Petros Klampanis - Latent Info

Petros Klampanis - Latent Info - Albumcover
Petros Klampanis - Latent Info

Petros Klampanis
Latent Info

Erscheinungstermin: 14.02.2025
Label: enja, 2025

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jazz-fun`s recap:

Was an dieser Musik sofort fasziniert, ist ihre Zartheit - sie erreicht uns wie eine sanfte, warme Sommerbrise. Kristjan Randalus Klavierspiel erinnert stellenweise an sanfte Tropfen, die auf eine Wasseroberfläche fallen. Alles klingt hier klar, rein, mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail gespielt - bis hin zum feinsten musikalischen Moment. Die Qualität der Kompositionen braucht kaum noch erwähnt zu werden: Sie faszinieren auf der ganzen Linie. Ein großartiges Album - wir sind begeistert! (Jacek Brun, 02.05.2025)

Besetzung

Kristjan Randalu - piano
Petros Klampanis - bass, electronics
Ziv Ravitz - drums

Über das Jazz Album "Latent Info" von Petros Klampanis

Am Anfang: das Wort. Eine Kinderstimme. Der Rest: ohne Worte. Musik. Instrumentale Musik. Ist sie wirklich „wortlos“? Schließlich sprechen wir immer wieder von ihr als nonverbaler Kommunikation. Von „Storytelling“, von Musikerinnen und Musikern, die ohne eine einzige Textzeile Geschichten erzählen. Davon, dass sie mit ihrem vermeintlich sprachlosen Medium zu uns sprechen, ja, dass die Musik selbst direkt zu uns spricht, uns anspricht. Und immer wieder attestieren wir der Musik, eine Sprache zu sein. Ein Idiom mit eigener Syntax, Grammatik, Sprachmelodie und eigenem Wortschatz. Nüchterner formuliert: ein Informationsträger. Oder mit poetischem Überschwang: the language of the unspoken, die Sprache des Unausgesprochenen. Und vielleicht auch des Unaussprechlichen ...

„Petros Klampanis is a musician who has always spoken from the heart. “Wenn ein Journalist des amerikanischen Fachmagazins DownBeat dem Bassisten bescheinigt, dass seine Musik immer von Herzen komme und er mit dem Herzen spreche, dann ist das alles andere als ein kitschig-süßliches Poesiealbum (auch wenn es so klingen mag). Und wer den Griechen persönlich trifft und ihn (mit Worten) über Musik sprechen hört, kann das nur bestätigen: Sie liegt ihm nicht nur am Herzen, sie ist ihm eine reine Herzensangelegenheit.

Das Unausgesprochene und Unaussprechliche in Worte zu fassen, ist nicht nur ein Urmotiv und eine Herausforderung für den (Musik-)Journalismus. Es ist ein urmenschliches Bedürfnis. Lust und Frust zugleich: Denn so sehr das Ringen um die vermeintlich „passenden“ oder gar „treffenden“ Worte Spaß machen kann - vor allem, wenn es von Erfolg gekrönt ist -, so sehr stößt dieses leidenschaftliche Bemühen immer wieder an seine Grenzen. Und das ist gut so.

Denn gerade darin zeigt sich eine Urkraft der Musik. Sie kann Sprachrohr des Inneren sein und das Innere nach außen tragen. Verborgenes, einmal Klang geworden, wird so für andere wenn nicht sichtbar, so doch hörbar. Wo Worte versagen oder schlicht fehlen, entfaltet Musik ihre ganze Ausdruckskraft. Ein einziger Ton kann manchmal mehr transportieren als manch klug formulierter Satz. Das kann auch ein nicht gespielter Ton. Gerade die Pause gehört zu den rhetorisch ausdrucksstärksten Mitteln der Musik. Wenn in einem Text etwas unausgesprochen bleibt, aber ein Subtext mitschwingt, spricht man vom „Lesen zwischen den Zeilen“. Und Zwischentöne gehören zu den ausdrucksstärksten Elementen der Tonkunst Musik.

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Ein Foto: Petros Klampanis im Vordergrund, im Hintergrund das weite Meer. „Die Griechen lieben das Meer. Ich bin auf Zakynthos aufgewachsen. Nicht alles, aber vieles in unserem Leben ist vom Meer geprägt. Wie sehr, das ist schwer in Worte zu fassen, aber das Meer definiert definitiv unsere Wirklichkeit.“

Dass seine Musik immer wieder den Eindruck des Fließenden vermittelt, ist nur ein Beleg für den Einfluss des Elements Wasser. Er zeigt sich auch in der Weite der offenen Klangräume. Der Blick auf das Meer, den Horizont und den Himmel lässt in uns ein geradezu heilsames Gefühl von Unendlichkeit und Ruhe entstehen, das angesichts unserer täglichen Überflutung mit Millionen von Daten, Informationen und Eindrücken umso kostbarer wird. Klampanis ist sich dessen nur allzu bewusst und vermeidet das, was ein großer Raum mit viel Platz so verlockend bietet - ihn zu füllen. Der israelische Saxofonist Oded Tzur, in dessen Band der Bassist seit vielen Jahren spielt, bringt Klampanis‘ Sinn für kreative Ökonomie auf den Punkt: „Petros füllt den Raum nie mit unnützen Worten. Und so spielt er auch den Bass.

