Sara Decker - Expand

Sara Decker - Expand
Sara Decker - Expand

Sara Decker
Expand

Erscheinungstermin: 19.09.2024
Label: Unit Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Sara Deckers Musik ist ein ungemein farbiger und sehr lyrischer Klangteppich. Trotz offener Formen und eigenwilliger Konsonanzen (Flügelhorn, Trompete, Vibraphon) überwiegt der Eindruck von Ordnung und stabilen Klangstrukturen. Die Musik ist auch nicht hermetisch und schwer hörbar. Saras schöne Stimme, ihre sehr guten Kompositionen und die wunderbaren Musikerinnen Heidi Bayer, Yuhan Su, Kaisa Mäensivu und Mareike Wiening bilden eine perfekte Symbiose. (Jacek Brun, 21.09.2024)

Sara Decker - vocals, comp., lyrics
Heidi Bayer - flugelhorn, trumpet
Yuhan Su - vibes
Kaisa Mäensivu - double bass
Mareike Wiening - drums

Vielschichtiges Songwriting in fein gewebtem Jazz-Gewand.

Eine neue Band mit internationalen Musikerinnen, vereint von einer bekannten Kölner Leaderin. Sara Decker hat für "Expand" langjährige Vertraute ins Studio eingeladen, um ein facettenreiches Album einzuspielen. Mit ihrem dritten Werk knüpft die Sängerin und Komponistin einerseits an frühere Erfolge an, andererseits schreibt sie ein neues Kapitel ihrer schon einige Jahre währenden Karriere, die teils in New York verlief und international Beachtung gefunden hat. „Deckers’ refreshingly new voice shines with clarity and glows with an inner light“ lobte NYC Glissando 2017, im gleichen Jahr wurde Decker nach einem Auftritt beim Montreux Jazz Festival mit dem zweiten Preis der Shure Montreux Jazz Competition ausgezeichnet. Bereits vorher gewann sie den European Jazz Award beim italienischen Festival Tuscia in Jazz. Und 2021 notierte das österreichische Magazin Concerto: „Sara Deckers helle, klare Stimme ist eine Ohrenweide, die fein gesponnene Begleitung [...] ein Hochgenuss.“

Seitdem ist einiges passiert, auch im Privatleben der Musikerin. Manche der Ereignisse hat sie vor knapp drei Jahren im sehr persönlichen Projekt Invisible Loss künstlerisch verarbeitet; ihr jüngstes Werk vermittelt eine überwiegend positive Ausstrahlung. „Mit jeder Produktion komme ich näher an meinen eigenen Sound“, freut sich Sara Decker, „Expand spiegelt sowohl meine Liebe für klare Melodien und Formen als auch für komplexere Harmonien und ungerade Rhythmen wieder.“ Alle diese Gestaltungsmittel sind in Deckers intuitiver und transparenter Musik zu finden, kein Aspekt drängt sich ostentativ auf. Zudem öffnen die Kompositionen und Arrangements immer wieder Räume für solistische Ideen der Musikerinnen.

„Meine Stücke gehen meistens von den Lyrics aus, basieren also zumindest in dieser Hinsicht auf einem Singer-/Songwriter-Prinzip“, konstatiert Decker, die sich von Joni Mitchell ebenso inspirieren lässt wie von Becca Stevens, Faurés Streichquartetten, FKA Twigs und Ella Fitzgerald. Oft folgt der Rhythmus dem Text, dabei spielt Decker auch mit wechselnden Metren, etwa in Worthy" (9/8 respektive 12/8) und Accomplices (Mix aus 4/4 und 3/4) oder variabler Time. Noch etwas ausgefeilter arbeiten Kaisa Mäensivu und Mareike Wiening in ihren Kompositionen mit Taktwechseln und „odd meters“, gleichzeitig entwickelt Wienings Time’s Interlude einen unwiderstehlichen Flow.

