers und Eminem aufgewachsen und habe dann Jazz studiert. Es geht immer weiter mit immer wieder neuen KünstlerInnen, die interessant und spannend sind. Man muss am Ball bleiben. Diese Vielfalt spiegelt sich einfach in unserer Generation.“ Mit Compendium of Unease präsentieren Just Another Foundry ein zeitgemäßes Werk, das hinreißend lebendig wirkt und souverän neue Wege geht.

Text: Just Another Foundry

jazz-fun.de meint:
Das Bestechende an "Compendium of Unease" ist die Freiheit und Unprätentiösität der Musik. Das Können der Interpreten zeigt sich nicht in Effekthascherei, sondern in ihrem prägnanten, ungezwungenen Spiel. Spontane, phantasievolle Einfälle werden jedoch gekonnt in eine bestimmte Abfolge gebracht - das ist präzise, wirkungsvoll gemachte Kunst.

  1. Casserole
  2. Colossus and the Crab
  3. Compendium of Unease
  4. Humming Hum
  5. Hence the Coffee
  6. Feet Me
  7. Davy's Locker
  8. Loctite

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