Winfried Dulisch wollte eigentlich nur die Furcht vor KI beseitigen.

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In einer Pressemitteilung vom 7. November 2024  gab die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) Entwarnung für Komponisten und Musiker mit Zukunftsängsten. Denn es konnte nachgewiesen werden, dass die kreative Leistung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Musikkomposition begrenzt ist. Vor allem die Jazz-Musiker und andere Improvisationskünstler brauchen sich endgültig keine Sorgen mehr um ihre Daseinsberechtigung und berufliche Perspektive zu machen.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Reinhard Kopiez fanden die Teilnehmer eines musikpsychologischen HMTMH-Forschungsprojekts heraus, dass KI bei Melodie-Fortsetzungsaufgaben einer von  Menschen gefundenen Lösung deutlich unterlegen ist. Damit wies diese Arbeitsgruppe nach, dass die musikalisch-kreativen Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) keine Bedrohung für lebendige Musiker darstellen...

Sind also die Sorgen von Musikern und Musikliebhabern völlig unbegründet?

Die Wissenschaftler hatten beobachtet, wie die KI-Systeme ChatGPT und Google Magenta Studio eine Melodiefolge unter Einhaltung bestimmter Regeln fortsetzen können. Beide KI-Systeme erstellten insgesamt 111 Fortsetzungsvarianten, Musikstudierende komponierten weitere 57 Vervollständigungen. Als konstante Rahmenbedingungen waren dabei die maximale Anzahl der Töne sowie der tiefste und höchste Ton vorgegeben. Außerdem war die Verwendung unterschiedlicher Tonlängen und ein nachvollziehbarer melodischer Höhepunkt gefordert worden.

Anschließend bewerteten 71 Blindtest-Teilnehmende die ästhetischen Qualitäten der Musikstücke auf einer fünfstufigen Skala nach „Gefallen“, „Interessantheit“, „logisch und sinnvoll“ und „überzeugend“.And the winner is: Der Mensch. Die menschlichen Lösungen wurden auf allen Skalen deutlich besser bewertet als die KI-Versionen, wobei das ältere System Google Magenta Studio noch hinter ChatGPT rangierte.

Prof. Dr. Reinhard Kopiez resümiert: „Zumindest die aktuell verfügbaren leistungsfähigsten KI-Systeme bleiben bei standardisierten Bedingungen unterhalb des kreativen Niveaus von Musikstudierenden.“ Und er plädiert dafür, “die in der Öffentlichkeit oftmals überhöhte Bewertung der kreativen Leistungsfähigkeit von KI-Systemen kritisch zu begleiten und auch auf Schwachstellen der Systeme hinzuweisen“. Den verwendeten KI-Systemen fehlte zum Beispiel ein Konzept von Tonalität, wodurch Melodiefortsetzungen häufig in einer anderen Tonart endeten als sie begonnen hatten.

Über diese Forschungsergebnisse kann also jeder Komponist und Musiker freuen. Denn so nebenbei hat das HMTMH-Forschungsprojekt damit auch nachgwiessen, dass die zurzeit verfügbare KI durchaus gefällig klingende Zufallsprodukte fabrizieren kann. Doch für ein stilvolles Improvisieren wird immer noch die Kreativität von fantasiebegabten, einfühlsamen und gut ausgebildeten Musikern benötigt.

Nachdenklich stimmt die HMTMH –Presssemitteilung allerdings mit dieser Aussage: “Die Ergebnisse der Hannoveraner Wissenschaftler liefern wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung von KI-Systemen im Musikbereich. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Forschung in diesem Bereich, um das Potenzial und die Grenzen von KI in der Musik besser zu verstehen.”

Machen die HMTMH-Wissenschaftler damit der Musikindustrie ein unmoralisches Angebot?  Würden sie auch dabei helfen, die Musikschaffenden durch leistungsfähigere KI-Systeme zu ersetzen? Oder wollen die Musikpsychologen – so wie auch alle Musiker – einfach nur spielen?  

Text: Winfried Dulisch, November 2024

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