Rezension des Albums "Pendulum" von Martti Vesala Soundpost Quintet
Martti Vesala Soundpost Quintet
Pendulum
Erscheinungstermin: 15.10.2026
Label: Mustik Motel Music, 2026
Wenn Bewegung zum Ausgangspunkt wird
Ein Pendel bleibt nie einfach stehen. Es bewegt sich, erreicht einen Wendepunkt und kehrt in die andere Richtung zurück. Martti Vesala macht dieses Bild auf Pendulum zum Ausgangspunkt einer Musik, die von Bewegung, Spannung und Veränderung lebt.
Im Zentrum steht die Idee menschlicher Geschichte als fortwährendes Ausschlagen zwischen Gegensätzen. Entwicklungen bauen sich auf, erreichen kritische Punkte und lösen Gegenbewegungen aus. Vesala übersetzt dieses Prinzip nicht illustrativ, sondern kompositorisch.
Anders als auf früheren Alben beginnt er diesmal häufig nicht mit einer Melodie.
Am Anfang stehen rhythmische Riffs.
Sie setzen die Musik in Bewegung, geben Impulse vor und schaffen ein Gerüst, an dem sich anschließend Melodien und Harmonien entwickeln. Dadurch besitzen viele Stücke von Beginn an eine starke innere Dynamik.
Das Soundpost Quintet setzt diese Idee mit großer Präzision und Energie um. Vesala selbst spielt Trompete, Flügelhorn und modularen Synthesizer. Petri Puolitaival erweitert das Klangbild mit Saxofonen und Flöten, Joonas Haavisto mit Klavier und Rhodes. Juho Kivivuori an Kontra- und E-Bass sowie Ville Pynssi an Schlagzeug und Percussion sorgen für ein rhythmisches Fundament, das ständig in Bewegung bleibt.
Diese fünf Musiker gehören zu den starken Stimmen der finnischen Jazzszene, und das hört man.
Jeder ordnet sich der kompositorischen Idee unter, ohne die eigene Persönlichkeit zurückzunehmen. Die Soli wirken deshalb nie wie isolierte Höhepunkte. Sie entstehen aus dem Material der Stücke, greifen Riffs und rhythmische Figuren auf und führen sie in neue Richtungen.
Die Musik fließt schnell und konzentriert.
Ein Thema kann sich aus einer knappen rhythmischen Figur entwickeln, sich öffnen, verdichten und schließlich in eine improvisierte Passage übergehen. Danach setzt sich das Stück neu zusammen – häufig mit veränderter Perspektive.
Pendulum bleibt dabei erstaunlich abwechslungsreich.
Jede Komposition bringt neue arrangierte Details und improvisatorische Möglichkeiten mit. Mal steht der Groove stärker im Vordergrund, mal öffnet sich die Musik harmonisch, dann treten Bläserlinien oder elektronische Farben hervor.
Das Quintett spielt in bestechender Form. Die Musiker reagieren schnell, bleiben auch in komplexeren Passagen transparent und erzeugen eine Energie, die über das gesamte Album trägt.
Gerade diese Verbindung aus klarer Struktur und spontaner Bewegung macht Pendulum so überzeugend.
Die Musik bleibt niemals lange an einem Punkt. Sie schwingt weiter. Und mit jedem Richtungswechsel öffnet sich eine neue Möglichkeit.
(Jacek Brun, 08.11.2026)
Besetzung
Martti Vesala - trumpet, flugelhorn & modular synth
Petri Puolitaival - saxophones, flutes
Joonas Haavisto - piano, rhodes
Juho Kivivuori - double bass, electric bass
Ville Pynssi - drums, percussion
Titelliste
- Pendulum
- Ancient Sunlight
- Sands of Time
- This Is For Wayne
- Fireflies
- Road Rage
- End Of Land Sadness
- Obsidian
- High Hopes
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