Max Andrzejewski's Hütte - Reduce

Max Andrzejewski's Hütte - Reduce

Max Andrzejewski's Hütte
Reduce

Erscheinungstermin: 15.09.2023
Label: Fun in the Church, 2023

Max Andrzejewski's Hütte - Reduce - bei bandcamp kaufen

jazz-fun`s recap:

An ungewöhnliche harmonische, rhythmische und klangliche Lösungen ist man von Max Andrzejewski und seiner Band bereits gewöhnt. Hier gibt es nichts Einfaches zu hören, man muss sich konzentrieren und das Ganze hören, selektives Hören einzelner Stücke macht keinen Sinn. Jazz, Jazzimprovisation sind hier nur eines der Mittel oder eine der gekonnten Möglichkeiten, mit denen diese außergewöhnlichen Künstler neue musikalische Welten erschaffen. Ein wunderbares Album, wir sind begeistert!

Johannes Schleiermacher - Saxophone
Tobias Hoffmann - guitar
Andreas Lang - bass
Max Andrzejewski - drums, composition

Max Andrzejewski, Jahrgang 1986, gehört zu den wichtigsten Protagonisten der jungen deutschen Experimentalmusikszene. Ob als Schlagzeuger oder Komponist - gerne auch beides gleichzeitig in einem Ensemble - lotet er seit Jahren die Welten zwischen Neuer Musik und Jazz, zwischen Experimentalrock und Minimalismus aus.

Die erste Single markierte Hüttes neue Richtung. Ein Fluss ohne Brüche, der Gitarrenpart ist unüberhörbar, Johannes Schleiermachers Saxofon fliegt darüber hinweg. Und ab der zweiten Hälfte kommt ein Mark-Hollis-Groove ins Spiel - eine zweite Ebene, die ruhig nach vorne treibt.

Die aktuelle Single Risse hat Max ursprünglich für ein zeitgenössisches Ensemble aus Flöte, Bratsche, zwei Gitarren und Kontrabass geschrieben. Es geht um Zwischenräume, um Schwebezustände - um das Hineinzoomen in die Ränder der Risse. Hier nun in der viel offeneren Bandversion - mit treibendem, aber schwerelosem Groove und dem Hütte-typischen, ausbrechenden kollektiven Solopart, bevor das Konstrukt zusammenbricht und drei ineinander verschachtelte Gitarren immer neue konsonant-dissonante Akkordgebilde schaffen.

Wenn es in der Fülle seiner preisgekrönten Veröffentlichungen und Projekte so etwas wie eine Konstante gibt, dann ist es sicherlich sein 2011 gegründetes Quartett HÜTTE: Die Band mit Andrzejewski als komponierendem Schlagzeuger, dem Saxophonisten Johannes Schleiermacher, dem Gitarristen Tobias Hoffmann und dem Bassisten Andreas Lang ist wirklich herausragend besetzt und gewann bereits 2013 den neuen deutschen Jazzpreis.

Nun erscheint im September 2023, wenn man ihre Robert Wyatt-Tribute-Platte von 2019 mitzählen will, bereits das fünfte HÜTTE-Album mit dem Titel Reduce. Robert Wyatt ist durchaus eine gute Referenz, wenn es um neue Aufnahmen geht, ebenso der späte Talk Talk, Arthur Russell oder Miles Davis auf „In a silent way“, aber auch Minimalist*innen wie Kali Malone oder Jakob Bro.

Selten hat man Andrzejewski und seine Band so zugänglich, so reduziert und schwebend gehört. Im Sinne von Mark Hollis hat man es hier fast schon mit Popmusik zu tun. Die Mitmusiker scheinen sich jedenfalls sichtlich wohl zu fühlen im neu verordneten Minimalismus ihres Bandleaders.

"Die Stücke sind aus dem Bedürfnis heraus entstanden, in Zwischen- oder Schwebezustände zu kommen, in Loops, in weniger Material - aus dem eigenen Bedürfnis heraus, als Zuhörer im Idealfall ein bisschen heruntergefahren zu werden und in einen Jetzt-Zustand 'einzutauchen'", sagt er und fragt sich selbst zu den jüngsten Bestrebungen in seiner HÜTTE: "Ist das jetzt eine Flucht vor der Weltsituation oder mache ich das, weil ich alt werde?

