Hendrika Entzian Quartet - Pivot

Hendrika Entzian Quartet - Pivot

Hendrika Entzian Quartet
Pivot

Erscheinungstermin: 26.05.2017
Label: Traumton, 2017

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Die Intelligenz der Bassgeige - Hendrika Entzian Quartett mit CD Pivot

Hendrika Entzian Quartett
Hendrika Entzian Quartett

Matthew Halpin - sax
Simon Seidl - p
Hendrika Entzian - b
Fabian Arends - dr

Beim diesjährigen JazzBaltica-Festival gab es leider nur die Gelegenheit zwei Stücke des Quartetts zu hören. Diese klangen so interessant und vielversprechend, dass eine detaillierte CD-Besprechung fast zwangsläufig erforderlich schien. Hier ist sie.

Die CD startet mit Weekdays. Angereichert mit melodischer Raffinesse, nimmt ein dichter Sound gefangen, der sich in musikalisch verständlicher Stringenz entwickelt und geradezu coltraneske Klangfarben versprüht. Das agile Trommeln von Fabian Arends, seine permanenten Breaks und ein herrliches singendes Tenorsaxofon treiben voran, aber nie hektisch oder nervös. Dass dies so voluminös wie in sich ruhend klingt, ist neben der Qualität der Komposition dem exzellenten Gruppensound zu verdanken.

Pivot, das Titelstück darf sich zum anspruchsvollen Genre der Ballade zählen. Federnde Besen, perlendes oder verträumtes Piano, subtile Bassfiguren und als Zusatzfarbe das satte Timbre des Tenors erzeugen einen kompakten Sound, der sich gut mit Reife, Ausgewogenheit und Klugheit beschreiben lässt. Auch hier ist die Band der „Star“.

Stärker verhalten, mit eher sphärischer Stimmung und dunkler Klangfarbe bewegt sich die Ballade Hike. Die unterschwelligen Melodielinien tun ihr Übriges, um diesen Klang rund zu machen. Einen ähnlichen Charakter besitzt die Erzählung Peripherique. Neben dem Sopransax erzählt die Bassgeige von Hendrika Entzian diese Geschichte: sensible Soli ohne jede Affektiertheit oder oberflächliche Selbstgefälligkeit. Ihre Spielweise benötigt keine vordergründigen virtuosen Kunststücke (die oft nur Schnelligkeit betonen). Hier überzeugen die gespielten Figuren, die die Themen bestens ergänzen, variieren und verstärken. Die weitere Ausschmückung ist dann Sache des Tenoristen, der mit ungemein differenzierten Klangfarben seiner Soli das Thema bereichert.

3/4 Rueck trägt programmatisch den Rhythmus im Namen. Über ein prägendes Motiv bringen Bass und Drums das Thema voran, werfen sich lässig die musikalischen Bälle zu, spielen Hand in Hand, was dem raffinierten Rhythmus hervorragend bekommt. Den Rest erledigt spielerisch das Piano von Simon Seidel. Geist und Atem des „Mystikers“ John Coltrane sind spürbar, auch die Verehrung, wobei dies vermutlich gar nicht intendiert war. Es mag vermessen wie überzogen erscheinen, solche Bilder zu verwenden, aber beim Hören dieses Themas brechen derartige Assoziationen hervor, lassen sich nicht unterdrücken.

Wir bleiben bei vertrackten rhythmischen Themen. Der Sound von Mare e Monte schwingt sich in freier tönende Gefilde auf. Drums und Bass liefern rhythmische Steilpässe für die Soli des Saxofons von Mathew Halpin, der dies ausgezeichnet zu verwerten weiß. Ebenfalls stärker frei swingend zeigt sich Phasen. Rhythmisch packend entwickeln sich gewagte harmonische Ausflüge des Quartetts, inspiriert von einer freitönenden Melodik der Klassiker. Ein souverän swingendes Piano liefert seine Unterstützung zum Ensemble-Sound.

Die einzigen Titel, die nicht von der gewieften Komponistin Hendrika Entzian stammen, sind die Balladen von Joni Mitchell The Fiddle and the Drums I und II. Die erste Variante lebt von der Stille und der Auslassung, deren thematische Figuren nur angedeutet, angehaucht oder „angezupft“ werden. Was zum Meditieren oder zum alltagstauglichen Loslassen. Die zweite Variante erweist sich weniger als Ballade, denn als Hymne. Nur leicht pathetisch, nicht übertrieben trifft diese dunkelrote Musik direkt ins Herz der Hörer.

Alle Titel wirken durch raffinierte Komposition und kompakten Gruppensound. Eine ausgereifte Balance zwischen Einsatz und Spielweise der Musiker sowie den musikalischen Elementen von Ruhe und Bewegung erhöhen den Reiz.

Da bleib nur zu wünschen übrig, dass Hendrika Entzian mit ihrem Quartett bald den Weg von der Jazz-Metropole Köln zu der anderen Jazz-Metropole Berlin findet und hier an der Spree das Publikum live begeistert.

Weitere Artikel über Hendrika Entzian:
Die Bassgeige ist weiblich - Hendrika Entzian Quartett bei JazzBaltica 2018

Text: Cosmo Scharmer

  1. Weekdays
  2. Pivot
  3. The Fiddle And The Drum I
  4. 3/4 rueck
  5. Hike
  6. Mare e monte
  7. Peripherique
  8. Phasen
  9. The Fiddle And The Drum II

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