Thomas Rückert Trio - For All We Know

Thomas Rückert Trio - For All We Know - Albumcover
Thomas Rückert Trio - For All We Know

Thomas Rückert Trio
For All We Know

Erscheinungstermin: 25.04.2025
Label: Double Moon Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Ein klassisches Jazzpiano-Trio, das Standards spielt, könnte leicht ein Achselzucken hervorrufen – doch wenn es um das Trio von Thomas Rückert geht, ist alles anders. Wir kennen diese drei Musiker, und sie haben uns schon immer mit ihren außergewöhnlichen Ideen in Sachen Interpretation, Arrangement und Improvisation überrascht. Auch diesmal ist es genau so, wie wir es erwarten – oder besser gesagt: so, wie es niemand erwarten würde. Diese Versionen altbekannter Stücke überraschen durch ihre Frische, Tiefe und Spielfreude. Hier fehlt alles – außer Monotonie. Was man auf diesem Album vor allem spürt, ist die große Lust am Musizieren und die Liebe zu jener großen Musik, mit der ganze Generationen von Jazzliebhabern aufgewachsen sind. So klingt Jazz – Hut ab! (Jacek Brun, 03.05.2025)

Besetzung

Thomas Ruckert - Piano
Reza Askari - Double bass
Fabian Arends - Drums

Jenseits der Routine: Thomas Rückert Trio haucht Jazzstandards neues Leben ein

Ein Piano-Trio, das Standards spielt, auch die allgegenwärtigen wie „Stella By Starlight“ und „Body and Soul“: ein Fall von ehrenwerter Jazz-Basisarbeit? Von wegen. „Wir machen schon schräge Sachen“, meint Pianist Thomas Rückert. Schräg, weil völlig losgelöst von den gängigen Konventionen der Standardinterpretation. „Eine meiner Lieblingsdisziplinen ist es, über Standards neue Räume zu schaffen, zu assoziieren, zu fantasieren - ohne in der klassischen Form zu bleiben, sondern immer mit Bezug zum Song, zu seinem Spirit, auch zum Text.“

„For All We Know“ ist das reine Dokument eines magischen Konzertabends im Kölner Loft - ohne Schnitte, ohne nachträgliches Aufhübschen. Am Ende gab es Standing Ovations. „Das ist schon krass. Unsere Musik scheint etwas mit den Leuten gemacht zu haben“, freut sich der Frontmann. Dankbar betont Rückert, wie wichtig ihm das sei, wie viel ihm das bedeute. Dabei hatte es außer der Setlist keine Proben gegeben. Mehr noch: Die drei hatten lange nicht mehr zusammen gespielt. Ein Paradebeispiel für die besonderen Qualitäten, die aus langer Vertrautheit und einer gemeinsamen Vision erwachsen.

Trio-Besetzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das bisherige Schaffen von Thomas Rückert. Seit Anfang der 2000er Jahre produziert der Wahlkölner Alben. Die aktuelle Konstellation mit dem Bassisten Reza Askari und dem Schlagzeuger Fabian Arends, beide ebenfalls aus Köln und beide deutlich jünger, besteht seit 2011. Damals verabredete man sich bei einem ersten Treffen zum lockeren Jammen. „Wir haben dann gespielt ... und es war, als würde man sich Hals über Kopf verlieben“, beschreibt Rückert lachend sein damaliges Gefühl. „Ich wusste: Das ist jetzt mein Trio!“ Zwei gemeinsame Produktionen entstanden im Laufe der Jahre. Daneben gab es immer wieder verschiedene Verbindungen mit anderen Musikern. Nachhaltig prägend war die Arbeit des Trios mit der amerikanischen Saxophonlegende Lee Konitz im Jahr 2016 (mit dem der Pianist schon zuvor mehrfach zusammengespielt hatte). Er wurde zum Katalysator für Rückerts ganz persönliche Auffassung von Standardinterpretation. Und lobte seine Begleiter - so ist überliefert - bei einem der Quartett-Konzerte mit What a f***ing band!

