Franco Ambrosetti with Strings - Nora

Franco Ambrosetti with Strings - Nora

Franco Ambrosetti with Strings
Nora

Erscheinungstermin: 11.11.2022
Label: enja, 2022

Franco Ambrosetti with Strings - Nora - bei JPC kaufenFranco Ambrosetti with Strings - Nora - bei Amazon kaufen

Franco Ambrosetti - Flügelhorn, Trompete
John Scofield - Gitarre
Uri Caine - Klavier
Scott Colley - bass
Peter Erskine - Drums
Sara Caswell - violin, concertmaster
Alan Broadbent - arranger, conductor

Charlie Parker hat es getan, Clifford Brown hat es getan und nun auch er: Der Grandseigneur des Schweizer Jazz Franco Ambrosetti hat ein Album mit Streichern eingespielt. Der 80-jährige lud im Februar dieses Jahres seine bewährte All Star Band und ein 22-köpfiges Streicherensemble ins New Yorker Sear Sound Studio ein, nicht um ein sanft umflortes Alterswerk zu schaffen, sondern vielmehr um seinem hochkultivierten Ton und seiner charakteristischen Phrasierungskunst in speziellen Arrangements eine neue, die Essenz seiner éducation musicale ausstellende Bühne zu bieten.

Ambrosetti spielt ausschließlich Flügelhorn und ausschließlich Balladen mit dem schmeichelnden, Verführen wollenden Ton und dem verhaltenen Pathos eines Crooners. Alan Broadbent, Pianist im Quartett Charlie Hadens, Arrangeur u.a. für Barbara Streisand und Shirley Horn, legt die Streicher sowohl als tragendes Fundament wie auch als eigenständigen melodischen Kontrapunkt an. Mal stehen ostinate Figuren im Stil der Minimal Music im Raum, mal erinnert man sich an die klassische, jazzig überformte und dadurch hochenergetisch swingende Satztechnik eines Leonard Bernstein, dann wiederum klingt es nach hemmungslosem Schwelgen aus Revuefilmen der 50er Jahre. Broadbent schafft absolut stilund geschmackssicher ein Biotop, in dem der Crooner sich hörbar wohl fühlt.

Und der steht klar im Zentrum: die Band nimmt sich deutlich zurück. Das sonst eher flächige Spiel Uri Cains erscheint pointierter, die Soli reduziert und tief im Blues verwurzelt. Scott Colley pflegt einen äußerst gelassenen Bass, der sich gelegentlich ein paar kurze melodische Girlanden gönnt. Peter Erskine an den Drums scheint im Organismus wie das Herz, das man erst bemerkt, wenn es nicht mehr schlägt. Seine Besenarbeit in „Autuum Leaves“ und „Falling in Love“ ist äußerst exquisit. Und John Scofield reichen zwei kurze Gastspiele in „Morning Song of a Spring Flower“ vom für Ambrosetti so einflussreichen George Gruntz, und in Coltranes „After the Rain“, um seine charakteristischen Fingerabdrücke und damit bleibende Spuren zu hinterlassen.

Neben den Standards enthält das Album zwei Eigenkompositionen Ambrosettis, zuvörderst die Titel gebende „Nora“, geschrieben für seine Frau Silli, die einst als eben jene in Ibsens Klassiker auf der Bühne stand – was wiederum für das in Ambrosettis Karriere wiederkehrende Credo steht, nach dem Liebe stets die höchste Inspiration bedeute. Franco Ambrosetti hat sich mit Nora einen lang gehegten Traum erfüllt – und ist dabei traumhaft geblieben.

Text: enja

jazz-fun.de meint:
Was wir bekommen, ist eine Menge Musik, die ruhig, zugänglich und überraschend zurückhaltend in Bezug auf das Niveau der Virtuosität ist. Mit jedem weiteren Hören, zu dem man sich gar nicht zwingen muss, wächst die Bewunderung: wie geschickt die Harmonien konzipiert sind, wie raffiniert die Soloparts miteinander verwoben sind, wie eindringlich die Emotionen vermittelt werden.

  1. Nora's theme
  2. Morning song of a spring flower
  3. All blues
  4. Fallin in love
  5. Autumn leaves
  6. Sweet journey
  7. It happens quietly
  8. After the rain

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 5 und 3.