Leléka

Leléka
Leléka, Foto: Dovile Sermokas

LELÉKA – Ukrainische Stimmen, neu erzählte Geschichten

Ein einzelner, über Generationen weitergegebener Gesang kann eine ganze Welt bewahren. Bei LELÉKA wird er zugleich zum Ausgangspunkt für etwas Neues: Das Berliner Ensemble verbindet ukrainische Volkslieder mit zeitgenössischem Jazz, kammermusikalischer Sensibilität und improvisatorischer Freiheit. Alte Melodien werden dabei nicht bloß arrangiert oder modern eingefärbt. Sie erhalten neue Formen, neue rhythmische Bewegungen und eine Gegenwart, in der Erinnerung und Veränderung nebeneinander bestehen können.

Der Name LELÉKA bedeutet auf Ukrainisch „Storch“. In der ukrainischen Kultur steht der Vogel für Frühling, Glück und die Rückkehr nach Hause. Diese Symbolik begleitet die Musik der Band seit ihrer Gründung – und hat angesichts von Krieg, Flucht und Heimatverlust eine zusätzliche Bedeutung gewonnen.

Eine Stimme zwischen Tradition und Gegenwart

Im Mittelpunkt von LELÉKA steht die ukrainische Sängerin und Komponistin Viktoria Leléka. Ihre Stimme prägt den unverwechselbaren Charakter des Ensembles: klar und leuchtend, zugleich erdig, beweglich und voller erzählerischer Kraft. Sie behandelt die überlieferten Melodien nicht als museales Material, sondern als lebendige Geschichten, die sich im Augenblick des Singens verändern dürfen.

Viele der ukrainischen Volkslieder bestehen ursprünglich nur aus einer Melodie und einem Text. Sie erzählen von Liebe und Trennung, von Arbeit, Krieg und familiären Beziehungen, von Alltagserfahrungen, Ritualen und mitunter auch von hintergründigem Humor. LELÉKA entwickelt um diese Melodien eigenständige musikalische Räume. Dynamisch groovende Passagen wechseln mit freien Improvisationen, kammermusikalischer Zurückhaltung und den intimen Farben einer Folkballade.

Die traditionelle Vorlage bleibt dabei erkennbar, wird jedoch nicht als unveränderliches Original behandelt. Vielmehr fragt das Quartett danach, was diese Lieder heute erzählen können und wie sich ihre emotionale Substanz in eine zeitgenössische Jazzsprache übertragen lässt.

Gründung in Berlin

LELÉKA wurde im Frühjahr 2016 von Viktoria Leléka in Berlin gegründet. Zur ursprünglichen Besetzung gehörten der Pianist Robert Wienröder, der Kontrabassist Thomas Kolarczyk und der Schlagzeuger Jakob Hegner. Seit 2019 übernimmt der schwedische Pianist Povel Widestrand den Klavierpart.

Die multikulturelle Zusammensetzung des Ensembles ist wesentlicher Bestandteil seines musikalischen Konzepts. Ukrainische Überlieferungen treffen auf unterschiedliche europäische Jazztraditionen und individuelle improvisatorische Handschriften. Daraus entsteht eine Musik, die sich weder ausschließlich dem Jazz noch der Welt- oder Volksmusik zuordnen lässt.

Schon in den ersten Jahren machte die Band mit Konzerten in Deutschland und der Ukraine auf sich aufmerksam. 2017 gewann sie den Creole Global Music Contest in Berlin. Ein Jahr später erhielt LELÉKA den ersten Preis beim Europäischen Nachwuchs-Jazzpreis in Burghausen. Beim Jungen Münchner Jazzpreis erreichte das Quartett 2019 den zweiten Platz. Außerdem wurde die Band in Ralf Dombrowskis Buch „111 Gründe, Jazz zu lieben“ aufgenommen.

Von „Tuman“ zu „Sonce u Serci“

Nach einer ersten selbstbetitelten EP erschien 2019 das Album „Tuman“. Bereits hier zeigte sich die Fähigkeit der Band, ukrainische Melodien in vielschichtige Arrangements zu überführen, ohne ihnen ihre Direktheit zu nehmen.