Tatsächlich sind es oft nur ganz kleine Loops als kompositorische Grundanordnung mit minimalen Verschiebungen, mit denen er und seine Band uns in 9 Stücken so in den Bann ziehen. Einige Teile sind aus Max' Kompositionen für zeitgenössische klassische Ensembles destilliert - und heben hier improvisatorisch ab. Andrzejewski kommentiert das Projekt wie folgt:

„Das Bedürfnis nach dieser reduzierteren Musik kommt sicher auch von meiner exzessiven Arbeit als Komponist zeitgenössischer Kammermusik in den letzten Jahren - die Idee, das musikalische Material zu “befreien“, es von der „anderen Seite“ zu beleuchten“.

Aber natürlich sind auch der individuelle, virtuose Ausdruck aller HÜTTE-Mitglieder auf ihren Instrumenten und die Tatsache, dass sie seit über 10 Jahren als Band zusammenspielen, ganz wichtige Faktoren für die große Intensität dieses Albums. Übrigens kann man den Albumtitel durchaus auch politisch lesen. Es geht um Reduktion als Mittel zum De-Growth, um den Ausstieg aus dem Wahnsinn der alltäglichen Aufmerksamkeitsökonomie und um die drängende Frage, welche Entbehrungen jeder Einzelne von uns - unabhängig von politischen Amtsträgern - für unseren Planeten leisten kann.

Das Album wird nicht auf physischen Tonträgern erscheinen! Stattdessen ein streng limitiertes, handnummeriertes Siebdruckposter (mit Downloadcode!) des Berliner Designers Moritz Borchardt. Das können sich interessierte Fans dann gerne in die eigene HÜTTE hängen.

"Kaum eine andere junge Jazzband hat in den letzten Jahren in Deutschland für so viel Furore gesorgt wie die HÜTTE um Max Andrzejewski", so der begeisterte Musikjournalist Wolf Kampmann. HÜTTE gewann den Neuen Deutschen Jazzpreis 2013, veröffentlichte vier Alben - teilweise verstärkt durch ein Vokalensemble - und tourte international, u.a. Eurojazz Festival Mexico, International Jazz Festival Nicaragua, Managua Jazz Festival Guatemala, Honduras, Jazz Fesival El Salvador, Südtirol Jazzfestival (IT), Enjoy Jazz Festival Heidelberg, Umbria Jazz (IT), April Jazz National Concert Hall Dublin (IR), J.O.E. Festival Essen, Just Music Festival Wiesbaden, Jazz Units Berlin, Jazztage Regensburg, NueJazz Festival Nürnberg, KLAENG Festival Köln u.v.m.

Im Oktober 2018 realisierte die Band mit zwei Gästen im Auftrag der Leipziger Jazztage und in Koproduktion mit dem Enjoy Jazz Festival ein Tribute-Programm für den großen britischen Künstler Robert Wyatt, das 2019 als Album erscheinen wird. Mit Spielfreude und trotziger Exzentrik pflegt die Truppe aus starken Individuen - dem Schlagzeuger und Komponisten Max Andrzejewski, dem Saxofonisten Johannes Schleiermacher, dem Gitarristen Tobias Hoffmann und dem Bassisten Andreas Lang - einen leidenschaftlichen musikalischen Wahnsinn auf höchstem Niveau. Avantgardistische Musik, eingängige Melodien und expressive Freiheit... die HÜTTE brennt. Und jetzt:

Nach einem Album als Quartett (Unit Records, 2012), zwei gefeierten Alben der Berliner Band plus Vokalensemble („HÜTTE und CHOR“ (Traumton 2014) und „HÜTTE and The Homegrown Organic Gospel Choir“ (Whyplayjazz 2017) und einem Tribute-Album mit der Musik von Robert Wyatt kehrt das Quartett nun zu seinen Wurzeln zurück und wird wieder instrumental:

Die neue Musik klingt unmittelbar, persönlich und ist von einer neuen Ruhe durchdrungen, in der man aber jederzeit das Feuer der Band durchschimmern hört.

Text: Fun in the Church

  1. Fließen
  2. Risse
  3. Rose
  4. Gemini
  5. Lylan I
  6. Degeneration
  7. Ränder
  8. Sparkle, Madly
  9. Lylan II

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