Kinga Głyk Trio in Lüneburg am 08.03.2018

Kinga Głyk
Kinga Głyk, Foto: Jacek Brun

Das tönende „Genre der Bassgitarre“ oder einfach Kinga Głyk
Kinga Głyk Trio in Lüneburg am 08.03.2018

Die Bassgitarre war schon früh dabei. Als aus dem jazzigen Funk-Rhythmus - verursacht durch die akzentuierten Schläge des Pianos von Horace Silver - entwickelte sich in Verbindung mit dem geraden Beat des Rocks ein neues Genre: Funk-Jazz, Jazz-Rock, Cross Over oder auch Fusion genannt. Neben dem E-Piano prägten die markanten, abgehackt klopfenden Figuren des E-Basses diesen Sound und locken dadurch eine große Schar von Nicht-Jazzern in die Welt des Jazz. Herbie Hancock, Weather Report, John McLaughlin und der große Miles Davis waren Wegbereiter und Vorbilder. Bis heute!

Mit dieser Tradition ist die junge Lady aus Polen aufgewachsen; sie hat sich in die tiefen Töne des Basses früh verliebt und das Instrument zu ihrer Persönlichkeit , ihrem musikalischen Partner auserkoren: Kinga Głyk spielt die Bassgitarre wie ein richtig alter Jazzer, gestanden und erfahren durch die Jahrzehnte voller Musik und Leidenschaft. Dabei steht hier auf der Bühne eine junge Frau, deren Jugend, Ausstrahlung und Schönheit eher von ihrem Können und ihrer Musik ablenken. Auch wenn es schwerfällt sich vom ästhetischen Anblick ihrer Erscheinung abzuwenden, wir schließen die Augen und hören: Und das ist bester Bassgitarren-Sound: knarrende und knatternde Läufe, quirlig huschende Finger gehen über in ruhige Motive, steigern sich zu rhythmisch versierten geschlagenen Figuren, die das Genre aktuell und lebendig präsentieren. „I got rhythm, I got bass…and the beat must go on”. Das tut er. Das tut sie. Kinga Głyks Bass tut es.

Wer so was wie funky Jazz in zeitgenössischer Interpretation hören wollte, der konnte es nicht besser treffen. Im Trio mit ihren Vater Irek Głyk an den Drums und Rafał Stępień an (E)Piano und der Orgel gibt es umfassende Kostproben dieser Musik. Das Trio besticht durch die vehemente Energie und Vitalität, mit der Ihre Themen, Rhythmen und letztlich der Sound der letzten 3 Alben präsentiert werden. Da tönt das ganze Spektrum des „Genres der Bassgitarre“: Groove, Rhythm and Blues, Funk, Jazzrock und Jazz.

Da gibt es viel Platz für lange, intensive Soli, die nicht nur der langgelockten Dame mit dem schicken Hut geschuldet sind, sondern auch die beiden Mitgestalter betreffen. Fetzige Drums und die virtuos bearbeitete (Hammond)Orgel erinnern an die ehemals kleinste Big Band der Welt – Hardin & York. Die gleiche musikalische Verdichtung, ein immens abgehender Drive, ein packender Power Sound verstärkt durch die röhrende Hammond, aber filigraner, jazziger, „glykiger“ eben. Es gibt noch einige Gelegenheiten dieses Trio mit der - auch und gerade im musikalischen Sinne – attraktiven Kinga Głyk zu erleben und diese Aussagen zu bestätigen.

Kinga Głyk, bass
Rafał Stępień, piano, hammnond, korg
Irek Głyk, drums

Bericht, Fotos: Jacek Brun, Text: Cosmo Scharmer

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