Rezension des Albums "PEOPLE. PLACES." von Martin Iaies

Martin Iaies - PEOPLE. PLACES. - Album cover
Martin Iaies - PEOPLE. PLACES.

Martin Iaies
PEOPLE. PLACES.

Erscheinungstermin: 21.08.2026
Label: Challenge Records, 2026

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Wenn ein neuer Ort die eigene Sprache verändert

jazz-fun`s recap:

Manchmal verändert ein Ortswechsel nicht nur die Umgebung, sondern auch die Perspektive auf die eigene Kunst. Als der argentinische Gitarrist Martín Iaies 2019 Buenos Aires verließ und nach Österreich zog, begann für ihn ein Prozess, dessen musikalische Konsequenzen sich heute auf PEOPLE. PLACES. besonders deutlich zeigen.

Iaies beschreibt diese Entwicklung selbst bemerkenswert präzise: Als er nach Österreich kam, verstand er sich als Gitarrist, der komponiert. Sieben Jahre später sieht er sich als Komponist, der sich durch die Gitarre ausdrückt. Es ist ein kleiner sprachlicher Unterschied – und zugleich eine grundlegende Verschiebung der künstlerischen Perspektive.

Genau diese ist auf PEOPLE. PLACES. zu hören. Die Gitarre bleibt wichtig, beansprucht aber nicht permanent das Zentrum. Iaies denkt in größeren Zusammenhängen: Klangfarben, musikalische Entwicklungen und Dramaturgie spielen eine zentrale Rolle. Vokale Passagen und orchestrale Kompositionen stehen nebeneinander, begegnen sich und verändern gegenseitig ihre Bedeutung.

Bemerkenswert ist dabei, dass die orchestrale Dimension niemals auf Monumentalität abzielt. Auch wenn die Arrangements größer werden und sich die Musik weit öffnet, bewahrt sie sich eine Intimität. Im Kern stehen häufig einfache melodische Gedanken und beinahe liedhafte Strukturen. Aus ihnen entwickelt Iaies erst komplexere Formen, in denen Komposition und Improvisation ineinandergreifen.

Dabei begegnen sich auch zwei geografische und musikalische Welten. Der zeitgenössische europäische Jazz hat Spuren hinterlassen, doch Iaies hat seine argentinische Herkunft keineswegs hinter sich gelassen. Elemente der dortigen Folklore erscheinen nicht als demonstrativ eingesetzte Zitate, sondern gehören selbstverständlich zu seiner musikalischen Identität. So werden Buenos Aires und Österreich nicht zu Gegensätzen, zwischen denen er sich entscheiden müsste. Beide sind Teil einer neuen Sprache.

Darin liegt die besondere Qualität von PEOPLE. PLACES. Das Album erzählt von Veränderung, ohne die Vergangenheit abzuschütteln. Es erzählt von neuen Orten, ohne die alten zu vergessen. Und von einem Musiker, der auf diesem Weg seine Rolle neu definiert hat.

Vielleicht verändern Orte tatsächlich die Menschen. Bei Martín Iaies haben sie vor allem die Art verändert, wie er seine musikalischen Geschichten erzählt.

(Jacek Brun, 25.08.2026)

Titelliste

  1. Graz
  2. Delfina's way
  3. Zamba del chaguanco
  4. 18/5
  5. El donny
  6. In an unknown mood
  7. Cancion de cuna para simon
  8. Cyclical loss of hope

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