Simin Tander - The Wind

Simin Tander - The Wind - Albumcover
Simin Tander - The Wind

Simin Tander
The Wind

Erscheinungstermin: 21.03.2025
Label: Jazzland, 2024

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jazz-fun`s recap:

Faszinierende, flüchtige Klänge, interessante Entwicklungen in den folgenden Liedern. Simin Tander konzentriert sich in ihrer Musik definitiv auf die Stimmung. Es gibt auch eine intellektuelle Ebene, die sowohl in den Texten als auch in der Musik zum Ausdruck kommt. Ein wunderschönes Album, das mit seinen vielschichtigen Klängen fesselt und zum aufmerksamen Hinhören einlädt. (Jacek Brun, 23.03.2025)

Besetzung

Simin Tander - Gesang, Komposition
Harpreet Bansal - Violine
Björn Meyer - Sechssaitiger E-Bass & Effekte
Samuel Rohrer - Schlagzeug, Percussion & Elektronik

Über das Jazz Album "The Win" von Simin Tander

Die in Köln geborene, international agierende Sängerin und Komponistin Simin Tander erhielt für ihr ECM-Album mit dem Pianisten Tord Gustavsen bereits 2016 den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik - und wurde jüngst für den Deutschen Jazzpreis 2024 in der Kategorie „Vocal“ nominiert. Kein Wunder: Ihr ausdrucksstarkes, zugleich zartes und kraftvolles Timbre berührt das Publikum mit großer emotionaler Intensität.

Auf Tanders neuem Album The Wind, das in Kürze auf dem norwegischen Nu Jazz-Label Jazzland Recordings erscheint, fasziniert sie zusammen mit dem schwedischen Bassisten Björn Meyer, dem Schweizer Schlagzeuger Samuel Rohrer und der in Oslo lebenden indischstämmigen Geigerin Harpreet Bansal. Gemeinsam erschafft das Quartett mit "Nicht-vondieser-Welt-Klängen" einen weltumspannenden Klangkosmos, in dem sich Tander aufgrund der afghanischen Herkunft ihres Vaters und dem damit verbundenen "Halb-Halb-Sein" zu Hause fühlt.

Ihre klangliche Vision von The Wind hat Simin Tander in Nordamerika mit dem zweifach Grammy-nominierten Joshua Valleau entwickelt, der das Album in New York gemischt hat. Grammy-Preisträger Daddy Key sorgte schließlich in L.A. für das Mastering und den letzten Feinschliff. Die unterschiedlichen musikalischen Ursprünge und Sprachen der Songs, die Einflüsse aus der Folklore und Poesie vor allem Afghanistans, aber auch Spaniens, Italiens, Englands und Norwegens nutzen, finden ihre symbolische Entsprechung im Titel The Wind. Dieser verkörpert für die Künstlerin das Element der Vereinigung von Gegensätzen - schließlich weist das luftige Element von der zarten Brise bis zum Gewittersturm die unterschiedlichsten Facetten auf und bleibt doch immer: Wind.

Wind steht auch für Veränderung und Freiheit, und das gilt auch für das Album selbst: Einerseits setzt Tander mit Interpretationen in Paschtu/Afghaani und englischsprachigen Eigenkompositionen auf eine selbstverständliche Fortführung ihres bisherigen Schaffens, andererseits geht sie als Ausdruck einer neuen inneren Freiheit deutlich darüber hinaus. So ist ihr mit The Wind ein ungewöhnlich kontrastreiches Album mit starker Dynamik gelungen, mal zart fließend, mal energisch, oft tanzbar und immer hoch spirituell. Alle Songs des Albums sind trotz ihrer unterschiedlichen Wurzeln durch die Themen Hingabe und Sehnsucht miteinander verbunden und erkunden neben den tiefdunklen auch die lichteren Sphären - und das in all ihren Spektren, von leichtfüßig bis zupackend.

Die zwölf neuen Stücke bestechen nicht nur durch Tanders bewegenden Gesang, der die Hörer:innen durch die verschiedenen Stationen des Albums trägt und dabei mühelos von dunkelzart über sinnlich-verspielt bis energisch-forsch moduliert, ohne je seinen „unverwechselbaren Ton“ (DIE ZEIT) zu verlieren. Dazu gehören auch Meyers tief pulsierende, partiell präparierte Grundierungen und sphärische Klanglandschaften, Rohrers unschlagbares Gespür für betörende Grooves und Klangfarben sowie Bansals im Raga verwurzelte, ins Unendliche ausgreifende Phrasierungen.

Schon der mystische, paschtusprachige Opener „Meena“ schafft eine Weite, die das Album für alle folgenden Stücke öffnet. Da ist zum Beispiel die zwischen Wachen und Träumen flirrende Eigenkomposition „Woken Dream“, die durch den Kontrast von mehrstimmigem Sirenengesang und treibendem Groove den Hörer direkt in die verschiedenen Aggregatzustände des erwachenden Körpers eintauchen lässt. Oder der hundertzwanzig Jahre alte neapolitanische Hit „I Te Vurria Vasà“, der in Tanders Interpretation statt auf volle Melodramatik ganz auf subtile Reduktion setzt, während die Eigenkomposition „The Wind Within Her“ den Glauben an Licht und Erlösung selbst in der dunkelsten Stunde feiert.

Stücke wie „Nursling of the Sky“, das auf einem Gedicht des englischen Romantikers Percy Bysshe Shelley basiert, oder „My Weary Heart“, das auf dem norwegischen Traditional „Jesus, gjør meg stille“ basiert, geben dem Plattenhörer:innen erstmals einen auf Album gebannten Vorgeschmack auf die flammende Live-Energie, die Tanders Konzertbesucher:innen vom ersten Ton an packt und bis zum Konzertende nicht mehr loslässt. Neu ist auch Rohrers während des Schlagzeugspiels getriggerte Elektronik, die ausgewählten Stücken einen subtil schimmernden Twist der Andersartigkeit verleiht und etwa auf „Interlude“ ein fernes Echo des neapolitanischen „I Te Vurria Vasà“ erzeugt.

Ein kleines, hoffnungsvolles „Landen“, wie Tander es nennt, schafft mit „Outro - The Wind“ den energetischen Kreisschluss eines geradezu magischen Songbooks, das sich die Freiheit nimmt, Tanders persönlichen musikalischen Vorlieben jenseits aller Genre- und Ländergrenzen Raum zu geben. Oder besser: das erst dadurch zum perfekten Gesamtkunstwerk wird, dass sich Stücke unterschiedlichster Traditionen gegenseitig zum Leuchten bringen. „Ich bin der Wind“, singt Tander schließlich, mit einer Intensität, die berührt. Es bleibt das Bild des ewigen Windes, der durch die Zeiten und Kulturen weht und sie untrennbar miteinander zu verbinden vermag.

Text: Jazzland

Titelliste

  1. Meena
  2. Woken Dream
  3. I Te Vurria Vasà
  4. The Wind Within Her
  5. Janana Sta Yama
  6. Ay Linda Amiga
  7. Nursling of the Sky
  8. Jongarra
  9. Interlude - I Te Vurria Vasà Glow
  10. Side Caught
  11. My Weary Heart
  12. Outro - the Wind

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