Oded Tzur - My Prophet

Oded Tzur - My Prophet - Albumcover
Oded Tzur - My Prophet

Oded Tzur
My Prophet

Erscheinungstermin: 07.06.2024
Label: ECM, 2024

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jazz-fun`s recap:

"My Prophet" ist ein solides Stück Jazz - modern, aber auf den besten Vorbildern der Jazztradition aufgebaut. Mit diesem Album hat Oded Tzur seinen künstlerischen Weg gefestigt. Diese Musik strahlt ein großes Charisma und Vertrauen in jede gespielte Note aus. Sehr interessant komponierte Stücke und viel Raum für manchmal sogar tranceartige Soloparts, brillant und voll ausgewogener Virtuosität gespielt. Ein großartiges Album, wir sind begeistert! (Jacek Brun, 09.06.2024)

Oded Tzur - Tenor Saxophone
Nitai Hershkovits - Piano
Petros Klampanis - Double Bass
Cyrano Almeida - Drums

Das neue Album des Saxophonisten Oded Tzur schafft eine fein austarierte Balance der Gegensätze:
Impulsive Ausbrüche gehen Hand in Hand mit lyrischen, nachdenklichen und tief empfundenen Passagen. Im Quartett mit dem Pianisten Nitai Hershkovits, dem Bassisten Petros Klampanis und dem neuen Gruppenmitglied Cyrano Almeida am Schlagzeug setzt der Saxophonist seinen eigenwilligen musikalischen Weg fort - ein fließendes Jazzidiom, das verschiedene Ausdrucksformen nahtlos miteinander verbindet - und taucht dabei immer tiefer in die meditative und hochkonzentrierte Welt der Improvisation ein.

John Fordham vom britischen GUARDIAN beschrieb Tzurs Vorgängeralbum „Isabela" als „eine bezaubernde Session" und eine Lektion in der Kunst, „mit weniger mehr zu erreichen": „Seine Saxophontöne materialisieren sich unmerklich, und seine fragilen, akribisch geformten Noten scheinen in der stillen Luft zu schweben". In der Tat, der einzigartig weiche, flötenartige Ton des in New York lebenden Saxophonisten gleicht keinem seiner Zeitgenossen, und seine kompromisslose Entschlossenheit, sich seinen eigenen Weg durch die Welt des Jazz und der Improvisation zu bahnen, erreicht auf My Prophet eine ganz neue Reife.

Ein herausragendes Merkmal seit Bestehen des Quartetts ist das außergewöhnliche Zusammenspiel von Oded und Nitai. Hier bewegt sich Hershkovits mehr denn je frei innerhalb der Strukturen, die der Leader und seine Begleiter vorgeben, wechselt und kombiniert nahtlos Einflüsse aus Jazz, Klassik und anderen Inspirationen, wenn sich die Musik verdichtet. Die Zeitschrift Stereophile lobte die einzigartige Herangehensweise des Pianisten an sein Soloalbum: Wenn seine Gedanken und Gefühle fließen, stößt Hershkovits immer wieder auf ungewohnte Schönheiten". Das trifft auch hier zu. Oded hält das Zentrum und umreißt die kompositorische Saat, während Nitai sie in freien Figurationen umkreist.

"Freiheit in der Disziplin' ist die Philosophie, die ich meinen Songs zugrunde lege", erklärt Oded. "Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie die erste Exposition eines Themas ablaufen soll und wie es am Ende wieder aufgenommen wird. Aber was dazwischen passiert, wird nur durch unsere individuellen Stimmen im Quartett definiert und wie wir mit der Freiheit innerhalb der Form umgehen. Die Verbindung von Form und Freiheit ist für mich ein schöner Gedanke. Zwei so scheinbar unvereinbare Begriffe, die sich aber keineswegs widersprechen.

Die Verbindung von Form und Freiheit erzeugt eine positive Spannung, und davon gibt es auf dem Album reichlich. Nach der ruhig einleitenden Monophonie von "Epilogue" geht es mit "Child You" richtig los: Die Band zaubert ein enges Unisono, bevor Oded zu einem spiralförmigen, melodiösen Soloflug ansetzt. Der Nachfolger "Through a Land Unsown"* hingegen lenkt das Rampenlicht auf Bassist Petros Klampanis, dessen erdiger, bluesig angehauchter und ein breites dynamisches Spektrum abdeckender Ton die Führung übernimmt. Oded bestätigt: "Es gibt diese Spannung, die man braucht, wenn man mit Leuten zusammenarbeitet, die großartig sind in dem, was sie tun, wie meine Kollegen im Quartett und vor allem Nitai, der innerhalb der Strukturen und des Rahmens, den ich ihm gebe, an die entferntesten Orte vordringt. Es ist eine echte 'mehr als die Summe der Teile'-Situation, in der die einzigartige Stimme jedes Einzelnen im Klang der Gruppe kulminiert. Und dann ist da noch die besondere Beziehung zu Manfred im Studio, der ein einzigartiger Zuhörer ist und ebenfalls zu diesem Phänomen beiträgt. All diese Energien, die aus verschiedenen Blickwinkeln auf das Material einwirken, führen zu diesem einzigartigen Ergebnis, wie es auf dem Album zu hören ist".

Der Neuzugang Cyrano Almeida am Schlagzeug verleiht dem Ensemble eine weitere Energie, eine Leichtigkeit, die den Gesprächen zu viert Leben einhaucht. Aufgewachsen in der afro-brasilianischen Candomblé-Religion, war der Schlagzeuger schon früh einem sehr musikalischen Umfeld ausgesetzt. Als Oded ihn in einem Club im brasilianischen Belo Horizonte spielen hörte, war er "sofort fasziniert von diesem ganz anderen Puls, den er in die Musik bringt. Das wollte ich sofort in meiner Band haben.

Zuerst sanft wiegend, dann flink treibend, entfachen die Impulse des Schlagzeugers einige der lyrischsten Interaktionen des Quartetts auf "Renata", wobei sein Einsatz mit Besen winzige Blitze aufblitzen lässt. Die meditative Tendenz der Gruppe - Oded deutet an, dass "Musik vielleicht die einzig wahre Form kollektiver Meditation ist" - erreicht im Titelstück einen konzentrierten Höhepunkt. Hier beschwört der expressive Ton des Saxophonisten zusammen mit Nitais impressionistischem Tastenspiel jene stille Kraft herauf, die auch im spirituellen Jazz zu finden ist. Mit "Last Bike Ride In Paris" verabschiedet sich die Gruppe mit einem furiosen Glanzstück.

My Prophet wurde im November 2003 in den Studios von La Buissonne in Südfrankreich aufgenommen und von Manfred Eicher produziert.

Text: ECM

  1. Epilogue
  2. Child You
  3. Through A Land Unsown
  4. Renata
  5. My Prophet
  6. Last Bike Ride In Paris

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