Ein Wanderer in allen Welten und Genres - Michael Wollny 40 - lesen Sie weiter: Teil 3 - "Jazzklassisches Trio" und "Das klassisches Wind-Orchester aus Norwegen"

von Cosmo Scharmer

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Das Geburtstagskonzert in der Berliner Philharmonie – 29.05.2018
Teil 3

Jazzklassisches Trio

Michael Wollny Trio - Foto: ACT / Jörg Steinmetz
Michael Wollny Trio - Foto: ACT / Jörg Steinmetz

Diese beliebte Formation ermöglicht dem Pianospiel die Akzente der Begleitung mit den solistischen Ausflügen der Improvisation zu verbinden. Dies klappt dann vorzüglich, wenn Schlagzeug und Bass nicht nur die rhythmischen Grundlagen liefern, sondern sich durch langjähriges Zusammenspiel „blind“ verstehen, sich beim individuellen Spiel und Gruppensound ergänzen. Dies ist mit Eric Schaefer an den Drums und dem Bassisten Christian Weber der Fall.

Das Trio startet mit einem sinntragenden Titel: Farbenlehre. Ein lyrisches Thema, das Michael Wollny mit behutsamer Zurückhaltung vorträgt. Zunehmend steigert sich die Musik, wird intensiver, das Trio erhöht die Schlagzahl. Die aufwühlende Musik bewegt sich stark in Richtung „Sturm und Drang“, um dann wieder in ruhige akustische Gewässer zu gleiten.

Lyrische Passagen und energiegeladene Teile in der Musik wechseln sich ab. Das dritte Stück lautet zu Recht „Gravité“. Bezüglich Dramatik wird von allen noch „eins drauf gesetzt“, ein emotionaler Gipfel an Ausdruck. Gegen Ende des Themas werden die Tasten des Pianos im wortwörtlichen Sinn geschlagen, ja verprügelt. Ähnliches machen die Kollegen mit Bass und Schlagzeug. Soweit zu den Kraftlinien ihrer akustischen Gravitation. Nichts für schwache Gemüter, die im Jazz eher selten und heute Abend gar nicht vertreten sind.

Das klassisches Wind-Orchester aus Norwegen

Michael Wollny erklärt: im folgenden Set The Whitness of the Whale geht es um das Wagnis der Improvisation mit einem großen Klangkörper. Aber nicht mit einer an Improvisation vertrautem jazzigen Big Band, sondern mit einem klassisch ausgerichteten Orchester. Nur wenig sei thematisch vorgegeben, alles sei möglich, so Michael Wollny. In der Tat, ein mutiges Unterfangen, da die Kunst der Improvisation nicht unbedingt eine Domäne von klassischen Musikern ist.

Das fast nur aus Bläsern bestehende Orchester umringt das Trio. Verhalten starten, sich einstimmen, warmspielen, ein umsichtiges Herantasten. Flöte und Oboe werfen sich neckisch ein paar luftige Klangfetzen um die Ohren, die übrigen Instrumente fallen ein, es entwickelt sich ein getragener Ensemble Sound, der nach und nach runder wird, die Blech-Fraktion sorgt für weitere Verdichtung des entstehenden Sounds. Inmitten dieser umsichtigen Stimmung konterkariert der Man am Schlagzeug durch sein Drum-Solo das Geschehen. Sein zünftiges auf die Felle schlagen, sein ruppiges Dreschen schaffen einen gegensätzlichen Spannungspol. Mit anderen Stilmitteln erreicht dies auch das Piano, gemeinsam mit einem erwärmenden Klarinettensolo löst sich das Thema dann harmonisch auf. Im weiteren Verlauf mischen wieder die „Jungs“ von der Rhythmusgruppe das Geschehen wieder kräftig auf. Es wird intensiver, dynamischer und der durchlaufende Beat als rhythmische Basis sorgt für ein packendes, mitreißendes Ende dieser mutigen Improvisation mit einem großen Klangkörper. Dies klingt schon verdammt gut, aber – so viel sei schon verraten – im Finale können alle Beteiligten bezüglich Intensität und Kommunikation noch eins draufsetzen. Davon später mehr. Die Pause entlässt Musiker und Publikum.

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Text: Cosmo Scharmer

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