Louise Jallu - JEU

Louise Jallu - JEU
Louise Jallu - JEU

Louise Jallu
JEU

Erscheinungstermin: 08.03.2024
Label: Klarthe, 2023

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jazz-fun`s recap:

Alle Stücke sind komprimiert, formal perfekt ausbalanciert und bedienen sich meisterhaft eines reichen Katalogs kompositorischer und interpretatorischer Mittel. Es gibt keine Leerläufe, keine endlosen Improvisationen, keine langatmigen Einleitungen, sondern durchgehend schöne Musik, der man sich nur schwer entziehen kann.

Louise Jallu - band & comp
Mathias Lévy - viol
Karsten Hochapfel - e-guit
Grégoire Letouvet - keys
Alexandre Perrot - bass
Ariel Tessier - dr
Gino Favotti - sounds
Arrangements: Louise Jallu & Bernard Cavanna

Die beiden ersten Alben von Louise Jallu - das eine eine Hommage an den Tango von gestern und heute, das andere eine Hommage an den "Tango Nuevo" von Astor Piazzolla - sind von mindestens zwei Triebfedern der Musikerin gleichermaßen geprägt: Sie macht keinen Unterschied zwischen Interpretation und Kreation. Einerseits möchte sie in ihren Programmen ein echtes künstlerisches Anliegen hervorheben, andererseits ihre Unabhängigkeit in Bezug auf ein Repertoire, ja sogar ein Genre, in dem das Bandoneon die einzige Hauptrolle spielt. Ihr 2018 erschienenes Album Francesita erforschte die argentinische Tradition durch die historische Brille des Handels mit weißen Sklaven, während ihr Album Piazzolla 2021, das anlässlich des hundertsten Geburtstags von Astor Piazzolla veröffentlicht wurde, sowohl dem Anlass selbst Tribut zollt (mit berühmten Kompositionen wie Libertango, Oblivion und Adiós Nonino) als auch durch eine Herangehensweise auffällt, die sich mehr dem Nuevo als dem Tango-Aspekt dieses in der klassischen Lektüre übermäßig gepriesenen Meisters widmet.

Wollte man dieses mutige Unterfangen in einem Prinzip zusammenfassen, so würde man sagen, dass Louise Jallu es als ein doppeltes Spiel verstanden hat. Und so scheint dieses jüngste Album den gleichen Geist zu atmen wie die beiden ersten - diesmal für ihre eigenen Kompositionen - und trägt den Titel Jeu (Spiel). Dieser spielerische Begriff ist, wie Louise Jallu sagt, ein Schlüsselelement in so vielen idiomatischen Ausdrücken der französischen Sprache. Zum Beispiel "se mettre en jeu" (sich ins Spiel bringen) und "jeu d'écriture" (eine Methode des kreativen Schreibens). Schränkt sie damit ihre eigene Dualität ein? Darüber hinaus müssen wir sofort zwei “Spielregeln” berücksichtigen, um dem Zuhörer einen Einblick in das Programm zu geben, das Louise 2022 während ihres Aufenthalts in der Villa Médicis in Rom aufgestellt hat, um ihr Ziel zu erreichen, "die Kunst durch die Kunst zu verschleiern".

Robert Schumann, Alban Berg, Franz Schubert, Maurice Ravel, Claude Debussy, Arnold Schoenberg, Georges Brassens - um nur einige zu nennen - spielen Verstecken mit Louise Jallu, die als Bandleaderin ihrem Bandoneon freien Lauf lässt - mal als Kontrabass, mal als Geige oder Klavier. Das Spiel wechselt lustvoll zwischen der Vergangenheit (Anleihen bei Musikern, die alle bereits verstorben sind) und der Gegenwart (eigene Kreationen, schwarz auf weiß oder in einem Anflug von Improvisation). Ist es Louises Art, das so genannte Skalenspiel zu spielen (16 Takte zeitgenössischer Lauf gegenüber 8 Takten Rückkehr zum romantischen Ausgangspunkt)? Oder ist es eine janusköpfige Methode (ein Ohr zurück, das andere dem Unerhörten zugewandt)?

In ihren Kompositionen spielt Louise Jallu mit Tonarten wie andere mit Worten: Modus “la” (oder A, wie es bei uns heißt), oder Modus “mi” (E, wenn sie Ravels Bolero auf den Kopf stellt). Sie spielt mit dem "mi" im Wort Milonga (ein argentinischer Tanz, der rhythmisch komplexer ist als der Tango) und streut es in die Stücke dieses Albums ein, sei es offen wie in "Milonga en Mi Majeur", sei es heimlich (es fällt auf) und harmonisch (ein mi im Basso ostinato oder die wiederkehrende Tonart mi-Moll) in bestimmten Passagen. Es scheint uns jedoch weniger wichtig, die von Louise Jallu verwendeten Anleihen und die Art und Weise, wie sie sie verwendet, zu identifizieren, als vielmehr zu versuchen, das Ergebnis in seiner übertragenen Form zu würdigen und vor allem die Identität einer Künstlerin wahrzunehmen, die sich in ständiger Entwicklung befindet. Wie in einem Rollenspiel?

Text: Pierre Gervasoni / Klarthe

  1. Schumann et Wozzeck
  2. Une milonga en mi majeur
  3. Pugnani–Jallu
  4. Mon boléro
  5. Une milonga en blues
  6. B.W.V 1016, sous turbulences
  7. Toi qui as besoin d’eau
  8. La milonga transfigurée
  9. À Gennevilliers, toujours

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