Inside Scofield – Der Film als Liebeserklärung an den Jazz

Jörg Steineck
Filmemacher Jörg Steineck

Filmemacher Jörg Steineck spricht über seinen aktuellen Film mit Cosmo Scharmer von jazz-fun.de

Jazz-Fun.de
Warum John Scofield? Was ist das Besondere an ihm?

Jörg Steineck:
Ich kann das nicht als Musiker, sondern nur als Filmemacher beantworten. Gut ist, dass er tatsächlich noch lebt, was ganz sinnvoll ist, wenn man einen Film über das Leben eines Menschen machen möchte. Ich halte nicht viel von Filmen, in denen ausschließlich andere Leute über das Leben des Hauptprotagonisten erzählen. Außerdem bin ich immer ein großer Freund von Jazz gewesen und wollte schon lange einen Film über das Genre drehen. John gab mir die Möglichkeit dazu.

Er ist einerseits sehr bekannt, andererseits gibt es noch keinen Dokumentarfilm über ihn. Das macht die Sache für einen Dokumentarfilmer natürlich besonders spannend, wegen der ersten filmischen Auseinandersetzung mit seiner Person.

jazz-fun.de:
Erfolgte der erste Kontakt zu John Scofield während eines Konzertes, mittels von CDs oder gab es ein besonderes persönliches Erlebnis?

Jörg Steineck:
Dazu muss ich sagen, dass ich den Jazz über meinen Vater, der selbst ein großer Jazz Fan ist, kennenlernte. Jazz ist einfach ein grundlegender Teil meiner musikalischen Identität. Als Filmemacher ist es nicht schädlich - eher im Gegenteil - musikalisch geprägt zu sein. Das ist nicht nur für einen Musiker wichtig. Als Filmemacher muss man ein gewisses musikalisches Grundvermögen haben, um zu wissen, wie der Rhythmus zustande kommt, welche Möglichkeiten auszunutzen sind, um einen Film interessant zu gestalten.

jazz-fun.de:
Wann gab es eine Gelegenheit, John Scofield zum ersten Mal live zu hören?

Jörg Steineck:
Live im Konzert. Das war 2007, glaube ich. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon ein halbes Jahr miteinander korrespondiert, um den Film „einzuläuten“. Es war dann von unserem ersten Treffen abhängig, ob wir das ganze Projekt weiterführen wollen oder nicht. Der erste persönliche Kontakt war relativ herzlich. Wir haben schnell gemerkt, dass wir einen ähnlichen Humor und gewisse Eigenarten besitzen, die wir aneinander schätzen. Eine notwendige Grundlage für alles Weitere.

jazz-fun.de:
Was ist das Besondere an seiner Musik? Gibt es etwas an seinem Stil, was Dir gefällt, was Dich fasziniert?

Jörg Steineck:
Ich finde, dass - von allen großen aktuellen Jazz-Gitarristen - mich John am meisten beeindruckt. Es ist die Art und Weise zu spielen. Sein Gitarrenspiel, sein Ton klingt noch immer rau, - ich will nicht unbedingt sagen nach Punk Rock -, aber seine Tonfärbung hat eine gewisse erdige Kantigkeit.

Er macht sich seine - wie soll ich sagen „Unvollkommenheit“ – sehr bewusst, um seine Spielkultur weiterzuentwickeln. Dieses Perfektionieren des Nicht-Perfekten ist im Jazz keinesfalls üblich. Sein Sound ist nicht abgerundet oder geschönt. Unter einem visuellen Aspekt würde man sagen, er braucht keine Garnitur, er designet nicht, sondern sein Spiel behält eine künstlerische Authentizität, eine Qualität, die allein auf dem Ausdruck basiert.

John Scofield
John Scofield - Foto: Jörg Steineck

jazz-fun.de:
Technische Aspekte. Du hast das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und bist dabei, den Film zu produzieren. Kannst du etwas darüber erzählen?

Jörg Steineck:
Beim Dokumentarfilm schreibt man nur selten ein Drehbuch. Das macht man fast gar nicht. Tatsächlich hab ich es dann doch getan. Aber das war nur ein Versuch, ihm ein Drehbuch unterzujubeln. Darauf ist John aber nicht eingegangen. Tatsächlich habe ich versucht, seine Geschichte in einer noch filmischeren Form aufzuschreiben, aber das funktionierte nicht. Wir haben dann einen Mittelweg gefunden, damit er seine Geschichte selbst narrativ wiedergeben kann.

Das hat nicht funktioniert, weil es nicht seine eigene Stimme war, die ihn zitierte. Tatsächlich habe ich die meisten Zitate aus Interviews zusammengesucht, die nicht ich geführt, aber die er gegeben hatte. Es war also „er“, der da sprach. Ich bin der Meinung, dass es nach wie vor ein sehr interessanter Ansatz war. Aber es passte nicht mehr in den Gesamtkontext des gefilmten Materials.

jazz-fun.de:
OK, es gab bei diesem Projekt kein klassisches Drehbuch, aber natürlich gab es jemanden an der Kamera und auch eine Person, die Regie führte. Diese Jobs hast Du alle übernommen?