Neben Sara Deckers warm timbrierter Stimme, die mit melodiöser Eleganz leichtfüßig durch Oktaven springt, setzen feinsinnige instrumentale Soli immer wieder individuelle Akzente. Heidi Bayers meist samtig intonierte Begleitungen und ausdrucksstarken Improvisationen unterstreichen einmal mehr, warum sie zu den viel gefragten Künstlerinnen an Trompete und Flügelhorn zählt – speziell natürlich in Accomplices, einem Duett mit Decker. Yuhan Su, ursprünglich aus Taiwan und seit Jahren in New York zuhause, wechselt mit feinem Gespür zwischen harmonisch-schwebenden, rhythmischen und weiter ausholenden Vibraphon-Einsätzen, beispielhaft zu hören in It’s Safe Here. Die finnische Bassistin Kaisa Mäensivu kann ebenso klug und Song-dienlich grundieren wie wendig solieren, Mareike Wiening bereichert die Musik durch Grooves und pointierte Breaks.

Dass Sara Decker erstmals eine rein weibliche Band um sich geschart hat, lässt sich in gewisser Hinsicht politisch lesen, doch spielte dieser Aspekt bei der Auswahl ihrer Partnerinnen eine untergeordnete Rolle. „Da Frauen im Jazz immer noch unterrepräsentiert sind finde ich es wichtig, dass wir uns als Kolleginnen gegenseitig unterstützen und zum Strahlen zu bringen“, sagt Decker. „Zunächst hatte ich aber vor allem den Wunsch, mit Freundinnen zu arbeiten, mit denen ich eine Verbindung habe, die auch über die Musik hinaus reicht. Kaisa habe ich als Kommilitonin an der Manhattan School of Music kennengelernt, sie hat auf meinem ersten Album Long Distance gespielt. Mit Mareike habe ich zeitweise auch eine Wohnung in NYC geteilt, mit ihr und Yuhan bin ich schon zusammen in Deutschland getourt.“ Heidi Bayer wurde durch die gemeinsame Arbeit an Deckers hochgelobtem Album poetryfied (2020) zu einer Vertrauten.

Selbstverständlich beflügelt das Setting die Musik. Tatsächlich empfindet Sara Decker ihre neue Band und den durch sie kreierten Sound als einen „roten Faden“ des Albums. Zumal die Umstände der Aufnahmen durchaus sportlich waren. Immerhin reisten die beiden New Yorkerinnen Mäensivu und Su eigens dafür an, es gab lediglich einen gemeinsamen Probetag, ehe das Quintett am 15. und 16. Januar 2024 sämtliche Stücke im Kölner Loft-Studio einspielte. „Dadurch haben wir viele Details innerhalb kurzer Zeit zusammen entwickelt, was viel Konzentration erforderte“, sagt Decker, „trotzdem habe ich diese intensiven Momente sehr genossen.“

In ihren Texten thematisiert Sara Decker persönliche Erlebnissen und Gedanken, die zuweilen eine eher fragende als wissende Haltung einnehmen. Make Me Whole reflektiert darüber, wie Menschen Bestätigung und Selbstwert in äußeren Gegebenheiten suchen, weil sie sich unvollständig fühlen. Dabei hat Decker auch die weit verbreitete Selbstdarstellung im Internet im Blick. „Mir scheint Social Media zwar gut für Marketing, aber eben auch eine starke Verzerrung der Wirklichkeit zu befördern, allein schon durch die verschiedenen Filter. Man bewegt sich in bubbles, besonders junge Frauen versuchen zu gefallen, Normen zu entsprechen. Das sehe ich kritisch.“ Worthy bietet hingegen die inhaltliche Auflösung der Frage nach Ganzheit, nämlich indem man seinen Selbstwert unabhängig von den äußeren Umständen definiert, auch und gerade in schwierigen Zeiten. I Didn’t See It Coming beschäftigt sich mit wohlmeinenden und leider oft auch wohlfeilen Ratschlägen, deutlich optimistischer wirken It's Safe Here und Secret Sound.

Der Albumtitel Expand signalisiert die Ausdehnung der Band zum transatlantischen Quintett und assoziiert unterschwellig Deckers erneut gewachsene Souveränität als Sängerin, Songschreiberin und Bandleaderin mit internationalem Profil. Zwischen avanciertem Pop und Vocal Jazz bietet ihr stilvolles und eindrückliches neues Werk verschiedene musikalische Anknüpfungspunkte: lockende Melodien und instrumentale Detailschärfe, rhythmische und harmonische Finessen, unaufdringliche Leichtigkeit und Tiefgang.

Text: Norbert Krampf

  1. Time's Interlude
  2. Make me whole
  3. Pick your brain
  4. I didn't see it coming
  5. It's safe here
  6. Accomplices
  7. Worthy
  8. Secret sound

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