Rezension des Albums "Always. Never and Forever" von Oregon
Oregon
Always. Never and Foreve
Erscheinungstermin: 10.07.2026
Label: Intuition, 2026
Manche Alben begleiten uns ein Leben lang – weil sie sich mit jedem Hören weiter entfalten
Es gibt Alben, die man über Jahre immer wieder hört und die dennoch nichts von ihrer Faszination verlieren. Always. Never and Forever von OREGON gehört zu diesen seltenen Aufnahmen. Jede Rückkehr zu dieser Musik eröffnet neue Details, neue Klangfarben und neue Facetten eines Ensembles, das seinen ganz eigenen Platz in der Geschichte des Jazz geschaffen hat.
Als das Album 1991 entstand, hatte die Band bereits einen tiefen Einschnitt erlebt. Nach dem tragischen Tod des Perkussionisten Collin Walcott schien die Zukunft von OREGON zunächst ungewiss. Erst die Begegnung mit Trilok Gurtu, der Walcott bereits selbst als möglichen Nachfolger ins Spiel gebracht hatte, brachte neue Energie in das Ensemble. Gemeinsam mit Ralph Towner, Paul McCandless und Glen Moore entwickelte sich eine musikalische Konstellation, die zu den kreativsten Phasen der Bandgeschichte zählen sollte.
Always. Never and Forever dokumentiert diese außergewöhnliche Besetzung auf ihrem künstlerischen Höhepunkt. Die Musik lebt von einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit, mit der Jazz, klassische Einflüsse, improvisierte Kammermusik und Klangfarben unterschiedlichster Kulturen miteinander verschmelzen. Nichts wirkt konstruiert oder programmatisch. Die verschiedenen musikalischen Welten begegnen sich organisch und bilden eine Sprache, die bis heute unverwechselbar geblieben ist.
Gerade darin liegt die besondere Qualität dieses Albums. OREGON waren ihrer Zeit nie deshalb voraus, weil sie Trends vorwegnahmen. Sie folgten konsequent ihrer eigenen musikalischen Vorstellung. Während viele Produktionen der damaligen Zeit heute untrennbar mit ihrer Epoche verbunden sind, besitzt Always. Never and Forever eine erstaunliche Zeitlosigkeit. Die Kompositionen wirken auch Jahrzehnte später frisch, offen und voller Entdeckungen.
Jeder Musiker trägt entscheidend zu diesem Gesamteindruck bei. Ralph Towners unverwechselbare Gitarren- und Pianoklänge verleihen der Musik lyrische Tiefe, Paul McCandless bereichert sie mit seinem charakteristischen Holzbläserspiel, Glen Moore sorgt mit seinem melodischen Bassspiel für ein stabiles Fundament, und Trilok Gurtu erweitert den Klangkosmos mit rhythmischer Fantasie und einer ansteckenden Spielfreude. Aus vier starken Persönlichkeiten entsteht ein Ensemble, das weniger wie eine Band als wie ein gemeinsamer musikalischer Organismus wirkt.
Die jetzt remasterte Vinyl-Ausgabe macht erneut deutlich, weshalb dieses Album bis heute als eine der stärksten Veröffentlichungen von OREGON gilt. Sie erinnert zugleich an Ralph Towner, dessen musikalisches Vermächtnis weit über dieses Album hinausreicht und Generationen von Musikerinnen und Musikern beeinflusst hat.
Always. Never and Forever ist weit mehr als ein bedeutendes Kapitel der Jazzgeschichte. Es ist ein Album, das auch heute noch dieselbe Kraft besitzt wie bei seinem Erscheinen. Wer sich auf diese Musik einlässt, wird schnell verstehen, warum man immer wieder zu ihr zurückkehrt – nicht aus Nostalgie, sondern weil sie mit jeder Begegnung aufs Neue lebendig wird.
(Jacek Brun, 26.07.2026)
Titelliste
- Beppo
- Balahto
- Renewal
- Oleander
- When The Fire Burns Low
- Rapid Transit
- Aurora
- Guitarra Picante
- Always, Never, And Forever
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