Rezension des Albums "life between plagues" von Stefan Bauer

Stefan Bauer - life between plagues - Album cover
Stefan Bauer - life between plagues

Stefan Bauer
life between plagues

Erscheinungstermin: 14.10.2026
Label: JazzHausMusik, 2026

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Zwischen den Erschütterungen der Zeit

jazz-fun`s recap:

Ein Vierteljahrhundert in New York hinterlässt Spuren. Stefan Bauer versteht life between plagues als musikalisches Vermächtnis seiner Zeit in Brooklyn – jener Jahre seit 2001, in denen persönliche Erfahrungen und dramatische Ereignisse der Weltgeschichte immer wieder unmittelbar aufeinandertrafen.

Der 1956 in Recklinghausen geborene Vibrafonist, Marimbaspieler und Komponist erlebte dort den 11. September, die folgenden Kriege in Afghanistan und im Irak und zahlreiche weitere gesellschaftliche Verwerfungen. Solche Erfahrungen bleiben in seinem neuen Werk präsent, ohne dass daraus programmatische Musik im einfachen Sinne entsteht.

Ebenso wichtig sind die Menschen.

Brooklyn bot Bauer über viele Jahre ein kulturelles Umfeld voller Begegnungen, künstlerischer Kooperationen und ungewöhnlicher Projekte. life between plagues erzählt deshalb nicht nur von Krisen, sondern ebenso von Beziehungen und von der Möglichkeit, Erfahrungen gemeinsam in Kunst zu verwandeln.

Besonders persönlich wird dieser Gedanke durch die Widmung an Seymour Kaplan, Bauers Freund, jüdischen Kriegsveteranen und Holocaust-Zeitzeugen. Damit bekommt das Album eine zusätzliche historische und menschliche Dimension: Geschichte erscheint nicht abstrakt, sondern als etwas, das von konkreten Menschen getragen und weitergegeben wird.

Musikalisch bewegt sich Bauer konsequent in der Gegenwart, ohne seine Verbindung zur Jazztradition aufzugeben. Vibrafon und Marimba schaffen ein charakteristisches Zentrum, umgeben von einem ungewöhnlich farbigen Ensemble aus Sopran- und Tenorsaxofon, Flöten, Stimme, Bass, Schlagzeug und Elektronik.

Tammy Scheffer spielt dabei eine besondere Rolle. Ihre Vokalisen erweitern den instrumentalen Klang und verleihen einzelnen Passagen zusätzliche emotionale Schärfe. Die Stimme wird nicht einfach als Gesang über das Ensemble gelegt, sondern fügt sich als eigenständige Klangfarbe in die Kompositionen ein.

Lukas Bauers elektronische Klangerzeugung und -bearbeitung öffnet eine weitere Ebene. Akustische Instrumente und elektronische Strukturen stehen sich nicht als Vergangenheit und Zukunft gegenüber. Sie verbinden sich zu einer Sprache, in der musikalische Tradition und heutige Lebenswirklichkeit gleichzeitig präsent sein können.

Auch die Bläser tragen wesentlich zu dieser Vielschichtigkeit bei. Chris Bacas, David Bindman und Michel Gentile schaffen wechselnde Farben und Texturen, während Jerome Harris und Michael Sarin dem Ensemble Beweglichkeit und rhythmische Substanz verleihen.

So entsteht moderne Musik, die ihre Herkunft nicht verleugnet und dennoch vollständig im Jetzt steht.

life between plagues blickt auf schwierige Zeiten zurück, ohne in ihnen steckenzubleiben. Es erzählt von Erschütterungen, Begegnungen und Erinnerung – aber ebenso davon, dass künstlerische Neugier und menschliche Beziehungen weiterbestehen.

Ein starkes, vielschichtiges Album. Und eines, das man unbedingt hören sollte.

(Jacek Brun, 08.11.2026)

Besetzung

Stefan Bauer - vibraharp, marimba, p, keyb
Chris Bacas - soprano saxophone
Tammy Scheffer - voice
David Bindman - tenor saxophone, flute
Michel Gentile - alto flute, piccolo flute
Lukas Bauer - electronic sound generation & processing
Jerome Harris - half-acoustic e-bass
Michael Sarin - drums

Titelliste

  1. Nice Try
  2. Message from Minneapolis
  3. Bonne nuit, maman!
  4. A Nice Place
  5. ICE Age
  6. Brooklyn in Grey
  7. Life Between Plagues
  8. Seymour
  9. Cathedral
  10. Forgotten Rituals
  11. Deconstructed Vibe
  12. New York Minute

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