Jörg Steineck:
Das übernehme ich bei all meinen Filmen. Fotografisches Filmen ist meine Leidenschaft, da ich dann Bilder komponieren kann. Ich glaube, ich wäre eher ein schlechter Regisseur. Auch glaube ich nicht, dass ich Leute gut herumkommandieren und ihnen sagen kann, was sie zu tun haben. Deswegen realisiere ich die meisten Dinge sehr gern selbst und setze sie um, ohne mich dabei verbiegen zu müssen oder Zeit mit Reden zu verschwenden.

jazz-fun.de:
Kommen wir zum Film. Ein Porträt über einen Jazzmusiker, da muss Musik drinstecken und auch das Leben wird Gegenstand sein. Gibt es noch weitere Aspekte, die der Film aufzeigt?

Jörg Steineck:
Der Film ist kein reines Porträt, sondern hauptsächlich eine filmische Begleitung seines aktuellen Lebens als Musiker mit kleineren Rückblicken auf seine Karriere.

Einerseits behandelt der Film das Leben eines Jazz-Musikers auf Tour, mit all den Begleiterscheinungen, mit allen Problemen und Umständen, die bei einer Tour entstehen, und die auch die Musik beeinflussen. Andererseits ist er eine innere Auseinandersetzung Johns mit seinem eigenen musikalischen Schaffen und der Musik selbst.

Der Film ist eigentlich eine Liebeserklärung an den Jazz.

Das Besondere an dem Film ist die Art und Weise, wie er geschnitten wird, also seine Erzählweise. Es geht vorwiegend um John’s Gedankenwelt. Der Zuschauer erlebt unvermittelt, was gerade passiert, da John sein Leben und das Erlebte direkt kommentiert, so als säße man in seinem Kopf. Inside Scofield. Die Zuschauer werden wirklich Teil der Sichtweise, der Eindrücke von John Scofield.

jazz-fun.de:
Was ist mit Zeitzeugen und Musikerkollegen, die im Film vermutlich zu Wort kommen?

Jörg Steineck:
Es ist definitiv kein heroisierender Talking-Head-Dokumentarfilm mit Wegbegleitern, die die ganze Zeit über John’s Leben referieren und ihm eine Art göttliche Jazz-Allmacht unterjubeln wollen. Der Film soll genauso bodenständig sein wie John selbst.

jazz-fun.de:
Der Film enthält auch Musik?

Jörg Steineck:
Nein. Aber ja doch. Ich habe einige seiner Live-Konzerte gefilmt, und Stücke daraus werden sicherlich auch Gegenstand des Films sein.

jazz-fun.de:
Das nächste Stichwort heißt auf neudeutsch Crowdfunding. Es geht dabei ums Einsammeln von Geld, um die Finanzierung von kulturellen Projekten. Wie ist der Stand der Dinge?

Jörg Steineck:
Wir entwickeln uns ganz ordentlich auf Kickstarter - einer Website für Crowdfunding -, die sich sehr stark auf Filme spezialisiert hat. Dort gibt es die Möglichkeit, Projekte durch Spenden zu unterstützen, Spender erhalten dafür irgendwelche Goodies. Nach einem fulminanten Start sah es ganz gut aus, im Moment brauchen wir aber noch jede Menge Hilfe von außen, um das Ziel zu erreichen. Es ist eine Alles- oder Nichts-Kampagne.

Inside Scofield - Kickstarter Kampagne
Inside Scofield - Kickstarter Kampagne

jazz-fun.de:
An wen richtet sich die Kampagne? Wer sind die Spender?

Jörg Steineck:
Da sind alles Leute, die Musik mögen, die Jazz lieben. Die Spender sind überwiegend Privatpersonen, keine Institutionen oder Firmen. Bei einer Kampagne wie Crowdfunding geht es auch darum, ein Publikum zu „erzeugen“, also nicht nur das Geld zu bekommen, sondern auch ein Publikum zu „generieren“, das den Film - in irgendeine Art und Weise - interessant genug findet, um ihn zu unterstützen.

jazz-fun.de:
Wie können die Projekte unterstützt werden?

Jörg Steineck:
Wir haben ein reiches Angebot an Give-aways wie DVDs, Downloads und Poster. Aber das ist als Geschenk gedacht. Der Spender spendet und als Anerkennung kann er diese kleinen Aufmerksamkeiten erhalten. Es heißt ja im englischen Original nicht mal Spender sondern Pledge steht mehr oder weniger für Unterstützer oder Pfänder.

jazz-fun.de:
In welchen Medien wird der Film zu sehen sein?

Jörg Steineck:
Das ist noch relativ offen. Ich musst ihn erst schneiden und dann versuchen, den Film bei großen Filmfestivals unterzubringen, so wie es üblich ist. Danach wird sich dann alles Weitere ergeben. Ich hoffe, dass es möglich sein wird, den Film auf Netflix zu zeigen oder auf anderen großen Plattformen. Aber bei Jazz-Filmen ist das schon relativ schwierig. Da muss man wirklich sehr viel Miles Davis drin haben, um damit punkten zu können. Aber der wird natürlich auch im Film vorkommen.

jazz-fun.de wünscht Herrn Jörg Steineck sowie allen John Scofield Fans und Jazzmusikliebhabern, dass die Finanzierung des Films ein Erfolg wird! Jeder kann dazu beitragen und helfen, diesen großartigen Film zu realisieren. Alle Details finden Sie hier:
www.scofilm.com

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