Openthebox Trio feat. Kit Downes - Unperfect Buildings

Openthebox Trio feat. Kit Downes - Unperfect Buildings
Openthebox Trio feat. Kit Downes - Unperfect Buildings

Openthebox Trio feat. Kit Downes
Unperfect Buildings

Erscheinungstermin: 22.09.2023
Label: Double Moon, 2022

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jazz-fun`s recap:

Etwas vom "ECM-Sound" ist hier zu spüren, ein Eindruck, der sich vom ersten Ton dieses ungewöhnlichen Albums an einstellt. Die Musik ist atmosphärisch, schwer einzuordnen, oft modal, melancholisch und irgendwie undefiniert. Sie strahlt Ruhe und Sanftheit aus. Ich denke, das neueste Werk dieses Trios wird viele Hörer in seinen Bann ziehen, wie es auch bei mir der Fall war.

Andreas Dombert - guitar
Axel Kühn - double bass
Christian Krischkowsky - drums
Kit Downes - Hammond organ

Ein Gitarren-Trio, das von seinem Schlagzeuger geleitet wird, ist eine rare Angelegenheit.

So etwas liebt Christian Krischkowsky, der 2005 mit einem Quintett und dem Album „TS Bremen“ hier auf Double Moon Records debütierte. Ein späteres Album in Quartettstärke wurde 2016 für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominiert. Da war es eigentlich fast logisch, dass er nun ein Trio gründet. Ihm zur Seite stehen der Gitarrist Andreas Dombert, der mit „Urban Jazz“ ebenfalls auf Double Moon debütierte und der von hart (Panzerballett) bis zart (Duo mit Chris Gall) schon vieles gespielt hat, und der Bassist Axel Kühn, Betreiber eines Trios, aber auch seines Kühntetts, mit erdigen und doch feinsinnigen Melodien.

„Ich mag diesen harten Gitarren-Trio-Sound“, gesteht Krischkowsky. „An Axel gefällt mir sein rhythmisch klares Spiel, außerdem ist er sehr aufgeschlossen. Und das Trio von Andreas hat mir gefallen, weil er so viele Elemente in seinem Spiel vereint - außerdem ist er wahnsinnig virtuos.“ Zusammen sind die Drei das Openthebox-Trio und welche Kiste da geöffnet wird, lässt sich vermeintlich erahnen, wenn man sich die Songtitel anschaut: „Franz- Josef-Land“ und „Helmut“ lassen auf eine intensive Beschäftigung mit dem Bundestagswahlkampf 1980 schließen, als Franz-Josef Strauß und Helmut Schmidt gegeneinander antraten - aber weit gefehlt.

Das „Franz-Josef-Land“ ist eine Inselgruppe im Nordpolarmeer und „Helmut“ bezieht sich auf Helmut Dietl. Den leider längst verstorbenen Meister-Regisseur und vor allem dessen Fernsehserie „Monaco Franze“ verehrt Krischkowsky als gebürtiger Münchner über alle Maßen. „Der erste Tonabstand in meinem Stück bezieht sich tatsächlich auf die Titelmelodie von ‚Monaco Franze’“, schmunzelt Krischkowsky. „Ich denke, wer die Melodie im Ohr hat, merkt das auch.“ Bei „Please, Hold the Line, Thelonious!“ dagegen vermutet man richtig, der Song - alle neun Songs des Albums hat Krischkowsky geschrieben - bezieht sich natürlich auf die Jazzlegende Thelonious Monk.

„Ich war in einer Warteschleife am Telefon und musste irgendwelche Tasten drücken, nur, um dann doch aus dem Programm rauszufliegen“, erzählt Krischkowsky. „Ich finde, das ist ein Zeichen unserer Zeit, dass einem oft der Ansprechpartner fehlt und ich habe mir vorgestellt, wie Thelonious Monk wohl auf eine solche Zumutung reagiert hätte - vermutlich hätte er aufgelegt.“ Auf diesem und drei weiteren Songs - „Bird on a Cherry Tree“, „Strange Night in Paris“ und der Titeltrack - wird das Trio zum Quartett, wenn der britische Keyboader Kit Downes, seines Zeichens „ECM recording artist“, an der Hammondorgel ins musikalische Geschehen eingreift.

Nicht nur bei „Please, Hold the Line, Thelonious!“, dem letzten Song von „Unperfect Buildings“, wird deutlich, dass das Openthebox-Trio sich durchaus der Jazztradition verbunden fühlt, aber natürlich auch neue musikalische Welten erobern will. Die organischen Klanglandschaften der Dreier- und Viererbande fühlen sich altbekannt und doch neu an. Krischkowskys vielfältige Rhythmen verbinden sich aufs Schönste mit Domberts Gitarrenklängen, die dieser völlig ohne Effektgeräte kreiert hat, und den subtilen Basslinien Kühns. Für zusätzliches atmosphärisches Flair sorgt Downes mit seinen merkwürdigen Orgelklängen, die so gar nichts mit der traditionellen Soul-Jazz-Orgel eines Jimmy Smith oder Jimmy McGriff zu tun haben. Und manchmal klingt das Trio, das sich hauptsächlich als kammermusikalisches Ensemble versteht, auch kantig und eigenwillig.

Text: Double Moon

  1. Dolphins near Venice
  2. Unperfect buildings
  3. Bird on a cherry tree
  4. Rot in Blau
  5. Strange night in Paris
  6. Un giorno
  7. Franz-Josef-Land
  8. Helmut
  9. Please, hold the line, Thelonious!

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