Weniger ist mehr. Keine Spur von musikalischer Langsamkeit, im Gegenteil. Dass weniger mehr sein kann, wissen und beherzigen auch seine Kollegen. Kristjan Randalu, ein Virtuose, der sich schon mal zu rauschhaften Höhenflügen aufschwingen kann, zeigt, dass auch der nicht gespielte Ton die Musik macht. „Manchmal genügt es, einen einzigen Ton zu spielen - und die Welt öffnet sich! Jeder Ton hat eine Bedeutung, ist wichtig, hat Gewicht.“ Auch Klampanis, dessen Sinn für das Melodische der Musik etwas Vokales verleiht, schätzt diese Eigenschaft seines Pianisten: „Ich habe noch nie jemanden gehört, der das Klavier so zum Singen bringt.“

Zufall oder nicht: Randalu, im estnischen Tallinn geboren und nach Jahren im Ausland dorthin zurückgekehrt, ist zwar kein Seemann, aber ein Mann des Meeres: „Ich habe erkannt: Ich bin eigentlich ein Meer - Mensch, ich brauche diese Weite, diese Offenheit, diesen Horizont.“

Ziv Ravitz, in Beʾ er Scheva geboren und einige Zeit in Tel Aviv aktiv, lebt seit 2000 in der Stadt, die nie schläft und die auch Klampanis und Randalu nur allzu vertraut ist: New York. Hier trifft der Bassist, der bis heute zwischen Griechenland und dem Big Apple pendelt, auf den Schlagzeuger, bei dem jeder Schlag, jeder Akzent wie komponiert sitzt. Sein Spiel atmet, führt uns vor Augen, dass Musik Zeit ist - Kunst, die sich in der Zeit entfaltet. Klampanis spürt schon beim ersten gemeinsamen Spiel eine stimmige Chemie: „Es ist, als ob sich Gleichgesinnte einfach treffen, ja, irgendwann treffen müssen. Die erstaunlich große israelische Jazz-Community in New York ist eine unglaublich kreative Kraft und hat mich regelrecht angezogen. Zuerst traf ich Gilad Hekselman, dann Musiker wie Jonathan Silverstein, Shai Ma estro, Oded Tzur und Ziv Ravitz. Mit ihnen zu spielen ist, als wären sie meine Familie fern der Heimat“.

Und Klampanis, Randalu und Ravitz sind der klingende Beweis dafür, dass jahrelange New-York-Erfahrung, ein Leben in dieser brodelnden Metropole mit ihrem schnellen Puls nicht zwangsläufig in hochenergetisches Powerplay münden muss. Im Gegenteil: Auch und gerade der lärmende Buzz einer Großstadt kann sich als Biotop für stille Poesie erweisen ...

Petros Klampanis hat in seinen Kollegen Gleichgesinnte gefunden. Nicht von ungefähr greift er für Latent Info auf Musiker zurück, die bereits auf dem Vorgängeralbum Tora Collective genau das umgesetzt haben, worum es ihm geht: Musik zu schaffen, die die Sinne anspricht und gegen die allgemeine Abstumpfung wirkt, die innere Schale aufbricht. Eine Musik, die die Phantasie anregt und Filme vor dem inneren Auge entstehen lässt. Die uns mit all ihren Nuancen die große Wirkung kleinster Ausdrucksmittel spüren lässt (wie z.B. den kaum wahrnehmbaren und doch so wirkungsvollen Einsatz von Elektronik). Musik, die uns mit ambivalenten Stimmungen, in denen sich mehrere Gefühlszustände überlagern und miteinander verschmelzen, den Reichtum eines feinen, differenzierten Sensoriums erfahren lässt. Und in „When I Know the Answer“ das vermittelt, was in diesen Zeiten mehr denn je vonnöten ist - ein Stück Hoffnung. Vor allem aber eine Musik, die Schönheit feiert. Im Großen wie im Kleinen.

Die Schönheit des Augenblicks, der sich wie eine kleine Ewigkeit anfühlen kann, die Magie eines kleinen Zeitfensters, des Übergangs von der Nacht zum Tag. „Day Breaks“ mit dem Trompeter Andreas Polyzogopoulos zelebriert einen Moment des Innehaltens und der Demut.

Billy Strayhorn schrieb einmal über den Titel seiner Ballade „Halfway to Dawn“: „Ich denke, alles sollte kurz vor der Morgendämmerung geschehen. Dann sollten die Herrscher zusammenkommen. Alle würden sich verlieben.“

Text: Karsten Mützelfeldt / enja

Titelliste

  1. Over The Calypsó Deep
  2. Latent Info
  3. Stenah Ria
  4. Menérbes
  5. When I Know The Answer
  6. Falling Grace
  7. Day Breaks
  8. Disoriented

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