Rezension des Jazz-Albums "September" von Martin Wind
Martin Wind
September
Erscheinungstermin: 06.03.2026
Label: Laika Records, 2025
Modernes Jazztrio zwischen Reflexion und Aufbruch
Der in New York lebende Bassist und Komponist Martin Wind blickt auf September mit seinem Gravity Trio nicht nur auf eine lange künstlerische Entwicklung zurück, sondern auch auf einen biografischen Wendepunkt. Drei Jahrzehnte sind vergangen, seit er Deutschland verließ, um sich in der New Yorker Jazzszene zu etablieren – ein Schritt, der sein musikalisches Selbstverständnis nachhaltig geprägt hat.
Das Album steht zugleich im Schatten eines persönlichen Verlusts. Am ersten Tag der Aufnahmen verstarb Winds langjähriger Mentor Jim McNeely. Diese Erfahrung verleiht der Musik eine besondere emotionale Tiefe. Doch September ist kein Album der Rückschau oder Trauer im engeren Sinne. Vielmehr entsteht aus dieser Situation eine Haltung, die von Dankbarkeit, Würde und einem bewussten Blick nach vorn geprägt ist.
Die Kompositionen des Albums sind dynamisch angelegt und bieten dem Ensemble große Freiräume für improvisatorische Entwicklung. Themen werden klar formuliert und anschließend in offenen Strukturen weitergeführt, wodurch sich ein lebendiger musikalischer Dialog entfaltet. Die Musik wirkt dabei zugleich konzentriert und beweglich – getragen von einer spürbaren Energie des gemeinsamen Musizierens.
Innerhalb dieses Rahmens entfalten die beteiligten Musiker ihre individuellen Stimmen. Der amerikanische Multiinstrumentalist Scott Robinson erweitert das Klangspektrum mit charakteristischen Farben, während der deutsche Saxofonist Peter Weniger mit intensiven, teils tranceartigen Linien zusätzliche Spannungsmomente setzt.
Auffällig ist die Balance zwischen kompositorischer Klarheit und improvisatorischer Offenheit. Die Stücke strahlen Frische und Beweglichkeit aus, ohne ihre strukturelle Geschlossenheit zu verlieren. So entsteht ein Album, das weniger als Rückblick funktioniert, sondern vielmehr als Ausdruck eines fortlaufenden künstlerischen Prozesses.
September zeigt Martin Wind als Musiker, der aus Erfahrung schöpft, ohne sich von ihr begrenzen zu lassen. Die Musik verbindet Reflexion mit Aufbruch und entwickelt daraus eine eigenständige, lebendige Form zeitgenössischen Jazz.
(Jacek Brun, 20.03.2026)
Besetzung
Martin Wind - upright bass
Peter Weniger - tenor saxophone
Jonas Burgwinkel - drums
Guest:
Scott Robinson - tenor saxophone*, clarinet
Titelliste
- Dance with the wind
- Late summer lullaby
- Relay
- September serenade
- King of the castle
- Moon and sand
- Couleur d'automne
- Frog Legs
- Pro Zeca
- September song
- Rugby
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