Mit „Sonce u Serci“ – „Sonne im Herzen“ – folgte 2021 ein Album, dessen Leitgedanke weit über musikalische Fragen hinausreicht. Die Stücke handeln von der Fähigkeit, auch in dunklen Zeiten ein inneres Licht zu bewahren und anderen Menschen Wärme und Zuversicht zu geben.

Der Titel beschreibt damit zugleich eine zentrale Qualität der Musik von LELÉKA. Auch wenn die Lieder Verlust, Krieg, menschliche Selbstüberschätzung oder gesellschaftliche Unsicherheit thematisieren, bleiben sie nicht in Dunkelheit und Trauer gefangen. Immer wieder öffnen sich Räume für Trost, Widerstandskraft und gemeinschaftliche Erfahrung.

Für ihre Arbeit wurde LELÉKA 2022 in der Kategorie „Band des Jahres“ für den Deutschen Jazzpreis nominiert.

Musik als kulturelles Gedächtnis

Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Arbeit des Ensembles eine noch deutlichere kulturelle und politische Dimension erhalten. LELÉKA versteht die Beschäftigung mit ukrainischer Musik nicht als folkloristische Rückschau, sondern als Beitrag zur Bewahrung einer bedrohten kulturellen Identität.

Die Konzerte der Band machen hörbar, wie eng Musik, Sprache, Erinnerung und Zugehörigkeit miteinander verbunden sind. Die alten Lieder werden zu Zeugnissen einer lebendigen Kultur, die sich nicht auf historische Dokumente reduzieren lässt. Zugleich vermeidet das Quartett plakative Botschaften. Die politische Bedeutung entsteht aus der Sorgfalt, mit der es das musikalische Material behandelt, und aus der Beharrlichkeit, mit der diese Stimmen weitergetragen werden.

Neben eigenen Veröffentlichungen komponierte und produzierte LELÉKA auch Musik für die ukrainische historische Fernsehserie „And There Will Be People“ beziehungsweise „І будуть люди“.

Besetzung

Viktoria Leléka – Gesang, Komposition
Povel Widestrand – Klavier
Thomas Kolarczyk – Kontrabass
Jakob Hegner – Schlagzeug

Künstlerische Handschrift

LELÉKA verbindet ukrainische Volksmusik mit zeitgenössischem Jazz, kammermusikalischer Transparenz, improvisatorischer Freiheit und gelegentlichen Einflüssen aus Pop und elektronischer Musik.

Ausgangspunkt sind häufig traditionelle Melodien, deren ursprüngliche Schlichtheit in vielschichtigen Arrangements neu erfahrbar wird. Charakteristisch sind Viktoria Lelékas ausdrucksstarke Stimme, die klangliche Beweglichkeit des Quartetts und der respektvolle, zugleich eigenständige Umgang mit dem musikalischen Erbe der Ukraine.

Die Band betrachtet Tradition nicht als abgeschlossene Vergangenheit. Ihre Musik zeigt, dass kulturelles Gedächtnis nur dann lebendig bleibt, wenn es weitererzählt, hinterfragt und in neue Zusammenhänge gestellt wird.

Wichtige Stationen

  • 2017 – Veröffentlichung der ersten EP „Leléka“
  • 2017 – Gewinner des Creole Global Music Contest Berlin
  • 2018 – erster Preis beim Europäischen Nachwuchs-Jazzpreis Burghausen
  • 2019 – zweiter Preis beim Jungen Münchner Jazzpreis
  • 2019 – Veröffentlichung von „Tuman“
  • 2020 – Musik für die ukrainische Fernsehserie „And There Will Be People“
  • 2021 – Veröffentlichung von „Sonce u Serci“
  • 2022 – Nominierung für den Deutschen Jazzpreis als „Band des Jahres“
  • 2023 – Veröffentlichung von „Rizdvo“ mit Maksym Berezhnyuk
  • 2025 – Veröffentlichung von „Kolysanky“
  • 2026 – zehnjähriges Bandjubiläum
  • 2026 – Veröffentlichung der Doppel-LP „10 Years of Music“
  • 2026 – Teilnahme am Eurovision Song Contest für die Ukraine mit „Ridnym“
  • 2026 – neunter Platz im Finale des Eurovision Song Contest

Diskographie

Links

Leléka Internetseite:
https://www.leleka.de/

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