Olivier Le Goas - Sunland

Olivier Le Goas - Sunland
Olivier Le Goas - Sunland

Olivier Le Goas
Sunland

Erscheinungstermin: 22.03.2024
Label: Double Moon, 2024

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jazz-fun`s recap:

Die große Stärke dieses Albums liegt nicht nur in den großartigen Kompositionen des Bandleaders und seiner unkonventionellen Bandführung, sondern auch im Zusammenspiel aller Musiker. Kristjan Randalu`s wunderbare Improvisationen, eingebettet in die rhythmischen Strudel des Komponisten, sorgen immer wieder für einen Spannungsbogen. Ein großartiges Album, wir sind begeistert!

Olivier le Goas - Drums
Lukas Traxel - Double bass
Kristjan Randalu - Piano

Der französische Schlagzeuger Olivier le Goas zählt zu den umtriebigsten Musikern seines Landes. Seit 35 Jahren unterhält er eigene Bands, parallel dazu spielte er mit dem Pianisten Bojan Zulfikarpasic, der Big Band des Pianisten Laurent Cogny, dem Bassisten Jean-François Jenny-Clark, den Pianisten Benoit Delbecq und Jean-Michel Pilc, den Trompetern Kenny Wheeler, Avishai Cohen und Charles Tolliver sowie dem Gitarristen Ben Monder. In seinen eigenen Bands tummelten sich so illustre Musiker wie John Abercrombie, Ralph Alessi, Drew Gress, Manu Codjia, Nir Felder, Kevin Hays, John Escreet und Larry Grenadier. Jetzt stellt er auf „Sunland“ ein neues Trio vor, zu dem der Bassist Lukas Traxel und der Pianist Kristjan Randalu gehören.

„Das Album hätte eigentlich schon vor Jahren aufgenommen werden sollen, aber die Corona-Pandemie hat uns zurückgeworfen“, seufzt le Goas. Im Mai 2023 gingen die drei Musiker schließlich in die legendären Bauer Studios in Ludwigsburg, um zwölf Songs aufzunehmen, die der Schlagzeuger extra für diese Besetzung geschrieben hat. Dabei spielen vertrackte Metren („Good to be Back, „Life on Mars/Book of Dreams“, „Mirage“) eine genauso wichtige Rolle wie von Folk Songs inspirierte Nummern („E. Song“, „Key Song“) und multithematische Songs („A Song in a Song“, „Morning Light“, „Cross the Undangered Species“).

„Der ‚Key Song‘ ist von Keith Jarretts folksy compositions inspiriert worden“, erläutert le Goas. „Beide Melodien funktionieren wie Frage und Antwort. Diese Struktur erlaubt einen sehr zentrierten Sound, bei dem das Klaviersolo wiederum einen ganz anderen Eindruck vermittelt.“ Der estnische Pianist Kristjan Randalu - Preisträger des Solo-Piano-Wettbewerbs des Montreux Jazz Festivals 2002 - weiß eine solche Chance natürlich zu nutzen.

„Residual Time“ nutzt Prinzipien von Arnold Schönberg, um ein fließendes Thema entstehen zu lassen, in dem die Melodie und der Bass auf einander reagieren. „Während meiner Zeit in New York vor zwanzig Jahren war ich ein regelmäßiger Gast der New York Public Library“, erzählt le Goas. „Dort entdeckte ich Arnold Schönbergs beispiellose ‚Strukturelle Funktionen der Harmonie‘. Im zweiten Kapitel ‚Prinzipien der Harmonie‘ geht es vornehmlich um Fortschreitungen im Bass. Die Idee, die Basslinie aus der Begleitfunktion zu lösen und eine zweite Melodie für den Bass zu komponieren, war wie eine Erleuchtung für mich.“

Manchmal trifft die Inspiration den Schlagzeuger aber auch wie aus dem Nichts. „Eines Morgens wachte ich mit einer Melodie im Kopf auf“, erinnert er sich. „Daraus ist ‚Surface‘ mit seinen vielen Reharmonisierungen entstanden. Ähnlich wie Pat Methenys ‚Lakes‘ schrieb ich das Stück wie eine Übung, in der das melodische Motiv immer wieder verändert wird, sowohl was seine Länge als auch die Tonart angeht. Mein Ziel war es, ein Stück zu komponieren, das von Anfang bis Ende über eine gewisse Frische verfügt.“

Der muntere und rhythmisch äußerst trickreiche Opener „Good to be Back“ geht dagegen auf ein klassisches Motiv zurück. „Der Song wurde direkt vom ersten Satz von Vivaldis ‚Konzert für zwei Violinen in a-moll‘ inspiriert“, sagt le Goas. „Das Konzert steckt voller Energie. Mein Thema erstreckt sich über eine Folge von komplexen Metren, darunter ein 21/8-Takt, während der Bass seiner eigenen rhythmischen Linie, die sich ebenfalls ständig ändert, folgt.“

So könnte Olivier le Goas über jeden Song referieren - und tut das in den Liner Notes des Albums auch -, das Schöne an der Musik seines Trios ist aber, dass man sie auch ohne jegliche Erklärungen genießen kann. Die Vitalität der drei Musiker - Lukas Traxel war bislang vornehmlich im Trio der Pianistin Marie Krüttli zu hören, hat aber im letzten Jahr auch sein erstes eigenes Album mit Otis Sandsjö und Moritz Baumgärtner aufgenommen - macht „Sunland“ nicht nur zu einer sonnigen Angelegenheit, sondern macht die Dreierbande zu einem Trio der europäischen Sonderklasse.

Text: Double Moon

  1. Good to be back (vivaldi.21)
  2. Morning light
  3. E. song
  4. Cross the undangered spaces (us)
  5. Sunland
  6. Surface
  7. Song in a song
  8. Mirage
  9. Life on mars / book of dreams
  10. Residual time
  11. Survivor's song
  12. Key song

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