Rezension des Albums "Dread, Delight and Yowzah" von Nikolaus Dolp
Nikolaus Dolp
Dread, Delight and Yowzah
Erscheinungstermin: 11.09.2026
Label: Unit Records, 2026
Zwischen Angst, Freude und dem großen Staunen
Wie klingt Musik, wenn Angst vor dem Kommenden, Freude am Augenblick und Staunen über das Unerwartete aufeinandertreffen? Nikolaus Dolp gibt mit „Dread, Delight and Yowzah” eine ebenso ungewöhnliche wie überwältigende Antwort auf diese Frage. Der Schlagzeuger und Komponist, der seit mehr als einem Jahrzehnt als rhythmische Triebkraft von Shake Stew bekannt ist, tritt erstmals unter eigenem Namen hervor und präsentiert gleich ein Werk von erstaunlicher Dimension.
Ausgangspunkt ist sein Quartett mit Richard Koch (Trompete), Stephanie Weninger (Klavier und Keyboards) sowie Raphael Preuschl (Bass). Doch dabei bleibt es nicht. Rund 20 Musikerinnen und Musiker wirken an dem Projekt mit, darunter als prominentester Gast die Schlagzeuglegende Billy Cobham. Gemeinsam erschaffen sie einen Klangkosmos, der Jazz, Funk und die elektrische Energie der Fusion-Ära der 1970er-Jahre mit orchestralen Elementen verbindet, ohne sich einer dieser Kategorien unterzuordnen.
Der Titel liefert zugleich den emotionalen Bauplan. „Dread” steht für die Angst vor dem, was kommen könnte. „Delight“ beschreibt die Freude am gegenwärtigen Moment. Und „Yowzah“? Das ist jenes spontane Staunen, wenn plötzlich etwas geschieht, womit niemand gerechnet hat.
Davon lebt diese Musik. Sie kann gewaltig werden, im nächsten Augenblick ihre Richtung ändern und aus einer scheinbar vertrauten Struktur etwas vollkommen Unerwartetes entwickeln. Rhythmische Energie ist allgegenwärtig, doch Dolp denkt als Komponist weit über die Rolle des Schlagzeugers hinaus. Klangfarben, orchestrale Schichtungen und elektronische Elemente sind ebenso wichtig wie Groove und improvisatorische Freiheit.
Bei einer solchen Besetzung wäre es leicht, musikalische Größe mit bloßer Klangmasse zu verwechseln. Dolp geht jedoch einen anderen Weg. Die Vielzahl der Stimmen dient einer gemeinsamen Dramaturgie. Aus wechselnden Instrumentierungen, überraschenden Kontrasten und unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen entsteht eine geradezu filmische Erzählweise.
Dass sich mit Billy Cobham einer der prägenden Schlagzeuger der Fusiongeschichte von Dolps Ideen angesprochen fühlte, erscheint dabei fast folgerichtig. Hier begegnen sich nicht aus nostalgischen Gründen Generationen, sondern weil beide dieselbe Lust am Risiko und am Überschreiten musikalischer Grenzen verbindet.
„Dread, Delight and Yowzah” ist Dolps bislang umfassendste Aussage als Schlagzeuger, Komponist und Produzent. Vor allem aber ist es Musik, die sich erstaunlich schwer mit bereits Bekanntem vergleichen lässt.
Sie ist dynamisch, kompromisslos, überraschend und voller Fantasie. Vielleicht haben wir in dieser Form tatsächlich noch nichts gehört.
Und genau deshalb bleibt am Ende vor allem eines: Yowzah!
(Jacek Brun, 12.09.2026)
Besetzung
Nikolaus Dolp – drums, percussion, keyboards, synthbass, vocals
Richard Koch – trumpet
Stephanie Weninger – grand piano, nord synth, moog synthbass
Raphael Preuschl – electric bass
Featuring:
Billy Cobham – drums
Hari Baumgartner – vocals
Christina Kerschner – vocals
Elsa Steixner – vocals
Pablo Herrasti-Fajardo – keys, vocals
St. Michaels Church Bell of Natters
Strings:
Sophia Goidinger-Koch – violin
Jacobo Hernández Enríquez – violin
Lena Fankhauser – viola
Maiken Beer – cello
Sara Kowal – harp
Titelliste
- An Der Lan Strasse
- Uh Ja Meidling
- Bright View (feat. Elsa Steixner)
- In Dreams (feat. Hari Baumgartner)
- Incipit (feat. Billy Cobham)
- Onward and Upward
- Zombified (The Seed)
- Zombified (The Call)
- Zombified (The Grand Arrival)
- EUROPA (feat. Billy Cobham)
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