Mozdzer, Danielsson, Fresco - Polska

Mozdzer, Danielsson, Fresco - Polska

Mozdzer, Danielsson, Fresco
Polska

Erscheinungstermin: 25.10.2013
Label: ACT, 2013

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Leszek Możdżer - piano, celesta, vibraphone, synth
Lars Danielsson - cello, bass
Zohar Fresco - percussion, vocal

Der Pole Leszek Możdżer ist „ein Phänomen“ (Süddeutsche). In seiner Heimat bereits ein Star, in Europa der wichtigste polnische Jazzmusiker seiner Generation nach Tomasz Stańko, verkörpert der 42-jährige Pianist aus Danzig den Aufbruch des europäischen Jazz. Einen Aufbruch zu seinen Wurzeln und zugleich zu neuen Ufern: Fast immer ist eine klassische Ausbildung, also das Bewusstsein um die eigene Musiktradition die Basis, um mit virtuoser Technik eigene Klangwelten zu erforschen. So auch bei Możdżer, der erst mit 18 den Jazz entdeckte, um ihn rasch mit anderen Strömungen zu verbinden. So entstand ein unverwechselbarer eigener Ton, ein individueller Ausdruck, der unüberhörbar von polnischen Hörtraditionen geprägt ist: Chopin, der Nationalheld der polnischen Musik, ist stets eingewoben – hörbar auch beim Einstieg in „Polska“ mit „Chai Peimot“. Aber auch moderne polnische Komponisten bis in den Pop hinein inspirieren ihn, ein Witold Lutoslawski etwa, der komplexe sinfonische Werke ebenso schrieb wie publikumswirksame „Hits“. Oder ein Krzystof Komeda, dem Możdżer  mit seinem letzten ACT-Album „Komeda“ ein Denkmal setzte.

Den meisten seiner Kollegen in anderen Ländern hat Możdżer indes voraus, dass seine Sprache vor allem von seinen Landsleuten verstanden wird. Seine genreüberschreitende Musik hat in seiner Heimat phänomenalen Erfolg, die alle Publikumsschichten erreicht. Selbst Solo-Konzerte finden dort in Hallen statt, wenn er sich wie 2010 bei „Możdżer+“ Gäste wie Marcus Miller oder John Scofield einlädt, gehen die Zuschauer in die Zehntausende, als er 2008 mit Pink-Floyd-Frontmann David Gilmore in der Danziger Werft auftrat, waren es 60.000 Zuschauer. Seine Alben sind seit langem in den polnischen Charts zuhause, „Komeda“ schaffte es 2011 auf die Nummer Eins der Popcharts – vor Sting und Beyonce. Mit seinen extravaganten Brillen und Frisuren wirkt Możdżer inzwischen schon vom Auftreten her mehr wie ein Popstar als wie ein Jazzmusiker. Możdżer ist schlicht „ein Phänomen“, wie die Süddeutsche schreibt.

Dass auch in Deutschland und anderen Ländern das Interesse, ja die Bewunderung wächst und die Hallen größer werden – beim Auftakt zu „Jazz at Berlin Philharmonic“ war es zum Beispiel ein ausverkaufter Berliner Kammermusiksaal – liegt eindeutig an dem, was „Polska“ wieder eindrucksvoll vorexerziert: Możdżers einmalige Fähigkeit, das Leichte mit dem Schweren zu kombinieren.

Trotz atemberaubender Improvisationen oder stark kontrapunktischen und gegenläufigen Kompositionen bleibt seine Musik stets verständlich und eingängig. Możdżer hat ein Händchen für das Zusammenspiel von Rhythmik und Harmonik mit Melodien - kein Zufall, dass er in Polen viel für Theater und Film gearbeitet hat. Man höre nur das Titelstück des neuen Albums: Eine leicht chromatische, „slawische“ Bassfigur durchzieht das komplette Stück und bildet die Basis für schwebende, sich immer mehr verzweigende Linien und das hymnische, improvisatorisch variierte Thema. Alles ist da drin: Klassik, Jazz und Pop. Alles durchdrungen, sich befruchtend.

„Polska“ würde nicht klingen, wie es klingt, wäre es nicht im Trio mit dem schwedischen Bassisten Lars Danielsson und dem israelischen Perkussionisten und Sänger Zohar Fresco entstanden. Mit beiden hat Możdżer vor zehn Jahren Seelenverwandte gefunden: Bereits auf den beiden Danielsson-Alben „Pasodoble“ (im Duo) und „Tarantella“ manifestieren sich die Beiden als Traumpaar des intuitiven Zusammenspiels. Und Danielsson ist nicht nur einer der besten Jazz-Bassisten (und –Cellisten!) der Welt, er pflegt auch ähnliche kompositorische Vorlieben wie Możdżer, hier zu hören mit seinen Stücken „Africa“ und dem berührenden „Spirit“. Als Mitglied von „Bustan Abraham“, „Ziryab“ oder „Noah“ gehört Fresco zu den israelischen Pionieren, die in den Achtzigern begannen, östliche mit westlicher, arabische mit europäischer Musik zu verbinden. Hierzulande unbemerkt machten die Drei in Polen bereits zwei Alben, die (wie zuletzt „Komeda“) Doppel-Platin erreichten!

Mit „Polska“ kann man nun überall eines der interessantesten und ungewöhnlichsten Trios der Welt mit Leszek Możdżer als kreativem Mastermind entdecken. Eines, das mitreißen kann wie mit dem pulsierenden „KarMa Party“ oder schlicht verzaubern wie mit dem balladesken „Norgon“. Und das sich mithilfe des Polnischen Radio Sinfonieorchesters bei seiner Version von Jimi Hendrix‘ „Are You Experienced?“ auch auf das ganz große Finale versteht.

„Możdżers filigran schattierte Virtuosität ist faszinierendes Entertainment ohne Konkurrenz im gegenwärtigen Klavier-Handwerk“ (FAZ), wie „Polska“ abermals beweist.

  1. Chai Peimot
  2. She said She was a Painter
  3. Weeks/Shavout
  4. Yearning for a Nest
  5. Polska
  6. Africa
  7. KarMa Party
  8. Norgon
  9. Gsharim
  10. Spirit
  11. Are You Experienced?

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