Rezension des Albums "Komeda’s Songs Without Words" von Piotr Schmidt
Piotr Schmidt
Komeda’s Songs Without Words
Erscheinungstermin: 14.08.2026
Label: o-tone music, 2026
Komeda, mit anderen Worten
Manche Musik braucht keine Worte, um Geschichten zu erzählen. Und manche Kompositionen besitzen eine so starke innere Kraft, dass sie Jahrzehnte später immer wieder neue Geschichten hervorbringen. Die Musik von Krzysztof Komeda gehört zweifellos dazu. Auf „Komeda’s Songs Without Words” nähert sich Piotr Schmidt diesem Erbe mit Respekt, aber ohne Ehrfurcht, die den Blick zurück erstarren ließe.
Der polnische Trompeter sucht nicht nach einer weiteren, möglichst originalgetreuen Interpretation bekannter Komeda-Themen. Vielmehr interessiert ihn, was heute aus diesen Melodien entstehen kann. Die romantische, bisweilen melancholische Grundstimmung des großen polnischen Komponisten bleibt dabei spürbar und wird zum Ausgangspunkt für eine eigene, zeitgenössische musikalische Erzählung.
Dass das Album live aufgenommen wurde, erweist sich dabei als großer Vorteil. Die Musik besitzt Unmittelbarkeit, reagiert auf den Augenblick und lebt von spontanen Entscheidungen. Die bekannten Motive dienen als Orientierungspunkte, um die herum sich Improvisationen entwickeln können. So entsteht keine nostalgische Rückschau, sondern Musik der Gegenwart.
Schmidt hat dafür eine außergewöhnliche Besetzung zusammengestellt. Grzech Piotrowski am Saxofon, Paweł Tomaszewski am Klavier, Michał Barański am Kontrabass und Sebastian Kuchczyński am Schlagzeug gehören zu den profiliertesten Stimmen des polnischen Jazz. Mit Mino Cinelu kommt ein Musiker hinzu, dessen Erfahrung von Miles Davis und Weather Report bis Herbie Hancock reicht und der dem Ensemble mit seinem unverwechselbaren Perkussionsspiel zusätzliche Farben verleiht.
Die eigentliche Stärke liegt jedoch im Zusammenspiel. Jeder Musiker darf seine Persönlichkeit einbringen. Während Trompete und Saxofon weit gespannte Linien entwickeln, öffnet das Klavier harmonische Räume. Bass, Schlagzeug und Perkussion formen einen beweglichen rhythmischen Untergrund. So entstehen immer wieder hervorragende Soli, ohne dass der Zusammenhang der Kompositionen verloren geht.
Gerade darin zeigt sich die Zeitlosigkeit von Komedas Musik. Sie verlangt nicht danach, unverändert bewahrt zu werden. Sie besitzt genügend Substanz, um von jeder Generation neu interpretiert zu werden.
„Komeda’s Songs Without Words” ist deshalb weniger eine Reise zurück zu Krzysztof Komeda als eine Reise, die von ihm ausgeht. Piotr Schmidt und seine Mitmusiker zeigen, dass man einem großen Vorbild vielleicht gerade dann am nächsten kommt, wenn man den Mut besitzt, den eigenen Weg weiterzugehen.
(Jacek Brun, 15.08.2026)
Besetzung
Piotr Schmidt – Trompete
Grzech Piotrowski – Saxophon
Mino Cinelu – Perkussion
Paweł Tomaszewski – Klavier
Michał Barański – Kontrabass
Sebastian Kuchczyński – Schlagzeug
Titelliste
- Z Ręką Na Gardle
- Filiżanka Kawy
- Szara Kolęda
- One Hundred Years
- Le Départ
- Ja Nie Chcę Spać
- Nim Wstanie Dzień
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