Marilyn Mazur

Marilyn Mazur
Marilyn Mazur, Foto: Jacek Brun

Biographie

Marilyn Marie Douglas Mazur (* 18. Januar 1955 in New York City; † 12. Dezember 2025 in Kopenhagen) war eine amerikanisch-dänische Jazzmusikerin, Schlagzeugerin, Perkussionistin, Komponistin und Bandleaderin.

Marilyn Mazur wurde 1955 in New York City als Tochter einer polnischstämmigen Mutter und eines afroamerikanischen Vaters geboren. Als sie sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Dänemark. Dort zeigte sich früh ihre außergewöhnliche kreative Begabung: Schreiben, Singen, Tanzen und Musik gehörten von Beginn an selbstverständlich zu ihrem Ausdruck.

Sie erhielt zunächst klassischen Klavierunterricht und beschäftigte sich intensiv mit Tanz – unter anderem mit Ballett –, wandte sich jedoch bald dem Schlagzeug und der Perkussion zu. Mazur studierte am Königlichen Dänischen Musikkonservatorium, entwickelte den Großteil ihrer charakteristischen Spielweise jedoch autodidaktisch. Die klassische Ausbildung lieferte ihr eine theoretische Grundlage und Struktur, ohne ihre künstlerische Freiheit einzuengen. Entscheidender war ihr ausgeprägtes Bedürfnis, Emotionen unmittelbar in Klang, Bewegung und musikalische Form zu übersetzen.

Marilyn Mazur liebte große, spektakuläre Setups aus Schlagzeug und Perkussionsinstrumenten. Ihre Auftritte waren geprägt von Bewegung, Tanz und physischer Präsenz. All About Jazz beschrieb ihre Konzerte als energetische Entladungen, in denen Klang, Rhythmus und Körperlichkeit zu einer Einheit verschmolzen. Der dänische Jazzkritiker Kjeld Frandsen schrieb über sie, dass oft ein einziges Detail – eine rhythmische Figur, ein messerscharfer Beckenschlag oder ein präzise gesetzter Glockenton – die Musik „um Lichtjahre“ voranbringen könne. Im Zentrum dieses Kosmos stand dabei stets auch ein ganz klassisches Jazz-Schlagzeug, das Mazur mit einer Selbstverständlichkeit und Tiefe spielte, wie es nur wenige nach ihr vermochten.

Mazur war zudem leidenschaftliche Sammlerin von Instrumenten. In ihrem Proberaum und ihrem privaten „Musikhaus“, das sie selbst augenzwinkernd als Scheune bezeichnete, bewahrte sie eine enorme Sammlung von Gongs, Trommeln, Marimbas, Balafons, Holzinstrumenten, Zimbeln und Glocken auf – vermutlich mehrere Hundert, vielleicht weit über tausend.

Bereits 1973 gründete Marilyn Mazur ihre erste eigene Band. Viele Projekte folgten, einige bestanden nur kurz, andere über Jahre. Als gefragte Musikerin arbeitete sie mit einer außergewöhnlich großen Zahl international bedeutender Künstler zusammen. Zu den wichtigsten Stationen ihrer Karriere zählten Kooperationen mit Andreas Vollenweider, Charlie Mariano, Irène Schweizer und der Feminist Improvising Group, bevor sie von 1985 bis 1989 festes Mitglied der Band von Miles Davis wurde. Davis hatte sie während der Arbeiten an Palle Mikkelborgs Aura kennengelernt und nachhaltig geprägt – nicht zuletzt durch seinen Rat, sich kompromisslos auf die eigene musikalische Sprache zu konzentrieren.

Weitere zentrale Zusammenarbeit verbanden sie unter anderem mit Wayne Shorter, John Tchicai, Gil Evans, Pierre Dørge und Jan Garbarek, mit dem sie ab den frühen 1990er-Jahren regelmäßig auf Tournee ging. Parallel dazu entwickelte sie zahlreiche eigene Projekte, darunter die ausschließlich weiblich besetzte Primiband sowie später Shamania, ein Ensemble, mit dem sie in den letzten Jahren ihrer Karriere noch einmal international große Aufmerksamkeit erhielt. Das Album Shamania wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Marilyn Mazur galt über Jahrzehnte als Vorbild für Generationen von Musikerinnen – insbesondere für Schlagzeugerinnen und Bandleaderinnen in einer lange männlich dominierten Jazzwelt. Wer sie live erlebte, erinnerte sich an ihre unbändige Energie, ihre Neugier, ihre Freude am Klang und an eine Künstlerin, die Musik nicht nur spielte, sondern lebte und verkörperte.

Marilyn Mazur starb am 12. Dezember 2025 nach längerer Krankheit im Alter von 70 Jahren in Kopenhagen.

Auszeichnungen:

  • 2019 - Preis der deutschen Schallplattenkritik mit "Shamania" No. 1 Jazz Performer, Down Beat, six times ​
  • 2017 - "DMF Live" an award given by the Danish Musicians Union DMF
  • 2017 - Wilhelm Hansen Foundation's Honorary Prize – Copenhagen, Denmark
  • 2016 - Member of the Royal Swedish Academy of Music
  • 2013 - "Grethe Kolbe Grant" given by the Danish conductors Association
  • 2010 - EuroCore-JTI Jazz Award
  • 2007 - "Telenor International Culture Prize"
  • 2004 - Edition Wilhelm Hansen Composers Award "Django d’or –Legend of Jazz" in Paris ​
  • 2001 - Jazzprize
  • 1989 - Lifetime Grant from the Danish State – since 1998 composer Marilyn Mazur receives a lifetime grant from The Danish National Arts Foundation
  • 1989 - JASA Prize, Danish jazz journalists ​
  • 1983 - Ben Webster Award

Ausgewählte Diskographie

  • Marilyn Mazur's Shamania - Rerooting, 2022
  • Marilyn Mazur’s Future Song’s - Live Reflections, 2020
  • Maluba Orchestra, 2019
  • Marilyn Mazur's Shamania, 2019
  • Marilyn Mazur, Josefine Cronholm And Krister Jonsson - Flamingo Sky, 2014
  • Mazur / Tritonus / Bjerno - Eksistens, 2014
  • Celestial Circle, 2011
  • Marilyn Mazur Group - Tangled Temptations & The Magic Box, 2010
  • Marilyn Mazur & Jan Garbarek - Elixir, 2008
  • Marilyn Mazur’S Future Song - Daytime Stories2004
  • All The Birds, 2002
  • Marilyn Mazur's Tryllemusik, 2002
  • Marilyn Mazur /Ars Nova / Copenhagen Art Ens. - Jordsange, 2000
  • Bimwo Orch. Play Marilyn Mazurs A Story Of Multiplicity, 1998
  • Marilyn Mazur’S Future Song - Small Labyrinths, 1997
  • Marilyn Mazur & Pulse Unit - Circular Chant, 1995
  • Marilyn Mazur’S Future Song, 1992
  • Primi Band ‎– Primi, 1984
  • Mazur Markussen Kvartet ‎– MM 4, 1984

Links

Marilyn Mazur Internetseite:
https://www.marilynmazur.com/

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