Rezension des Albums "Airports" von Matti Klessascheck
Matti Klessascheck
Airports
Erscheinungstermin: 31.07.2026
Label: Toy Piano Records, 2026
Manchmal entstehen die wichtigsten Geschichten nicht am Ziel, sondern unterwegs
Mit Airports widmet sich der Saxofonist und Komponist Matti Klessascheck einem Ort, den fast jeder kennt, der sich aber nur schwer musikalisch fassen lässt. Flughäfen sind Übergangsräume – weder Ausgangspunkt noch Ziel, sondern Orte des Wartens, Aufbrechens und Ankommens. Genau diese schwebende Atmosphäre bildet den Ausgangspunkt für ein Debütalbum, das sich mit großer Sensibilität zwischen Bewegung und Stillstand entfaltet.
Die dreizehn Stücke eröffnen dabei unterschiedliche Perspektiven auf dieses Thema. Neben größeren Ensemblewerken stehen Soli, Duos und Trios, die den Gedanken des Übergangs aus jeweils eigener Sicht beleuchten. Dadurch entsteht ein abwechslungsreicher musikalischer Spannungsbogen, der sich nie in einem festen Konzept erschöpft, sondern ständig neue Klangräume öffnet.
Klessascheck beweist dabei ein bemerkenswertes Gespür für Form und Dramaturgie. Seine Kompositionen entwickeln sich organisch, lassen den Musikern viel Raum zur Entfaltung und gewinnen ihre Spannung aus der Balance zwischen sorgfältig gestalteten Strukturen und improvisatorischer Freiheit. Jede Besetzung besitzt ihre eigene Klangfarbe und trägt dazu bei, den zentralen Gedanken des Albums auf unterschiedliche Weise hörbar zu machen.
Unterstützt wird der Saxofonist von einem Ensemble junger Musiker der deutschen Jazzszene, das mit großer Aufmerksamkeit und Spielfreude agiert. Besonders beeindruckend ist das kollektive Musizieren. Die Kompositionen werden nicht einfach interpretiert, sondern im gemeinsamen Spiel weiterentwickelt. Dadurch entstehen lebendige musikalische Dialoge, in denen jede Stimme ihren Platz findet, ohne das Gesamtbild aus den Augen zu verlieren.
Auch als Instrumentalist überzeugt Matti Klessascheck mit einem klaren, ausdrucksstarken Saxofonton, der sich selbstverständlich in den Ensembleklang einfügt. Seine Soli suchen nicht den Effekt, sondern erzählen Geschichten, die sich organisch aus den Kompositionen entwickeln und deren Atmosphäre vertiefen.
Bemerkenswert ist schließlich die künstlerische Reife dieses Debüts, das im Rahmen seiner Abschlussarbeit entstanden ist. Airports zeigt einen jungen Musiker, der bereits über eine eigene kompositorische Handschrift verfügt und seine musikalischen Ideen mit großer Konsequenz verfolgt. Gleichzeitig steht das Album exemplarisch für eine Generation von Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern, die sich selbstverständlich zwischen Tradition und Gegenwart bewegt und dabei ihre ganz eigene Sprache entwickelt. Gerade diese Eigenständigkeit macht neugierig auf den weiteren Weg von Matti Klessascheck.
(Jacek Brun, 02.08.2026)
Besetzung
Matti Klessascheck - Altsaxophon
Adrian Gallet - Tenor Saxophone
Julian Drach - Flute & Soprano Saxophone
Felix Bork - Trumpet
Victor Fox - Bass Clarinet
Leon Hattori - Piano & Synths
Mathieu Clement - Drums
Nico Klöffer - Bass
Titelliste
- Airports (live)
- Circular
- Unfold
- Cranes
- Airports II
- Soft Side
- Licht fällt
- Beginnings
- Skinnarviksberget
- Vertigo
- Airports III
- Becoming and Belonging
- Return
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