Thomas Rückert lässt keinen Zweifel an Konitz‘ Einfluss: „Ohne Lee würde ich heute nicht so spielen. Er war mein größter Lehrer. Die Impulse, die er gesetzt hat, haben in mir weitergewirkt und andere Dinge zur Entfaltung gebracht.“ Ein Schlüsselbegriff im Umgang mit Standards ist für ihn: Assoziation. „Sie ist mühelos, spontan und intuitiv. Durch Lee habe ich tief verstanden, wie wichtig es ist, den Song in der Improvisation zu würdigen und ihn nicht nur als Vehikel zu nehmen, um tolle Tricks zu zeigen. Es geht darum, über die Melodie und den Text zu improvisieren, nicht über die Harmoniestruktur, wie man es an den Hochschulen lernt. Deshalb gibt es bei uns auch verschiedene Tonarten, die als Kontrast oder Schattierung abrupt wechseln. Auch der Text eines Stückes gehört dazu, um über das Lied zu assoziieren, um Räume zu öffnen“.

Diese Freiheit im Umgang mit den Vorlagen hat bei Rückert, Askari und Arends ein festes Fundament. Die acht Standards des Abends - „Stella By Starlight“ ist ein ewiger Favorit von Lee Konitz - hat Rückert mit Bedacht ausgewählt. „Diese Stücke liegen mir alle sehr am Herzen. Stücke wie ‘Bewitched, Bothered and Bewildered‘ oder ‚For All We Know‘ gehen mir unter die Haut. Sie sind mir wirklich wichtig. Deshalb habe ich sie ins Programm aufgenommen. Dabei wusste ich, dass auch Reza und Fabian einen engen Bezug zu den Titeln haben.“ Im gemeinsamen Assoziationsfluss lässt sich das Trio Zeit, ohne dass die Spannung nachlässt. „Wir haben auch den Mut zuzulassen, dass man, wenn einem gerade keine Idee einfällt, auch mal eine Weile nicht spielt. Man erzwingt nichts. Als Improvisator versuche ich nur, die Musik einzuladen.“ Mit Mut, mit Wagnis hat auch ein anderer Faktor des intensiven Miteinanders im Trio zu tun. Rückert: „Ich will mich im Spiel selbst überraschen. Ich will kein Meister der ausgetretenen Pfade werden.“ Und so entwickelt dieses Album von den ersten Klaviertönen an einen sanften Sog, der lange anhält.

Sein besonderes Verhältnis zu Standards führt Thomas Rückert, der im Laufe seiner Karriere viele Stücke selbst komponiert hat, auch darauf zurück, dass er oft mit Sängerinnen und Sängern gespielt hat, von Mark Murphy und Kevin Mahogany über Greetje Kauffeld bis hin zu Anne Hartkamp und Inga Lühning. „Mich hat immer beeindruckt, wie sie das Lied auch von der Emotion her interpretieren.“ Aktuell ist er unter anderem auf dem Album von Inga Lühning zu hören, die überwiegend eigene Stücke singt. „Das bedeutet mir auch sehr viel. Ihre Lieder gehen mir nahe - das nährt die Musikerseele, das Musikerherz.“ Daneben gibt es derzeit mehrere Duos, die Rückert umtreiben: eines mit dem Cellisten Gunther Tiedemann, eines mit dem Saxofonisten Peter Dahm sowie ein Duo mit dem Bassisten Chris Jennings, einem Kanadier aus Paris.

Das Covermotiv des neuen Trio-Albums, eine Winterwaldimpression, hat Thomas Rückert selbst beigesteuert - auch das mit Bedacht. For All We Know" habe etwas Flüchtiges, findet er. „Das haben wir musikalisch einzufangen versucht, das steckt für mich auch in der Atmosphäre dieses Motivs.“

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. For all we know
  2. Blue Monk
  3. Stella by starlight
  4. Black orpheus
  5. How deep is the ocean
  6. Bewitched, bothered and bewildered
  7. Embraceable you
  8. Body and soul

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